Konfessionelle Schulen
Eine Renaissance stabiler Werte

Sie sind die bezahlbare Alternative zu staatlichen Schulen, und doch bieten sie Kindern die Vorzüge privater Bildungseinrichtungen. In Deutschland nimmt der Ansturm auf konfessionelle Schulen weiter zu – und das, obwohl die Zahl der Kirchgänger zurückgeht.

BERLIN. Das Gymnasium Pulinum in Münster und das Theodorianum in Paderborn zählen zu den ältesten Schulen Deutschlands und sind als Kloster- oder Domschulen gegründet worden. Was im Mittelalter als reine Ausbildungsstätte für Mönche und Nonnen begann, öffnete sich später auch den Laienschülern. Seither nimmt die Kirche eine tragende Rolle in Sachen Bildung ein. Obwohl die Zahl der Kirchgänger zurückgeht, schicken heute immer mehr Eltern ihre Kinder auf konfessionelle Schulen.

Über 500 000 Schüler besuchen derzeit eine konfessionelle Privatschule. Das sind fünf Prozent aller Schüler an Realschulen und 7,5 Prozent aller Gymnasiasten. Insgesamt gibt es 800 konfessionelle allgemeinbildende Schulen in Deutschland. Die wenigsten entsprechen dem Bild der alten Klosterschule. In den meisten Schulen teilen Mädchen und Jungen die Klassenzimmer, Religionsunterricht gibt es nicht mehr als an anderen Schulen, und längst sind auch Kinder anderer Konfessionen unter den Schülern. Manche Traditionen haben die Schulen aber bewahrt, und genau die überzeugen viele Eltern. Religiöse Gründe stehen dabei oftmals nicht im Vordergrund. Schulen in christlicher Trägerschaft sind für viele Eltern vielmehr eine bezahlbare Alternative zu staatlichen Schulen, die den Kindern dennoch die bekannten Vorzüge privater Bildungseinrichtungen bieten.

So auch den 66 Fünftklässlern im Canisius Kolleg in Berlin. Wie jeden Dienstagmorgen hocken sie auch heute auf weißen Läufern und folgen dem Gottesdienst. An diesem Morgen sollen sie sich einen Tunnel vorstellen, an dessen Ende sie helles Licht erwartet. Lehrerin Ute Rosenbach verbreitet mit ihren Worten nahezu meditative Stimmung. Es ist Viertel nach acht, eine Stunde bevor der reguläre Unterricht beginnt. Die Kinder hören zu, viele haben die Augen geschlossen in dem in Weiß gehaltenen Raum, an dessen Front der Altar steht.

Ab der siebten Klasse feiern die Schüler dann ihren Gottesdienst in der Turnhalle der Schule. "Die Kleinen können daran noch nicht teilnehmen", sagt Rektor Klaus Mertes. Sie müssten erst einmal die Regeln und Rituale lernen und vor allem "Stille üben". Mertes ist Jesuitenpater und wohnt gemeinsam mit elf Patern im Seitenflügel der alten Villa, in der auch die Schule untergebracht ist. Insgesamt 850 Schüler gehen heute auf sein Gymnasium.

"Die katholischen Schulen in Deutschland sind sehr unterschiedlich", sagt Lukas Schreiber, Referent für Schulen und Bildung bei der Deutschen Bischofskonferenz. "Wir bemühen uns aber um eine gemeinsame Klammer, die auf dem christlichen Menschenbild gründet." Dieses Menschenbild verlange, die Würde des Menschen als Geschöpf Gottes zu respektieren und ihn entsprechend zu behandeln. Deswegen gehen die Pädagogen an konfessionellen Schulen von einer ganzheitlichen Erziehungs- und Bildungsauffassung aus, vermitteln Bildung also emotional, motorisch und auch religiös. Natürlich sollten alle konfessionellen Schulen grundsätzlich auch christlichen Glauben und christliche Werte vermitteln. "Es geht immer um eine Suche nach der umfassenden Wahrheit, nicht nur im Religionsunterricht, sondern auch in den Fachwissenschaften wie Mathematik oder Physik", sagt Schreiber. Auch da müsse man die Frage nach dem Sinn stellen.

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