Konflikt schwelt weiter
IG-Metall-Vize Peters greift Zwickel an

Der nach dem gescheiterten Metallerstreik in Ostdeutschland in die Kritik geratene IG-Metall-Vize Jürgen Peters hat seinem Vorsitzenden Klaus Zwickel mangelnde Solidarität vorgeworfen.

Reuters HANNOVER/FRANKFURT. „In diesem Streit hätte ich mir schon gewünscht, dass er da eine Position bezieht, die Mäßigung bedeutet“, sagte Peters am Donnerstag im Deutschlandfunk. „Ich weiß ja, dass ich nicht von Klaus Zwickel vorgeschlagen bin“, sagte Peters, der weiterhin im Herbst Nachfolger von Zwickel werden will. „Ich hatte gedacht, dass sich das mindestens soweit relativiert, dass eine sachliche, fachliche Zusammenarbeit möglich ist.“ Zwickel hatte nach Angaben von Teilnehmern in einer Vorstandssitzung am Sonntag nach dem Abbruch des Arbeitskampfes indirekt Peters und den ostdeutschen Bezirksleiter Hasso Düvel für die Niederlage verantwortlich gemacht. Zu dem seit Tagen anhaltenden öffentlichen Streit unter IG-Metall-Funktionären und den Forderungen an Peters, auf seine Kandidatur für den Gewerkschaftsvorsitz zu verzichten, hat Zwickel bislang geschwiegen. Peters bekräftigte zugleich, dass er in jedem Fall im Oktober auf dem Gewerkschaftstag antreten werde.

Unterdessen forderten die Bevollmächtigten aller 19 Verwaltungsstellen des norddeutschen IG-Metall-Bezirks Küste eine „neue unbelastete Führungsspitze“. Der Vorstand müsse umgehend über seine bisherigen Vorschläge für die künftige IG-Metall-Führung beraten und über neue Vorschläge entscheiden, heißt es in einer so genannten „Hamburger Erklärung“, die den Angaben zu Folge auch vom Bezirksleiter Frank Teichmüller getragen wird. Dieser steht nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen als möglicher Kandidat für das Spitzenamt zur Verfügung. Der IG-Metall-Vorstand hatte Anfang April nach dem Patt in einer Kampfabstimmung zu einer einhelligen Tandem-Lösung gefunden. Danach sollte Peters IG-Metall-Chef werden und sein baden-württembergischer Gegenkandidat Bertold Huber neuer Stellvertreter. Huber wird jetzt von Peters-Gegnern wieder als neuer Vorsitzender ins Spiel gebracht.

Peters deutete im Deutschlandfunk an, dass er auch unabhängig von einem möglichen anders lautendem Votum des IG-Metall-Vorstandes bei den für kommenden Dienstag geplanten Beratungen zur Streikniederlage kandidieren will. Dort werde zu entscheiden sein, für welche Fehler er verantwortlich sei und ob er von der Gewerkschaft als neuer Vorsitzender gewollt werde. „Das muss ich dem Gewerkschaftstag überlassen und keinem anderen“, sagte Peters.

Ebenso müsse der ostdeutsche Bezirksleiter Hasso Düvel die Chance haben, sich vor dem Gewerkschaftstag zu rechtfertigen. Dann erst seien Schlussfolgerungen zu ziehen. „Ich stelle mich vor die Leute und fange nicht an, die Leute in einer schwierigen Phase zusätzlich noch mit solchen Rücktrittsdrohungen oder Hinweisen zu belasten“, sagte Peters.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%