Kommentar zur „Ehe für alle“
Homosexuelle – das letzte Feindbild

Die Berliner CDU hat mehrheitlich gegen die „Ehe für alle“ gestimmt. Das richtet sich gegen Homosexuelle und ist keine landespolitische Petitesse, sondern wirft ein trübes Schlaglicht auf die ganze Partei.
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Die Union in ihrer Breite hat – den bekennenden Homosexuellen in den eigenen Reihen zum Trotz – ganz offenbar die Homosexuellen als letztes Feindbild auserkoren. Als Gruppe, gegen die sich die hetero-zentristischen, gefühlten ‚Normalbürger‘ wunderschön abgrenzen können: Wir hier sind die Norm – ihr dort seid die Andersartigen, die irgendwie nicht richtig dazugehören, nicht dazugehören sollen.

Christlich ist das nicht. Wenn Gott die Welt erschaffen hat, hat er sowohl Heteros als auch Homosexuelle erschaffen. Und wenn er ein Gott der Liebe ist, liebt er beide. Gleichermaßen. Wer sind die deutschen Christdemokraten, dass sie sich da erheben und eine kleine Gruppe ausgrenzen?

Offensichtlich ist Fremdheit und die Angst vor dem Unbekannten die letzte Ausfahrt, um eine eigene Identität zu wahren, um sich wenigstens an irgendeinem Punkt trotzig zu verbarrikadieren. In der Frauen-Debatte ist es schlicht nicht mehr opportun, noch die alte Macho-Herrlichkeit zu pflegen. Nicht mit einer Kanzlerin, die sogar die Quote auf den Weg gebracht hat.

In der Ausländerfrage ist gestriges Gedankengut sogar richtig gefährlich und die Nöte des Arbeitsmarktes zwingen ohnehin zu einer Flexibilität und Offenheit, die in früheren Jahrzehnten undenkbar war.

Und der kommunistische Ostblock ist schon vor so langer Zeit zusammengebrochen, dass sich nur noch die älteren CDUler erinnern, wie schön und bequem das war, als man junge renitente Mitbürger mit einem zornigen „geh doch nach drüben“ erschrecken konnte.

Bleiben nur noch die Homosexuellen, die man in ihre Schranken weisen kann, um sich normal, richtig und überlegen zu fühlen.

Angela Merkel hat mit ihrem legendären Gespür für Stimmungen frühzeitig klar gemacht, dass auch sie hier eine Grenze sieht. Machttaktisch ist das schlau. Gesellschaftspolitisch ist das traurig.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Kommentar zur „Ehe für alle“: Homosexuelle – das letzte Feindbild"

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  • Wieso vergreifen wir uns eigentlicht an dem althergebrachten , vollkonservativen Begriff Ehe . Überlassen wir doch den Begriff denen , die dafür gemacht sind . Wir sollten die uns eigene Kreativität nutzen um für unser Anliegen
    ( gleichgeschlechtliche Verantwortungsgemeinschaft ) , zu der auch nicht nur zwei gehören können , auch einen passenden und eindeutig statusbezeichnenden Namen zu kreieren ! Auf , auf , Vorschläge bitte !

  • "Nennen Sie mir doch einmal die wesentlichen Argumente Pro "Homo-Ehe"."

    Gleichstellung, Humanität, Stabilität, Gerechtigkeit, Menschenfreundlichkeit, Eheglück, Kindererziehung, Liebe, Produktivität,

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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