Konjunktur
Inflation frisst Lohnerhöhungen

Weil im dritten Quartal viele Sonderzahlungen bei Banken, Versicherungen und in der öffentlichen Verwaltung ausfielen, dominieren die Preissteigerungen den Jahresabschluss, sie tilgen Lohnsteigerungen fast komplett auf.
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Wiesbaden/ BerlinDie Inflation wird in diesem Jahr die Einkommenssteigerungen wohl komplett auffressen: Für 2013 zeichne sich nach den Ergebnissen der ersten drei Quartale ein Reallohnverlust ab, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Dies ist der erste Reallohn-Verlust seit dem Krisenjahr 2009. Demnach stiegen die Löhne in den ersten neun Monaten des Jahres im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2012 um 1,4 Prozent – die Verbraucherpreise allerdings noch stärker, nämlich um 1,6 Prozent. 2012 hatte es noch ein reales Plus von 0,5 Prozent gegeben, 2011 von 1,2 Prozent und 2010 von 1,5 Prozent.

Im dritten Quartal von Juli bis Ende September 2013 kletterten die Löhne um 1,3 Prozent, die Verbraucherpreise um 1,6 Prozent, wie die Statistiker weiter mitteilten. Unter dem Strich stand also ein Reallohnverlust. Im zweiten Quartal von April bis Juni hatten sich Inflation und Einkommenssteigerung die Waage gehalten – die Reallöhne blieben also unverändert. Doch bereits im ersten Quartal war der Anstieg der Verbraucherpreise höher ausgefallen als der Anstieg der sogenannten Nominallöhne.

Das Maß, in dem die Reallöhne im dritten Quartal abgesunken waren, stellt allerdings die massivste Entwicklung seit gut vier Jahren dar. Nach Abzug der Inflation hatten die Arbeitnehmer 0,3 Prozent weniger in den Taschen als ein Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt ebenfalls bekannt gab.

Den vergleichsweise mageren Lohnzuwachs erklären die Statistiker mit deutlich geringeren Einmalzahlungen im Dienstleistungsbereich – „vor allem im Bereich der Banken und Versicherungen sowie in der öffentlichen Verwaltung“. Dadurch legten die Bruttomonatsverdienste der dort Beschäftigten im Schnitt nur um 0,7 Prozent zu. Besser sieht es in der Industrie aus: Die Beschäftigten des Produzierenden Gewerbe erhielten 2,3 Prozent mehr, wodurch sie auch real mehr bekamen und ihre Kaufkraft steigerten.
Ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer verdiente in Deutschland im dritten Quartal ohne Sonderzahlungen durchschnittlich 3.462 Euro brutto im Monat. Das meiste Geld erhielten Vollzeitbeschäftigte bei Banken und Versicherungen (4.576 Euro), in der Energieversorgung (4.510 Euro) sowie im Bereich Information und Kommunikation (4.501 Euro). Am wenigsten bekamen die Beschäftigten im Gastgewerbe mit 2.012 Euro brutto.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Konjunktur: Inflation frisst Lohnerhöhungen"

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  • Die reale Inflation liegt wohl eher bei 4-5%.
    Der Milchpreis ist um 6Cent/l gestiegen, das entspricht 10%.
    Und der "sogenannte" Warenkorb entspricht nicht der Realität!
    Ich brauche nicht jede Woche eine neue Waschmaschine, Kühlschrank, Fernseher, Computer, etc.
    Aber Lebensmittel, Obst und Gemüse, Getränke (Milch, Wasser, Tee/Kaffee, Saft) sind essentiell.
    Auch Miete, Strom, Öl/Gas, und Abgaben, sind überproportional angestiegen.

  • @ Pandora0611,
    Tja; genauso rechnen Politiker. Das endet dann mit deren Feststellung, dass erneute Nullrunden für Rentner fällig werden (statt Minusrunden) und die eigene Intelligenz für gute Mathematik mit einer Diätenerhöhung honoriert werden muss.

  • Milchmädchenrechnung!
    Im Jahre Anno Domini 2013 sind die Renten um satte 0,25% (West) gestiegen. Bei einer Inflation von nur 1,6% sind sie doch die Gewinner.
    Auch der Strompreis, Steuern und Abgaben sind nur marginal gestiegen.

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