Konjunktur Deutsche Wirtschaft hat mehr Schwung als erwartet

Das Wachstum hat sich im zweiten Quartal fast halbiert – auf 0,4 Prozent. Damit steht die deutsche Wirtschaft aber noch sehr viel besser da als erwartet. An welchen Faktoren das liegt.
Update: 12.08.2016 - 09:14 Uhr
Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal stärker zugelegt als erwartet. Im Vergleich zum Jahresbeginn schwächte sich das Wachstum freilich ab. Quelle: Reuters
Deutschland wächst

Die deutsche Wirtschaft hat im zweiten Quartal stärker zugelegt als erwartet. Im Vergleich zum Jahresbeginn schwächte sich das Wachstum freilich ab.

(Foto: Reuters)

BerlinNach einem starken Start ins Jahr hat die deutsche Wirtschaft auch im Frühjahr ein überraschend hohes Wachstumstempo vorgelegt. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni um 0,4 Prozent zum Vorquartal zu, wie das Statistische Bundesamt am Freitag bekanntgab. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem halb so hohen Wert gerechnet. Anfang 2016 gab es noch ein Plus von 0,7 Prozent.

Trotz des widrigen globalen Konjunkturumfelds schlugen sich die Exporteure überraschend gut und lieferten wichtige Wachstumsimpulse: Denn die Ausfuhren überstiegen die Importe.

Die Exportwirtschaft trotzte damit der flauen Weltkonjunktur. Zuletzt gingen aber weniger Lieferungen in die Staaten außerhalb der Europäischen Union - darunter sind die weltgrößten Volkswirtschaften USA und China. Die Ausgaben der Verbraucher und des Staates erwiesen sich erneut als Eckpfeiler des Wachstums: „Die sichere Bank bleibt die Binnenwirtschaft“, sagte Ökonomin Katrin Löhken vom Bankhaus Sal. Oppenheim.

Gebremst wurde die Konjunktur hingegen durch die Zurückhaltung bei den Investitionen: Insbesondere in Ausrüstungen und Bauten wurde weniger investiert. Mit dieser Entwicklung hatten Fachleute gerechnet, da das milde Winterwetter zu Jahresbeginn für einen Schub am Bau gesorgt hatte - viele Aufträge wurden daher vorgezogen.

Welche Hauptstädte besonders wichtig sind
Athen
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„Wer Athen hat, hat ganz Griechenland“, heißt es. In der Metropole lebt mehr als ein Drittel der griechischen Bevölkerung. In der Region Attika rund um Athen finden sich die meisten Unternehmen des Landes, von der Manufaktur über die Werft bis hin zum High-Tech-Start-up. Lediglich in Sachen Tourismus hinkt die Metropole hinterher – nach einem Besuch der Akropolis verlassen die Touristen das Großstadtchaos und reisen auf die Inseln des Landes. Wohlstand in Griechenland ohne Athen: Minus 20 Prozent, wie Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft ergeben.

Paris
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Frankreich ist zentralistisch organisiert, das zeigt sich auch in der Wirtschaft. Total, Renault, PSA, Axa – so ziemlich alle wichtigen Konzerne haben ihren Verwaltungssitz dort oder im direkten Umland, etwa dem Büroviertel La Défense. Zwar überwiegt der Dienstleistungssektor, doch Île-de-France ist auch die stärkste Industrieregion des Landes. Paris ist zudem ein Touristenmagnet mit 22,2 Millionen Besuchern im Jahr 2015. Wohlstand in Frankreich ohne Paris: Minus 15 Prozent.

Prag
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Tschechien ist eher zentralistisch organisiert. Viele heimische und internationale Firmen haben ihren Sitz in der Hauptstadt. Hinzu kommt, dass viele Pendler aus dem Umland in der Stadt arbeiten. Ein weiterer Faktor ist der boomende Prag-Tourismus. Wohlstand in Tschechien ohne Prag: Minus 14 Prozent.

Kopenhagen
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In Dänemark sind Industriezweige im ganzen Land angesiedelt, in Kopenhagen ist die Dichte aber mit Abstand am größten. Hier ist der größte dänische Konzern, das Reederei-Unternehmen A.P.Møller-Mærsk zu Hause. Auch der Brauereiriese Carlsberg hat hier seinen Standort. Weitere große Wirtschaftszweige sind etwa die chemische und pharmazeutische Industrie. Wohlstand Dänemarks ohne Kopenhagen: Minus 13 Prozent.

London
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London gilt neben New York als weltweit wichtigste Finanzmetropole. Banken, Börse, Versicherungen – ohne die City wäre Großbritannien ein deutlich ärmeres Land. Laut Eigenschätzung der City arbeiten etwa 358.000 Menschen im Finanzsektor in Greater London. Von Bedeutung sind zudem das Immobilienwesen und der IT-Sektor. Wohlstand Großbritanniens ohne London: Minus 11 Prozent.

Warschau
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Warschau ist das wirtschaftliche Zentrum Polens. Wichtige Wirtschaftszweige sind Handel und Dienstleistungen. Es gibt viele ausländische Firmen/Investoren, die Warschau als Standort für Geschäfte in Osteuropa nutzen. Wohlstand in Polen ohne Warschau: Minus 10 Prozent.

Brüssel
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Der Dienstleistungssektor ist in Brüssel der stärkste. Er macht gut 90 Prozent der Wertschöpfung aus. Das ist auch der Tatsache geschuldet, dass Brüssel Sitz zahlreicher EU-Institutionen ist – ein Umfeld, das sich für die Angebote von Übersetzern, Beratern, Juristen und Veranstaltungsorganisatoren lohnt. Wohlstand Belgiens ohne Brüssel: Minus 9 Prozent.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer bezeichnete die BIP-Zahlen als „nennenswert“. „Zwar dürfte es im zweiten Halbjahr weniger rasant nach oben gehen. Aber Warnungen des DIW-Instituts vor einem Unsicherheitsschock durch die Brexit-Entscheidung sind überzogen“, sagte Krämer. „Wir erhöhen unsere 2016-Deutschland-Prognose von 1,5 Prozent auf 1,8 Prozent.“

„Der Rückprall ist kein Drama, im Gegenteil“, sagte Alexander Krüger, Volkswirt beim Bankhaus Lampe, zur Konjunkturabschwächung. „Er ist weniger stark ausgefallen als gedacht, nachdem die Wirtschaftsleistung zu Jahresbeginn infolge der milden Witterung ungewöhnlich kräftig gestiegen war. Ursache sind die kräftigen Impulse vom Außenhandel gewesen.“ Der Brexit-Schock dürfte zwar noch nicht verdaut sein, der Aufschwung sich aber fortsetzen. Krüger: „Dabei läuft es für 2016 auf eine Wachstumsrate von mindestens 1,5 Prozent hinaus.“

Die Bundesregierung veranschlagte zuletzt für das Gesamtjahr ein Plus von 1,7 Prozent. 2017 sollen es dann 1,5 Prozent werden.

  • rtr
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