Kommentar zur Pflegeversicherung
Gröhes größte Reform

70 Millionen gesetzlich Pflegeversicherte: Die Pflegereform ist bislang das Filetstück in Hermann Gröhes politischem Oeuvre. Das Projekt des Bundesgesundheitsministers nimmt endlich den ganzen Menschen in den Blick.
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BerlinMit Kosten von fünf Milliarden Euro ist die am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedete Pflegereform sicher das größte Projekt von Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) und was seine Auswirkungen für 70 Millionen gesetzlich Pflegeversicherte betrifft, sicherlich auch die bedeutendste.

Seit 2009 hat es Anläufe gegeben, das alte Pflegerecht, nachdem sich der Anspruch auf Hilfe alleine nach dem Ausmaß körperlicher Beeinträchtigungen richtete, neu zu ordnen. Weg von der Minutenpflege, bei der der Leistungsanspruch sich danach richtet, wieviel Zeit für Verrichtungen wie Waschen und Haarekämmen nötig ist, die der Pflegebedürftige nicht mehr selbstständig ausüben kann, hin zu einem Pflegebedürftigkeitsbegriff, der den ganzen Menschen in den Blick nimmt.

Nun wird das endlich umgesetzt. Ab 2017 werden die alten drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt. Materiell halten sich die Verbesserungen freilich in Grenzen, den schon mit den vergangenen zwei Pflegereformen wurden gezielt Leistungsverbesserungen eingeführt, die im Vorgriff auf das neue System vor allem Demenzkranken zusätzliche Hilfe gewähren.

Gleichwohl dürfte die neue Definition von Pflegebedürftigkeit dazu führen, dass 500.000 Menschen erstmals einen Leistungsanspruch haben werden.

Weiterhin ungeklärt ist, wie der künftig steigende Pflegebedarf rein personell bewältigt kann. Mit der Reform wird die Selbstverwaltung der Pflegekassen beauftragt, ein wissenschaftlich basiertes Personalbemessungssystem zu entwickeln.

Ziel ist es, eine bessere Betreuung sicher zu stellen als heute. Dazu soll auch das unzulängliche Notensystem, mit dem Heime und Einrichtungen bisher bewertet werden, reformiert werden. Die Frage ist nur, wo soll das zusätzliche qualifizierte Personal herkommen, dass nach Abschluss der Arbeiten sicherlich erforderlich werden wird?

Eine Reform des Pflegeberufs soll den harten Pflegejob attraktiver machen. Wichtigster Punkt: Das in vielen Ländern noch erforderliche Schuldgeld soll endlich wegfallen. Trotzdem bleibt der zunehmende Mangel an Pflegefachkräften die Achillesverse der Pflegepolitik dieser Bundesregierung.

Kommentare zu " Kommentar zur Pflegeversicherung: Gröhes größte Reform"

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  • Wie wäre es wenn staatlich verordnete Fremdleistungen, die von den Sozialkassen, als kompetentere Durchführungsorgane erbracht werden, endlich auch in voller Höhe von Staat erstattet werden?!
    Verweis: www.seniorenaufstand.de (für alle Pflichtversicherten interessant).

  • Schuldgeld?

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