Konjunkturentwicklung

Rentenbeitrag kann unter 19 Prozent sinken

Der Rentenbeitrag kann wegen der guten Konjunkturentwicklung im kommenden Jahr stärker sinken als bisher geplant. Richtig eng wird es erst in einigen Jahren, wenn die Babyboomer die Rentenversicherung nicht mehr stützen.
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Der Rentenbeitrag kann ab 1. Januar 2013 auf 18,9 Prozent gesenkt werden. Quelle: dpa

Der Rentenbeitrag kann ab 1. Januar 2013 auf 18,9 Prozent gesenkt werden.

(Foto: dpa)

BerlinDer Rentenbeitrag kann wegen der günstigen Konjunkturentwicklung im nächsten Jahr vermutlich noch stärker sinken als bislang geplant. Statt von 19,6 auf 19 Prozent sei eine Senkung auf 18,9 Prozent zum 1. Januar möglich, erfuhr das Handelsblatt aus Rentenversicherungskreisen.

Damit würde ausgerechnet im Bundestagswahljahr der Beitragssatz erstmals seit 1995 die Schwelle von 19 Prozent unterschreiten. Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber bedeutete dies eine zusätzliche Entlastung von je 500 Millionen Euro. Insgesamt sinkt die Sozialabgabenlast zum 1. Januar auf diese Weise um etwas über sieben Milliarden Euro.

Grund für die Korrektur nach unten ist die positive Entwicklung bei den Beitragseinnahmen. Im Juni verbuchte die Rentenversicherung ein Plus bei den Pflichtbeiträgen gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent auf 14,92 Milliarden Euro.

Bereinigt um die Effekte der Beitragssatzsenkung von 19,9 auf 19,6 Prozent zum ersten Januar sind das 5,4 Prozent. Die Wirtschaftsinstitute erwarten bislang nur ein Plus von vier Prozent für das Gesamtjahr, die Bundesregierung drei bis vier Prozent.

Damit besteht die Chance, dass die Rücklagen zum Jahresende die zuletzt erwarteten 28,8 Milliarden Euro oder 1,7 Monatsausgaben noch übertreffen werden. Ab 1,5 Monatsausgaben muss der Beitrag zwingend gesenkt werde. In jedem Fall werden die Rücklagen im Dezember höher sein als je zuvor in der Geschichte der umlagefinanzierten Rentenversicherung. Ähnlich hoch waren sie mit umgerechnet 25 Milliarden Euro nur 1992.

Laut der Deutschen Rentenversicherung Bund sind die Hoffnungen auf eine stärkere Beitragssenkung verfrüht. Mit Blick auf 2013 sagte ein Sprecher auf dpa-Anfrage: „Der aktuelle Stand ist 19,0 Prozent.“ Er verwies dazu auf die letzte Expertenschätzung vom Juni.

Für die Bundesregierung ist diese positive Entwicklung ein Glücksfall. Denn sie hat in den vergangenen Jahren alles getan, um eine Senkung des Rentenbeitrags unmöglich zu machen. So griff sie seit 2005 mehrfach zugunsten der Rentner in die Rentenformel ein. Besonders spektakulär war die Aussetzung des den Rentenanstieg dämpfenden Riester-Faktors 2008 und 2009, um die Rentner am Aufschwung zu beteiligen.

Ab 2020 wachsen die Probleme
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22 Kommentare zu "Konjunkturentwicklung: Rentenbeitrag kann unter 19 Prozent sinken"

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  • Wieso soll der Rentenversicherungsbeitrag sinken. Es ist doch schon jetzt nicht möglich den Rentnern auch nur den Inflationsausgleich zu zahlen. 10-30% steigende Lebenshaltungskosten, Strom, Gas und Benzin, Solidaritätszuschlag noch gar nicht eingerechnet und gerade mal 2% Rentenerhöhung....da genehmigen sich die Politiker ja mehr an Diätenerhöhungen.

  • @Exilant
    "Warum sollten Beamte nicht analog zur Schweiz in die Rentenversicherung und zusätzlich in eine private Pensionskasse einzahlen".
    Weil dann der deutsche Staat sofort pleite wäre!

