Kommissionsarbeit

Arbeitgeber stellen Bedingungen zum Mindestlohn

Die Idee eines staatlich verordneten Mindestlohns passt den Arbeitgebern nicht. Ingo Kramer will dennoch mit am Tisch einer geplanten Kommission sitzen. Er drohte allerdings schon vorab mit einem Ausstieg.
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Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer ist skeptisch gegenüber einem staatlich fest gesetzten Mindestlohn. Quelle: ap

Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer ist skeptisch gegenüber einem staatlich fest gesetzten Mindestlohn.

(Foto: ap)

BerlinDie Arbeitgeber wollen an der von CDU, CSU und SPD geplanten Mindestlohn-Kommission teilnehmen, stellen aber Bedingungen. Man wolle zwar keine Fundamentalopposition betreiben, sagte der neue Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" laut Vorab-Bericht aus der Donnerstag-Ausgabe.

Falls sich aber herausstelle, dass in der Kommission eine "heimliche Koalition aus Gewerkschaften und Regierung sitze, wäre das ein Ausstiegsgrund", sagte er. "Wir sind nicht dazu da, einer fragwürdigen Politik das Etikett 'Tarifautonomie' zu geben."

Schon zuvor hatte Kramer den sozialpolitische Kurs von Union und SPD als Gefahr für die angestrebte Vollbeschäftigung kritisiert und vor einer Abkehr von der Arbeitsmarkt-Reformpolitik gewarnt. Mit Blick auf Forderungen der SPD hatte er vor einem gesetzlichen flächendeckenden Mindestlohn gewarnt.

"Wer 8,50 Euro für alle verspricht, sollte ehrlich sagen, dass Beschäftigungssicherung auf dem heutigen Niveau oder gar Vollbeschäftigung damit nicht zu erreichen ist." Ein Langzeitarbeitsloser werde in vielen Branchen und Regionen "für staatlich verordnete 8,50 Euro" kaum einen Einstieg in Arbeit finden.

Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) nannte die bisherigen Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen von Union und SPD eine Gefahr für den Standort Deutschland.

  • rtr
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26 Kommentare zu "Kommissionsarbeit: Arbeitgeber stellen Bedingungen zum Mindestlohn "

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  • Lobbyisten gibts auf allen Seiten: Bei den Grünen sind es die Solarmodulhersteller, bei den Linken die Sozialverbände die ins Ohr säuseln, bei der NRW-SPD ist es der Kohlebergbau, usw.
    Nur nichts vormachen. Einflussnahme wird bei jeder Partei geübt und zwar nicht zum Wohle der Gemeinschaft, sondern immer nur der eigenen Klientel gegenüber, ob nun Kaninchenzüchter, Makler oder Transfergeldempfänger.

  • Erst mal Ludwig Erhardt lesen und seinen soziale Marktwirtschaft im Sinne Armacks und Eugens verstehen...
    8,50 € flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn wäre jedenfalls nicht in seinem Sinne!

  • Man muß aber auch wissen, daß die Gewerkschaften zu Brandts und Schmidts Zeiten viele Unternehmen und den Staat mit Erpressungen in den Ruin getrieben haben. Ich erinnere nur mal an den fetten Kluncker, den Absahner Steinkühler und deren Genossen.

    Nun läuft es eben andersrum.

  • Da ist was dran...

    Aber die genannten, uns nahe stehenden Länder haben auch vernünftige Gewerkschaften und anständige Arbeitgeber. Es sind eben Völker und keine hochneurotischen "Gesellschaften".
    Ich zahle nie unter 10,-€ Stunde und das würde ich auch einem vom Arbeiterstrich geben.

    Im Bauwesen ist nun mal der Irrsinn zum Gsetz geworden, daß der Billigste den Auftrag kriegt. Unter der irren Fiktion, daß alle Bieter die gleiche Leistung abliefern.

  • "Eigentlich, wenn im Arbeitsrecht die notwendigen LEITPLANKEN installiert sind, ist ein Mindestlohn nicht notwendig ! Hatten wir in D bis ROT/GRÜN nicht nötig!!!"

    Richtig, der wird jetzt durch die Werkverträge, Pseudo-Gewerkschaften und Leiharbeiter-Regelungen notwendig.
    Diese Geister haben die (meistens) Herren dieser Liga selbst herbei gerufen.

