Kommunen und Flüchtlinge: „Zur Zeit verwalten wir nur das Chaos“

Kommunen und Flüchtlinge
„Zur Zeit verwalten wir nur das Chaos“

Die Hauptarbeit in der Flüchtlingskrise fällt bei den Städten und Gemeinden an. Eine aktuelle Studie, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, zeigt nun: In den kommunalen Verwaltungen liegen die Nerven blank.

BerlinUnregistrierte Flüchtlinge, die Versorgung mit Nahrung und Kleidung, die Suche nach einem Einstieg in den Arbeitsmarkt – es sind die Kommunen, die die Flüchtlingskrise konkret in den Griff bekommen müssen. Besonders häufig fehlt es dabei an Personal und einer guten Abstimmung mit Bund und Ländern. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Beratungsgesellschaft Kienbaum, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Die Befragung wurde in Kooperation mit dem Deutschen Städte- und Gemeindebund und dem Deutschen Landkreistag durchgeführt. 

„Viele Verwaltungen sind dabei, mit gewohnten Routinen zu brechen und Abläufe und Strukturen neu zu denken“, sagt Hilmar Schmidt, Kienbaum-Geschäftsführer für den öffentlichen Sektor. Laut Studie bemüht sich etwa die Hälfte die Kommunen, die Arbeit noch in den gewohnten Strukturen zu bewältigen. 

Die andere Hälfte der kommunalen Verwaltungen hat bereits organisatorische Veränderungen vorgenommen. Hier wurden etwa eigene Fachabteilungen, Steuerungsgruppen oder Krisenstäbe eingerichtet. Doch die Nerven liegen blank: „Zur Zeit verwalten wir nur das Chaos“, lautet ein Kommentar aus der Verwaltung. „Eigene andere Aufgaben werden nicht mehr erledigt. Endloser Frust bei den Mitarbeitern und Helfern.“ 

Laut Kienbaum-Studie kritisieren die kommunalen Verwaltungen bei den internen Abläufen mit 89 Prozent die fehlende Planbarkeit von Maßnahmen, mit 84 Prozent ein Mangel an verfügbarem Personal in den Ämtern, mit 80 Prozent die fehlende Abstimmung mit Bund und Ländern und mit 77 Prozent die unklare Finanzierung der Maßnahmen.

„Bedarfe zu ermitteln, ist einfach – die zur Umsetzung notwendigen Mittel zu beschaffen, ist sehr schwierig“, lautet der Kommentar eines Befragten. „Planungsansätze sind bisher immer wieder durch aktuelle Änderungen überholt worden“, heißt es weiter. Der Personalbedarf werde deshalb jeweils kurzfristig den steigenden Anforderungen angepasst. 

Vielen Ämtern würde es laut Studie schon weiterhelfen, wenn Zahlen darüber vorlägen, wie viele Flüchtlinge jeweils in den nächsten zwei Monaten der Kommune zugewiesen werden. Auch Angaben über die Höhe der künftig gezahlten Landesmittel wären hilfreich. Gewünscht werden ebenso Daten über geplante Rückführungen. 

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Wenig Kooperation

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