Kommentar zur deutschen Konjunktur
Schluss mit den Märchen!

Die Wirtschaft in Deutschland brummt unverändert. Dafür gibt es gute Gründe – zum Beispiel den starken Export. Doch in den besten Zeiten macht man auch die schlimmsten Fehler.
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Es ist Zeit, sich zu freuen: Deutschland ist auf dem Weg in die Hochkonjunktur, erklären uns heute die Forscher mehrerer Forschungsinstitute genauso wie Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel. Sie alle können zwar nicht wirklich in die Zukunft gucken, aber der Trend, den sie ausmachen, zeigt klar nach oben. Und das heißt: Die Wirtschaft brummt.

Zwei Gründe dafür sind entscheidend. Erstens: Die Exporte legen weiter zu. Für mich ist das ein Zeichen, dass wir die lautstarken Klagen über das Bildungssystem, eine mangelnde Start-up-Kultur und den Einbruch der Wirtschaft in Schwellenländern nicht übergewichten dürfen. Denn wenn unsere Autos, unsere Maschinen und unser Know-how nach wie vor weltweit gefragt sind, dann sind die Menschen, die dies entwickeln und produzieren, offenbar weder zu schlecht ausgebildet noch zu teuer.

Es scheint auch genügend Innovatives aus Deutschland zu geben, und es sieht eben nicht so aus, als wäre die oft beschriebene Rezession in den Schwellenländern wirklich besonders relevant für deutsche Firmen.

Der zweite Grund für die brummende Konjunktur ist eine starke Binnennachfrage. Die Deutschen kaufen gerne ein und haben offenbar das Geld dafür. Wer jetzt jammert, dass sein Einkommen zu gering, die Steuerbelastung zu hoch und der Kita-Platz zu teuer ist, mag das vielleicht so empfinden, die volkswirtschaftlichen Zahlen allerdings sprechen eine andere Sprache.

Fazit: In den besten Zeiten macht man die schlimmsten Fehler. Aus der Staatskasse gibt es weiter nichts zu verschenken. Aber es gibt etwas zu verteilen, wenn es um Investitionen in die Zukunft geht: Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben und hier mitmachen wollen, sind zum Beispiel eine solche Investition.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur

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  • Was macht die Ladenkette, wenn es sich bei den Einwanderern und anderen herumgesprochen hat, dass man bei ihr umsonst einkaufen kann?
    Ich nehme an, dann kommt das Verbot für solche Leute, den Laden überhaupt zu betreten. Oder die Zahl der für Sicherheit zu sorgenden Beschäftigten wird drastisch erhöht.
    Keine Kaufhauskette kann es sich auf Dauer leisten, dass Ware massenhaft gestohlen wird.
    Je früher sie da ein Stop Schild aufstellt, desto besser für die Ladenkette.

  • Das Niveau des Handelsblattes nähert sich immer mehr der 4- Buchstaben- Gazette an.

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