Kommunalwahl in Bayern
„Ich polarisiere wie Sau“

Zu Zeiten von Franz Josef Strauß hätte es das nicht gegeben: In Schongau stellt ein Bürgerschreck mit Dreadlocks die Politik auf den Kopf. In einer Woche könnte er Bürgermeister werden, der CSU-Mann ist schon geschlagen.
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MünchenWird ein öffentlich in Unterhosen auftretender Bürgerschreck mit Dreadlocks ausgerechnet in der Stadt Bürgermeister, in der Franz Josef Strauß seine politische Karriere begann? Was manchem in der CSU Angst einjagt, könnte Sonntag in einer Woche Realität sein. Der 27-jährige Tobias Kalbitzer geht in Schongau aussichtsreich in die Stichwahl – die CSU-Konkurrenz hat er schon ausgestochen.

„Ich polarisiere wie Sau“, sagt der 27-jährige Kalbitzer lachend über seinen Einzug in die Stichwahl. In seiner zwischen Augsburg und Füssen gelegenen 12.000-Einwohner-Heimatstadt tun sich seit Kalbitzers Auftauchen in der Lokalpolitik tatsächlich Gräben auf. Da sind die Konservativen und Bürgerlichen, die in der Lokalzeitung den Ausgang des ersten Wahlgangs „lächerlich“, „peinlich“ oder „beschämend“ nennen. Und da sind die von den Verkrustungen der Kommunalpolitik Genervten, die sich einfach nur über den erfrischenden Newcomer freuen.

Zum Beschämen des Bürgertums hat Kalbitzer reichlich Stoff geliefert. Bundesweit für Aufsehen sorgte ein Facebook-Video Kalbitzers, der im Internet unter seinem aus einem Rap-Hit stammenden Spitznamen Karl-Heinz Rumgedisse auftritt. In Unterhosen - in dem Fall Boxershorts – und mit Sakko öffnet er sich in dem Filmbeitrag eine Flasche Bier, füllt sie in aller Ruhe in ein Glas und trinkt dies in beachtlichen Zügen auf ex. Anschließend fordert er seine Bürgermeister-Konkurrenten auf, es ihm nachzutun.

Inzwischen distanziert sich Kalbitzer von dem Trinkspiel. Er habe nur ein bisschen Lockerheit in den Wahlkampf bringen wollen, doch sei er wohl übers Ziel hinaus geschossen. Allerdings sei der Film dennoch für ihn von Nutzen gewesen – seitdem ist er über Schongau hinaus bekannt.

Einen ersten Erfolg, den ihm niemand mehr nehmen kann, hat der bislang als Heilerziehungspfleger mit Suchtkranken arbeitende Kalbitzer schon gelandet. Er bekam bei der Stadtratswahl 5656 Stimmen – so viele wie noch niemals zuvor ein Stadtrat in dem Ort, in dem CSU-Legende Strauß als Landrat die Berufspolitik begann. Und bei der Bürgermeisterwahl ließ er den CSU-Bewerber weit hinter sich. Nun kommt es zum Duell mit einem SPD-Mann.

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Kandidatur begann mit einer Schnapsidee

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