Konjunktur
Wirtschaftspolitiker kritisieren Horrorprognosen

Führende Wirtschaftspolitiker von Koalition und Opposition haben die Schwarzmalerei der Prognose-Institute bei den Schätzungen zur Wirtschaftsentwicklung in Deutschland scharf kritisiert. Sie warnten zudem vor einem Überbietungswettbewerb bei den Horrorszenarien.

DÜSSELDORF. „Fundierte wissenschaftliche Analysen sind wichtig, um die Ursachen der Krise zu benennen und Lösungen für die Zukunft zu finden. Ein verbaler Wettbewerb um die neueste Horrormeldung bringt aber niemand etwas“, sagte der FDP-Vize Rainer Brüderle am Samstag im Gespräch mit Handelsblatt.com.

Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Bundestag, Christine Scheel, mahnte zur Vorsicht bei der Bewertung von Prognosen. „Die globalen wirtschaftlichen Zusammenhänge sind durch die weltweite Finanzkrise so stark erschüttert, dass die Vorhersagen eher an Kaffeesatzleserei grenzen“, sagte sie Handelsblatt.com. Das sei aber nichts Neues, da Konjunkturprognosen insbesondere während einer weltweiten Rezession unter einen „großen Unsicherheit“ stünden.

Der Vorsitzende der CSU-Mittelstands-Union, Hans Michelbach, kritisierte bei Handelsblatt.com einen Wettlauf der Negativ-Prognosen auf einem „recht schmalen Fundament“. Das habe zur Verunsicherung von Unternehmen und Bürgern beigetragen und trage weiter dazu bei. „Das Ergebnis ist eine psychologisch bedingte Verstärkung des Abwärtstrends, das ist unübersehbar", klagte Michelbach. " Es sei daher „überfällig“, dass die Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Arbeit einer „selbstkritischen Analyse“ unterzögen. „Auch Herr Zimmermann und sein DIW haben allen Grund dazu."

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, hatte am Freitag in einem Gastbeitrag bei Handelsblatt.com selbstkritisch eingeräumt, dass Prognosen auch „brandgefährlich“ sein könnten. Er hatte zudem gesagt, dass der „Prognoseabwärtswettlauf“ der Forschungsinstitute, Bankanalysten und internationalen Organisationen die Wirtschaftskrise noch verschärft habe.

Dem widersprach die Grünen-Politikerin Scheel. Der These Zimmermanns könne sie nichts abgewinnen, sagte sie. „Auch in der Vergangenheit haben sich immer wieder Prognosen der Konjunkturforschungsinstitute als falsch erwiesen.“ So sei bereits heute die erst im Januar getroffene Abwärtsprognose der Bundesregierung von 2,25 Prozent durch einen stärkeren Einbruch der wirtschaftlichen Entwicklung übertroffen worden. Auch führende Ökonomen in Deutschland widerprachen den Aussagen des DIW-Präsidenten.

FDP-Vize Brüderle sagte, verantwortungsbewusste Wissenschaftler seien zwar wichtig, „eine Vertrauen stiftende Politik“ für Deutschland sei aber noch wichtiger. „Denn mit ständigen Kassandrarufen und heruntergelassenen Mundwinkeln kommt Deutschland genauso wenig aus der Krise wie mit einem Enteignungsgesetz und der schwarz-roten Hochsteuerpolitik“, so Brüderle.

Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik
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