  • Eigentlich, wenn im Arbeitsrecht die notwendigen LEITPLANKEN installiert sind, ist ein Mindestlohn nicht notwendig ! Hatten wir in D bis ROT/GRÜN nicht nötig!!!

    Wenn aber durch Lobbyfreundliche Deregulierungen das Arbeitsrecht in eine fatale Schieflage gerät, sind diese skandalösen und menschen verachtende Machenschaften von "Unternehmen" (nicht alle, aber zu viele) vorprogrammiert,leider.

    Dieses war vorhersehbar und war auch für die Politik eigentlich erkennbar. Aber, es war/ist bis jetzt so gewollt/geduldet! Diese widerliche Ausbeutung !!!

    Diese "Unternehmen" sind für das 21.Jahrhundert noch nicht bereit, für das 19. Jahrhundert hat man sich bereits qualifiziert !

    Die "POLITIK" hat überzeugend und mit nachdruck versagt!



  • "Die Idee eines staatlich verordneten Mindestlohns passt den Arbeitgebern nicht."

    Da muss man ja doch mal einhaken.
    Mir paßt das Dumping-Lohngebahren, Werkverträge und der sonstige Arbeitskräftehandel auch nicht.
    Meine Arbeitskraft ist nicht verhandelbar, sie ist das einzige was ich habe, sowohl als Unternehmer, Selbstständiger und als "Arbeitnehmer".
    Von einer Auflösung der Sozialpartnerschaft, die Deutschland überhaupt so "groß" gemacht hat, war nie die Rede, liebe Arbeitgeberverbände und eure Lobbyisten.
    Mit Dumpinglöhnen und Pseudo-Gewerkschaften tut ihr aber genau das! Ihr reißt den Arbeitnehmern den Arm aus, obwohl euch von den gewählten Volksvertretern nur der kleine Finger gereicht wurde.

  • "Wer regiert eigentlich dieses Land ?"

    Alles TOP-Leute.
    TOP-Ökonomen, TOP-Industrieverbände, TOP-Banker, TOP-Arbeitgeberverbände, TOP-Klerus, TOP-Politiker ...
    hab sicher noch ein paar TOP's ausgelassen :), aber alle haben eines gemeinsam, sie wollen unser "Bestes".

  • Mindestlohn ist ein MUSS. Ludwig Erhardt würde sich im Grabe umdrehen, wenn er sehen könnte, was Politik und Unternehmertum aus der sozialen Marktwirtschaft gemacht haben. Kreuzritter des Kapitalismus, kann ich nur sagen. Gleichzeitig steigen die Gehälter der Führungskräfte um das mehrfache. Ich schäme mich für diese Entwicklung. Übrigens: Ich bin eine Führungskraft und ertrage das Gejammer der Unternehmerverbände nicht mehr. Ich möchte die gute alte soziale Marktwirtschaft wieder zurück und den Shareholdervalue schicken wir zurück in die USA. Dann wird Wesentliches an sozialer Gerechtigkeit wieder in diesem Land statt finden. Bitte nachdenken, liebe Unternehmer.

  • @ Benutzername

    Naja, selbst dei USA und UK haben einen Mindestlohn. Ist das schon sozialistisch?
    Di Schweiz stimmen am 24.11. über 18€ Mindestlohn ab. Die Österreicher haben eine Lohnuntergrenze.
    In Staaten wie Dänemark, Schweden und Finnland wird die Höhe der Mindestlöhne ausschließlich über Verträge zwischen den Tarifparteien geregelt. Dies gelingt, weil eine hohe Tarifbindung garantiert ist. So sind in Skandinavien mehr als 90 Prozent aller Beschäftigten durch Tarifverträge abgedeckt. Angesichts der zunehmenden Liberalisierung des europäischen Dienstleistungssektors und der damit einhergehenden zunehmenden Arbeitsmigration werden aber auch in diesen Ländern gesetzliche Mindestlohnmodelle diskutiert.

    Und Deutschland braucht einen Mindestlohn, weil die Gier einiger widerlicher Unternehmer dazu führt, dass die Steuerzahler Aufstockung für Vollzeitkräfte bezahlen, um den Unternehmern ein fürstliches Leben zu ermöglichen.

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