  • Vielleicht sollte wirklich die Rentenversicherung auf eine breitere Basis gestellt werden. Warum sollten Beamte nicht analog zur Schweiz in die Rentenversicherung und zusätzlich in eine private Pensionskasse einzahlen. Unglaublich das in Deutschland Beamte nur einen marginalen Beitrag zur eigenen Altersvorsorge leisten. Die Schweiz leistet sich, mit Rücksicht auf den Steuerzahler, derlei Ueberversorgung nicht.

  • Ja, warum auch nicht, meine Rente sinkt ja auch jährlich überdurchschnittlich.

  • Das Schweizer Rentenmodell besteht aus 3 Säulen, wobei zwei Säulen Pflicht sind, die dritte freiwillig
    die erste Säule ist die gesetzliche. Arbeitg. und Arbeitn. zahlen gleich ein. Derzeit liegt der Rentenbeitrag bei ca. 10%, also 5% für jeden.
    Alle zahlen ein, es gibt keine Beitragsemessungsgrenzen, Selbständige zahlen somit den ganzen Betrag.
    Die Mindestrente liegt bei ca. 1.270 €. Aber auch nach oben gibt es Begrenzungen, d. h. der Millionär bekommt natürlich nicht die Höhe die seinen Beiträgen entsprechen würden. D. h. hier wird Solidarität gelebt, die Starken tragen die Schwachen.
    Die 2. Säule ist die Betriebsrente, die Pflicht ist. Diese kann immer von einem Betrieb zum andren mitgenommen werden, egal wie lange ich im Betrieb war.
    Wem das dann immer noch nicht reicht, der macht die 3. Säule, eine private kapitalgedeckte Ersparnis, die steuerlich gefördert wird
    Auch Hausfraun und Studenten zahlen in die Rentenvers. ein

  • Sobottka
    Nein, das Volk merkt es nicht, es wird ja auch nicht aufgeklärt.
    Oder glauben Sie, das Volk weiß, was aus der Rtnenkasse alles bezahlt wird. Habe auf Seite 2 einen Beitrag diesbzüglich eingesetzt

  • Klar, senkt jetzt den Beitrag zur Rentenversicherung. Und wenn er dann wieder angehoben werden muss, dann passiert das natürlich nur auf Kosten der Arbeitnehmer, denn den Arbeitgebern kann man keine weiteren Lasten zumuten. Ist das euer Plan?

    Wie erbärmlich ist die Politik unserer nicht einmal real gewählten Volksvertretern.

  • Private Altersversorge macht Sinn und ein Scheitern dieser zu postulieren ist dem Verhalten des Schreiberlings des Artikels dann ebenfalls gleichzustellen.
    M.E. ist es kurzsichtig, die Rentenbeiträge jetzt zu senken, um sie dann 2020 wieder ansteigen zu lassen. Prozyklische Kostenverursachung ist noch nie vorteilhaft gewesen. Was wäre schädlich daran, wenn die gesetzliche Rentenversicherung jetzt Überschüsse anhäuft, die dann zumindest in den ersten Jahren ab 2020 wieder abgetragen werden können? Diese Festlegung auf ca. 1,5 Monatsbeiträge als Maximalrücklage der Versicherung ist eine prozyklische Beitragsanpassungsmaßnahme, die jeglicher Logik entbehrt.

  • die Alternative wäre ganz einfach: wir nehmen die 4% aus Riester und Rührei und bestücken mit diesem Geld einen Staatsfonds wie in Norwegen.

    Alle! zahlen 4% ein. Das Geld wird ohne Superteure Verwaltungskosten und Abschlußgebühren angelegt. Die Erträge kommen dem Sozialversicherungssystem zugute. Und nein, dass ist keine sozialistische Idee.

  • Das Dreisäulen Prinzip der idealen Altersvorsorge funktioniert in D nicht. Als Exil Deutscher, bin ich vielleicht nicht ganz auf den Laufenden, aber soweit mir bekannt kann die betriebliche Altersvorsorge erst nach fünf Jahren, bei Arbeitsstellenwechsel, mitgenommen werden. Das ist unflexibel und entspricht nicht einer modernen Arbeitswelt.

    Hier in der Schweiz ist ein Arbeitsstellenwechsel ohne Verlust möglich. Unverständlich das D hier nicht längst reformiert hat. Viellicht liegt es ja daran, das die deutsche Legislative, die mehrheitlich beamteten Abgeordneten, von dieser Reform nicht profitieren können.

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