Kommentar zur Ukraine-Krise
Ein kleiner Schritt nach vorne

Das Gespräch zwischen Kanzlerin Merkel und dem russischen Präsidenten ist ein ermutigendes Signal. Ein Ergebnis ist aber nicht greifbar. Wladimir Putin muss sich auf den Westen zubewegen – und umgekehrt. Ein Kommentar.
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BerlinDas Treffen zwischen Merkel und Putin hat keinen Durchbruch gebracht. Ein greifbares Ergebnis war nach der langen Zeit des Schweigens am Verhandlungstisch auch nicht zu erwarten. Doch das Gespräch zwischen der Kanzlerin und dem russischen Präsidenten ist ein ermutigendes Signal. Es habe eine „sehr klare und auch sehr harte Aussprache“ mit Putin gegeben, sagte Merkel.

Zwar sei man von einer Einigung „sehr weit entfernt“. Aber es wird geredet. Der russische Präsident habe die Verantwortung, Einfluss auf den syrischen Machthaber Baschar al-Assad. Merkel hat den Gesprächsfaden trotz aller Schwierigkeiten nie abreißen lassen. Das macht sich doch noch bezahlt.

Putin erklärte sich immerhin bereit, die Aussetzung der Luftangriffe in Syrien zu verlängern. Er habe seinen europäischen Partnern auch gesagt, dass Russland eine Beschleunigung der Arbeiten an einer neuen syrischen Verfassung vorschlage. Ein kleiner Schritt nach vorne. Immerhin.

Denn die Welt ist auf der Suche nach neuer Ordnung. Syrien, Ukraine, Islamischer Staat – das sind Begriffe, die das geopolitische Chaos in der Welt beschreiben. Und dieses Ringen um Einfluss geschieht nicht in klimatisierten Räumen. Der Kampf um die Vorherrschaft wird mit Gewalt ausgetragen. Nicht nur in Aleppo oder in Mossul. Auch in Deutschland ist der Terror durch den Islamischen Staat längst angekommen.

Am heutigen Donnerstag treffen sich in Brüssel die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union. Auch sie werden wieder über die Frage diskutieren, wie man mit dem russischen Präsidenten umgehen soll. Europa ist darüber zerstritten. Die Franzosen dringen auf neue Sanktionen. Die Bundesregierung mit den SPD-Ministern Gabriel und Steinmeier raten zu weiteren Gesprächen.

Das Bild Russlands ist in all dieser europäischen Uneinigkeit ein sehr gemischtes. Beim Iran-Konflikt etwa war Putin sehr kooperativ. Es hat zudem Fortschritte im Ukraine-Konflikt gegeben, auch wenn das Minsker-Abkommen noch lange nicht umgesetzt ist. Und in Syrien. Da wird es nur mit und nicht gegen Russland ein Lösung geben. Libyen nicht zu vergessen, auch wird spielt Putin eine zentrale Rolle.

Das alles mag für die Hardliner eine bittere Erkenntnis sein. Doch an der Wirklichkeit kommt niemand vorbei. Der Westen muss sich auf Russland zubewegen und umgekehrt. Ohne Kooperation und Kompromissbereitschaft wird keine Krise überwunden. Weder die in der Ukraine noch in Syrien.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros

Kommentare zu " Kommentar zur Ukraine-Krise: Ein kleiner Schritt nach vorne"

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  • Der Kartoffelsack aus der Uckermark ist gegen Putin eine Lachnummer.

  • Es wird nur Ruhe geben, wenn die beiden Volksgruppen der Uukrainer und Russen endlich ihr eigenes Land bekommen. Alles andere ist scheinheiliges Herumgeeiere um die Wahrheit.

  • @Herr Josef Schmidt
    "Wer ist verantwortlich dass das Minsker Abkommen nicht umgesetzt ist?"

    Man müsste diese Frage überhaupt nicht stellen, wenn die Maidan-Unruhen nicht wohlwollend vom Westen - dazu gehören natürlich auch Merkel und Steinmeier - gesehen, vielleicht sogar unterstützt worden wären. Hier nahm die Misere ihren Lauf.

    Oft drängt sich bei mir der Gedanke auf, dass die genannten Personen bestimmte Handlungen nur vornehmen, um eine gewisse Existenzberichtigung dem Publikum vorzugaukeln, bei den Bürgern bekannt unter ABM.

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