Konjunktur im September
Geringe EU-Nachfrage überrascht Deutsche Industrie

Entgegen der Erwartungen ging die Auftragszahl für deutsche Unternehmen zurück. Besonders die Nachfrage in der Euro-Zone schwächelt. Auch bei den Großaufträgen musste die deutsche Industrie einen Einbußen hinnehmen.

Berlin Die deutsche Industrie hat im September wegen der geringeren Nachfrage aus der Euro-Zone einen unerwarteten Auftragsschwund erlitten. Die Unternehmen erhielten 0,6 Prozent weniger Bestellungen als im Vormonat, gab das Wirtschaftsministerium am Montag bekannt.

Ökonomen hatten mit einem Anstieg von 0,3 Prozent gerechnet, nachdem es auch in den beiden Vormonaten jeweils noch zu einem Plus gereicht hatte. „Die Auftragseingänge plätschern vor sich hin“, sagte Konjunkturexperte Dirk Schlotböller vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

Grund für den Rückgang war zum einen die geringere Nachfrage aus dem Inland: Sie nahm um 1,1 Prozent ab. Zum anderen fielen die Aufträge aus der Euro-Zone um kräftige 4,5 Prozent. Die Bestellungen aus dem Rest der Welt - wozu die größten Volkswirtschaften USA und China gehören – nahmen hingegen um 2,5 Prozent zu. Insgesamt gab es weniger Großaufträge als üblich.

Seit etwa einem Jahr bewegen sich die Bestellungen in einem engen Korridor nach oben oder unten. „Die Stabilität ist auf den ersten Blick zwar erfreulich“, sagte DIHK-Experte Schlotböller. „Angesichts der weltweit niedrigen Zinsen und der günstigen Rohstoffpreise sollte die Dynamik allerdings gerade bei den Investitionen eigentlich höher ausfallen.“ Große Sprünge erwarten auch Banken-Ökonomen vorerst nicht. „Der Grundtrend dürfte flach bleiben, auch bei der Produktion“, sagte Nordea-Experte Holger Sandte.

Im gesamten dritten Quartal legten die Bestellungen um 0,5 Prozent zum Vorquartal zu, vor allem wegen der höheren Nachfrage nach Investitionsgütern wie Maschinen. "Die Impulse kamen aus dem Ausland", erklärte das Ministerium dazu. „Die Aufhellung der einschlägigen Stimmungsindikatoren spricht für eine gewisse Belebung der Industriekonjunktur im weiteren Jahresverlauf.“

Der Ifo-Geschäftsklimaindex etwa erreichte im Oktober den höchsten Stand seit gut zweieinhalb Jahren. Experten wie Volkswirt Andreas Scheuerle von der DekaBank gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft zwischen Juli und September langsamer gewachsen ist als im Vorquartal mit 0,4 Prozent. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht eine erste Schätzung am 15. November.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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