Kommunalwahl
Deutschlands dienstältester OB geht

In Niedersachsen biegen die Wahlkämpfer auf die Zielgerade ein. Ein Ergebnis steht bereits heute fest: Die Landeshauptstadt Hannover bekommt einen neuen Oberbürgermeister. Hannovers Stadtoberhaupt Herbert Schmalstieg räumt vor der Kommunalwahl freiwillig seinen Schreibtisch.

HANNOVER. Am 10. September werden rund 6,4 Millionen Wahlberechtigte über die Zusammensetzung von gut 2 200 Gemeinde- und Kreisparlamenten entscheiden, zudem werden an diesem Tag 318 Bürgermeister und Landräte direkt gewählt. Eine Entscheidung steht bereits schon fest: Hannover bekommt einen neuen Oberbürgermeister.

Deutschlands dienstältester OB tritt ab. Herbert Schmalstieg, der wohl bekannteste Hannoveraner überhaupt, zieht sich nach fast 35 Jahren aufs Altenteil zurück. 1972 wurde der 28-jährige Sparkassenbetriebswirt zum damals jüngsten Oberbürgermeister einer deutschen Großstadt gewählt. Amtsmüdigkeit war dem Sozialdemokraten nie anzumerken.

Auch in diesen Tagen tritt Schmalstieg frisch und engagiert auf wie eh und je. Er hat sich eine lange Abschiedstournee verordnet, die er auch dazu nutzt, den schon vor zwei Jahren von der SPD nominierten Nachfolger zu unterstützen: Stadtkämmerer Stephan Weil (47).

Dass Schmalstieg in Hannover viele Spuren hinterlässt, bestreitet auch die oppositionelle CDU nicht. Für deren Spitzenkandidaten, den Rechtsanwalt Dirk Toepffer, ist der amtierende Oberbürgermeister ein „lebendes Denkmal.“ Schmalstieg hat entscheidend dazu beigetragen, dass die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover ausgerichtet wurde – und die Stadt deshalb nicht nur ein hervorragendes Verkehrsnetz, sondern auch ein supermodernes Messegelände erhielt. Auch den Modernisierungsschub, den sich Hannover vor der Fußballweltmeisterschaft 2006 gönnte, hat der Oberbürgermeister vorangetrieben.

Schmalstieg selbst gibt sich gern asketisch und pflegt seinen Ruf als Friedenspolitiker. „Auf der Welt kann ich hinkommen, wo ich will, ich habe überall Freunde“, sagt er auch mit Blick auf die vielen Städtepartnerschaften, die er gepflegt hat. So kommt es nicht von ungefähr, dass er zum Ende seiner Amtszeit mit Ehrungen überhäuft wird. Hiroshima, New Orleans und Posen haben Schmalstieg zum Ehrenbürger ernannt. Neben seiner Tätigkeit im Rathaus engagierte sich Schmalstieg intensiv im Deutschen Städtetag, der ihn wiederholt zum Präsidenten wählte, und ab 1986 im niedersächsischen Landtag, wo er manchen Strauß mit seinen Parteifreunden ausfocht.

Auch mit Gerhard Schröder war er bisweilen über Kreuz, zum Beispiel 1971, als er noch an der Spitze des Juso-Bezirksverbandes Hannover stand. Schröder beklagte seinerzeit, Schmalstieg stehe zu weit rechts, machte gegen ihn mobil und ließ sich schließlich zu seinem Nachfolger wählen.

Seite 1:

Deutschlands dienstältester OB geht

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%