Kommentar zur Krankenversicherung
Die Wirtschaft muss zahlen

Die Zeiten stabiler Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung sind vorbei. Doch seit der Arbeitgeberbeitrag eingefroren ist, tragen die Versicherten die steigenden Zusatzbeiträge allein. Das darf nicht so bleiben.

BerlinAngesichts wieder steigender Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung fordert die SPD, dass die Arbeitgeber sich wieder zu gleichen Teilen an den Gesundheitskosten beteiligen. Für diese Rückkehr zur Parität ist es in der Tat höchste Zeit. Denn seit der Arbeitgeberbeitrag zur Krankenversicherung eingefroren wurde, verabschiedete die große Koalition nur noch Gesundheitsreformen, die Geld kosten. Die Wirtschaft übte zwar Kritik an den teuren Gesundheitsplänen, aber lange nicht mit der Vehemenz, die sie an den Tag gelegt hat, als sie noch selbst die Folgekosten dieser Politik mitbezahlen musste.

Noch steht entgegen anderslautenden Zeitungsberichten nicht fest, wie stark die Beitragsbelastung der gesetzlich Krankenversicherten im kommenden Jahr im Durchschnitt steigen wird. Der Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt tagt noch. Aktuell berät er über die erwartete Entwicklung der Ausgaben im kommenden Jahr.

Erst am frühen Abend dürfte daher nach aktuellem Stand der Dinge klar sein, wie stark die allein von den Versicherten zu tragenden Zusatzbeiträge steigen werden. Doch egal, ob es nun die von der „Bild“-Zeitung spekulierten 0,3 Prozentpunkte sein werden oder nur 0,2 Prozentpunkte.

Ratgeber Krankenversicherung

Klar ist schon jetzt, dass die Zeiten stabiler Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung vorbei sind. Noch liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Versicherten unter 0,9 Prozent. Nur wenige Krankenkassen fordern bereits heute mehr. 0,3 Prozentpunkte mehr bedeuten eine Zusatzbelastung der mehr als 50 Millionen Beitragszahler um insgesamt über drei Milliarden Euro.

Es ist nicht allein diese hohe Summe, die die SPD mit der Forderung auf den Plan ruft, Zusatzbeiträge künftig nicht mehr allein von den Versicherten zahlen zu lassen. Den Sozialdemokraten geht es vor allem um eine faire Lastenverteilung. „Die Beitragssteigerungen bei der gesetzlichen Krankenversicherung müssen allein von den Arbeitnehmern geschultert werden“, kritisiert etwa Hilde Mattheis, die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. „Das ist schlichtweg ungerecht. Diese Steigerungen belasten die Beitragszahler über Gebühr, daher müssen schnell die Lasten wieder fair zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer verteilt werden.“

Ökonomen wenden gegen dieses Gerechtigkeitsargument ein, dass es volkswirtschaftlich gesehen am Ende überhaupt keinen Unterschied macht, ob der Krankenkassenbeitrag zu einem größeren oder kleineren Teil von den Arbeitgebern an den Gesundheitsfonds überwiesen wird oder den Arbeitnehmern von ihrem Bruttoeinkommen abgezogen wird.

In jedem Fall sei der Krankenkassenbeitrag Teil der Lohnkosten des Arbeitgebers. Auf lange Sicht ist das tatsächlich richtig. So führten in der Vergangenheit steigende Sozialabgaben auch immer dazu, dass die Gewerkschaften versuchten, bei ihren Lohnverhandlungen eine Kompensation der Zusatzbelastungen durch entsprechende Lohnerhöhungen durchzusetzen. Auf kurze Sicht trifft dies allerdings nicht zu. Hier führt eine Erhöhung der Sozialabgaben schlicht zu sinkenden Nettoeinkommen.

Seite 1:

Die Wirtschaft muss zahlen

Seite 2:

Dieser Druck der Wirtschaft fehlt offenbar

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%