
FRANKFURT/BERLIN/DÜSSELDORF. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen in diesem Jahr mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) in Deutschland um 1,5 Prozent. Im kommenden Jahr dürfte der Zuwachs nur minimal geringer ausfallen und 1,4 Prozent betragen. Das erfuhr das Handelsblatt aus mit den Daten vertrauten Kreisen. In ihrem Herbstgutachten hatten die Ökonomen für 2010 mit 1,2 Prozent noch ein geringeres Wachstum vorhergesagt. Die Bundesregierung geht bislang von einem Zuwachs um 1,4 Prozent aus.
Die Institutsökonomen überreichen ihre Gemeinschaftsdiagnose Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) morgen in Berlin. In Regierungskreisen hieß es, die eigene Prognose werde wie bisher eng an das Gutachten der Institute angelehnt. Kommenden Mittwoch wird Brüderle die Konjunkturerwartungen der Bundesregierung vorstellen. Diese dienen dann als Basis für die Steuerschätzung vom 4. bis 6. Mai in Lübeck.
Die niedrige Wachstumsprognose für 2011 setzt die Bundesregierung gegenüber der EU-Kommission unter neuen Rechtfertigungsdruck: Im Stabilitätsprogramm hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Januar eine Wachstumsrate von etwa zwei Prozent nach Brüssel gemeldet und prognostiziert, dass auch in den Folgejahren das Wachstum in dieser Größenordnung liegen könnte. Die Annahme, dass in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt ab 2011 jahresdurchschnittlich mit zwei Prozent wächst, hatte die Brüsseler Kommission irritiert: Dies sei zu optimistisch, so eine erste Einschätzung der Kommission.
Zuversichtlicher als die Institutsökonomen ist der Internationale Währungsfonds (IWF). Der Fonds hatte zwar kürzlich seine Wachstumsprognose für Deutschland gesenkt, rechnet aber immer noch mit einem BIP-Zuwachs von 1,7 Prozent in 2011. Für 2010 sind die IWF-Ökonomen mit 1,2 Prozent dagegen etwas pessimistischer.
Zu den Autoren des halbjährlichen Gutachtens zählen das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW), das Münchener Ifo-Institut, das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) aus Essen, das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) aus Düsseldorf, das Züricher KOF sowie die beiden Wiener Institute Wifo und IHS.
In dieser Zusammensetzung werden die Ökonomen wohl letztmals ein Gutachten vorlegen. Die Bundesregierung mischt die Karten für die Teilnahme an der Gemeinschaftsdiagnose neu - sie hat den prestigeträchtigen Auftrag Ende des vergangenen Jahres ausgeschrieben. Wann Berlin über den neuen Teilnehmerkreis entscheiden wird, ist offen.