Konjunktur
Ifo-Index sinkt stärker als erwartet

Deutsche Unternehmenschefs blicken pessimistischer in die Zukunft. Der Ifo-Index sinkt den dritten Monat in Folge. Dies werten Experten als Signal für eine Konjunkturabkühlung. Ein Lichtblick sind die Verbraucher.

BerlinDie Stimmung der deutschen Firmenchefs hat sich im Februar den dritten Monat in Folge verschlechtert. Der Geschäftsklima-Index fiel von 107,3 auf 105,7 Punkte, wie das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) am Dienstag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Rückgang auf 106,7 Zähler gerechnet. Drei Rückgänge in Folge gelten gemeinhin als Signal für eine Konjunkturabkühlung. „Die Sorgen der deutschen Wirtschaft werden größer, insbesondere in der Industrie, sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn.

Dass der wichtigste Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Konjunktur schlechter ausfiel, lag vor allem am sorgenvollen Blick nach vorn. Die Führungskräfte beurteilten die Lage etwas besser, die Geschäftsaussichten für die kommenden sechs Monate dagegen merklich negativer als zuletzt. „Die Unternehmen waren erstmals seit mehr als einem Jahr mehrheitlich pessimistisch bezüglich ihrer Geschäftsaussichten“, hob das Ifo-Institut hervor.

Die Stimmung bei Industriefirmen sank deutlich. Mit Blick auf die Geschäftsaussichten habe es den stärksten Rückgang seit November 2008 gegeben, teilte das Institut mit. Allerdings hätten sich die Urteile zur aktuellen Lage etwas verbessert. Dieses „Muster aus Rückgang der Erwartungen und Verbesserung der Lage“ zeige sich in vielen Sparten. Die Industrie befürchte eine Fortsetzung des Abschwungs, nachdem ihre Produktion am Jahresende bereits rückläufig war. 

„Eine weitere Stimmungsabkühlung hatte sich abgezeichnet, nachdem bereits andere Umfragen enttäuschten“, sagte Ulrich Wortberg, Analyst bei der Helaba. „Die Konjunktursorgen dürften zunehmen. Marktteilnehmer werden in ihren Erwartungen tendenziell bestärkt, dass die EZB im März die Geldpolitik weiter lockern wird“, sagte der Analyst mit Blick auf die Europäische Zentralbank.

KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner riet zu „mehr Gelassenheit“. Zeuner: „Die Firmen sind weiter nervös wegen der globalen Finanzmarktturbulenzen und der zu vielen offenen Themen in Europa.“ Aber: „Die deutsche Wirtschaft wuchs in allen vier Quartalen 2015 mit erstaunlich stabilen Raten und dürfte dies auch weiterhin tun.“

Viele Experten trauen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr trotzdem ein Wachstum auf dem Vorjahresniveau von 1,7 Prozent zu. Grund ist die gute Kauflaune der Verbraucher, die sich aus der Rekordbeschäftigung, steigenden Löhnen und der Entlastung durch niedrige Energiepreise speist.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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