Konjunktur
Deutsche Wirtschaft hat mehr Schwung als erwartet

Das Wachstum hat sich im zweiten Quartal fast halbiert – auf 0,4 Prozent. Damit steht die deutsche Wirtschaft aber noch sehr viel besser da als erwartet. An welchen Faktoren das liegt.

BerlinNach einem starken Start ins Jahr hat die deutsche Wirtschaft auch im Frühjahr ein überraschend hohes Wachstumstempo vorgelegt. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag bekanntgab. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem halb so hohen Wert gerechnet. Anfang 2016 gab es noch ein Plus von 0,7 Prozent.

Trotz des widrigen globalen Konjunkturumfelds schlugen sich die Exporteure überraschend gut und lieferten wichtige Wachstumsimpulse: Denn die Ausfuhren überstiegen die Importe.

Die Exportwirtschaft trotzte damit der flauen Weltkonjunktur. Zuletzt gingen aber weniger Lieferungen in die Staaten außerhalb der Europäischen Union - darunter sind die weltgrößten Volkswirtschaften USA und China. Die Ausgaben der Verbraucher und des Staates erwiesen sich erneut als Eckpfeiler des Wachstums: „Die sichere Bank bleibt die Binnenwirtschaft“, sagte Ökonomin Katrin Löhken vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Gebremst wurde die Konjunktur hingegen durch die Zurückhaltung bei den Investitionen: Insbesondere in Ausrüstungen und Bauten wurde weniger investiert. Mit dieser Entwicklung hatten Fachleute gerechnet, da das milde Winterwetter zu Jahresbeginn für einen Schub am Bau gesorgt hatte - viele Aufträge wurden daher vorgezogen.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bezeichnete die BIP-Zahlen als „nennenswert“. „Zwar dürfte es im zweiten Halbjahr weniger rasant nach oben gehen. Aber Warnungen des DIW-Instituts vor einem Unsicherheitsschock durch die Brexit-Entscheidung sind überzogen“, sagte Krämer. „Wir erhöhen unsere 2016-Deutschland-Prognose von 1,5 Prozent auf 1,8 Prozent.“

„Der Rückprall ist kein Drama, im Gegenteil“, sagte Alexander Krüger, Volkswirt beim Bankhaus Lampe, zur Konjunkturabschwächung. „Er ist weniger stark ausgefallen als gedacht, nachdem die Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn infolge der milden Witterung ungewöhnlich kräftig gestiegen war. Ursache sind die kräftigen Impulse vom Außenhandel gewesen.“ Der Brexit-Schock dürfte zwar noch nicht verdaut sein, der Aufschwung sich aber fortsetzen. Krüger: „Dabei läuft es für 2016 auf eine Wachstumsrate von mindestens 1,5 Prozent hinaus.“

Die Bundesregierung veranschlagte zuletzt für das Gesamtjahr ein Plus von 1,7 Prozent. 2017 sollen es dann 1,5 Prozent werden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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