Konferenz „On The Record“
Was läuft falsch im Journalismus?

Bei einer Konferenz kritisieren Politiker und Wirtschaftsgrößen, was Journalisten falsch machen. Und die dürfen antworten. Der Schlagabtausch brachte einen frommen Wunsch – und einen Seitenhieb von Stargast Steinbrück.
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Dortmund/DüsseldorfPeer Steinbrück macht direkt deutlich, was seiner Ansicht nach falsch läuft in den Medien: Nach dem Fernsehduell zwischen ihm und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Herbst 2013 hätte die Halskette der Kanzlerin „eine größere Rolle gespielt als das, worüber überhaupt debattiert wurde“, sagte er bei der Konferenz „On The Record“ in Dortmund.

Der ehemalige SPD-Kanzlerkandidat nutzte ein weiteres Beispiel für seine These der Banalisierung für einen Seitenhieb in Richtung des politischen Gegners. Bilder schlügen Inhalte, wenn sich „ein Politiker auf der Straße in New York fotografieren lässt“. Er spielte damit auf Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an, der sich 2009 vor der Skyline der Metropole hatte ablichten lassen, ähnlich wie es in diesem Sommer auch die derzeitige Ministerin Ursula von der Leyen getan hatte.

Die Konferenz „On The Record“ wollte „eine Brücke schlagen“ zwischen Politik, Wirtschaft und Journalismus. Organisiert wurde sie vom Lehrstuhl Wirtschaftspolitischer Journalismus der Technischen Universität (TU) Dortmund, an deren Spitze der Journalistik-Professor Henrik Müller steht, ehemals stellvertretender Chefredakteur des „Manager Magazins“.

Der für seine Attacken bekannte Stargast Steinbrück teilte aber nicht nur aus: Er gab auch zu, dass sich Politik zunehmend inszeniere („Welchen Schlips, welches Jackett ziehe ich an?“), aber auch von den Medien inszeniert werde: Politiker würden durch Shitstorms, Blogs und journalistische Überspitzung zu einem Polit-Sprech „erzogen“, der etwa so klinge: „Eine gute Grundlage ist die beste Voraussetzung für eine solide Basis.“ Für viele seiner Aussagen erntete er Applaus im Publikum.

Zu den Podiumsgästen zählten neben Steinbrück unter anderem Yves Mersch, Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) aus Luxemburg, Bert Rürup vom Handelsblatt Research Institute, der Wirtschaftsweise Christoph Schmidt, Staatssekretär Jörg Asmussen sowie Christian Rickens, Wirtschafts-Ressortleiter bei „Spiegel Online“.

Kommentare zu " Konferenz „On The Record“: Was läuft falsch im Journalismus?"

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  • Geht's noch?

    Steinbrück ist doch lediglich ein Dampfplauderer, der damit Kohle verdienen will. Das ist doch alles eine billige Tour.

    Er möge sich doch bitte nicht über unsere Demokratie lustig machen und die Fehler der Journalisten den Journalisten ankreiden. Es ist doch niemand in unserer Gesellschaft verantwortungsloser als unsere Politiker.

    Denken Sie nur an den ehemaligen SPD-Vorsitzenden Kurt Beck und das Nürburgring-Desaster mit dem Geld der Steuerzahler, dass das Land nicht hat.

  • Welch´ ein Journalismus, der sich selbst zum Propagandamittel degradiert, wie die FAZ bei der Merkel-Regierung etwa.

    Wenn dazu auch noch Leserkommentare selbst produziert, bewertet und scheinheilig dargeboten werden, ist das Ende nahe.
    Der Markt wird dafür sorgen.

  • Wir haben keinen freien, unabhängigen Journalismus mehr.

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