Konjunkturpaket: Horst Seehofer: Der Anti-Merkel

Konjunkturpaket
Horst Seehofer: Der Anti-Merkel

Nächste Runde im Steuerpoker: Union und SPD streiten im Kanzleramt um Steuersenkungen. Unionsintern hat sich Horst Seehofer gegen die Schwesterpartei und ihre Kanzlerin durchgesetzt. In der Koalitionsrunde mit der SPD hat der auf CSU-Chef nun eine Schlüsselrolle inne.

BERLIN. Vielleicht kommt man dem, was gestern Abend im achten Stock des Kanzleramts stattfand, am nächsten, wenn man es sich wie eine Pokerpartie vorstellt. Es geht um Geld, viel Geld. Und es geht darum, wer bis zum Schluss die besseren Nerven hat.

Wie das Spiel ausgeht, ist offen, denn die beiden Kontrahenten gehören zu den Gerissensten in ihrem Metier.

Gegeneinander traten an: Bayerns Ministerpräsident und die Kanzlerin der Bundesrepublik, der CSU-Chef und die CDU-Vorsitzende, Horst Seehofer und Angela Merkel. Freilich, auch ihre Generalsekretäre saßen mit am Tisch, Fraktionsspitze und Kanzleramtschef waren geladen. Allerdings sind sie bloß Zuschauer eines Duells, das schnöde als "Vorgespräch" zum heutigen Koalitionsgipfel bezeichnet wurde und doch den Höhepunkt eines Machtkampfs kennzeichnet, wie ihn die Union seit den Tagen, die zur Kanzlerkandidatur Edmund Stoibers führten, nicht mehr gesehen hat.

Der kleine Kreis kam gestern um 18 Uhr im winterlichen Berlin zusammen, um große Entscheidungen zu treffen: Nichts weniger als der Dauerstreit zwischen CDU und CSU, großer und kleiner Schwester, sollte nach Monaten einer Lösung zugeführt werden: Soll es schnell Steuersenkungen geben, und wie weit soll die Entlastung der Bürger gehen? Oder, einfacher gesagt: Gibt Merkel so weit nach, dass Seehofer sagen kann, er habe sich durchgesetzt?

Für Horst Seehofer ging es nicht nur gestern Abend, für ihn geht es in dieser Woche der Gipfel und Klausurtagungen um viel. Nicht nur für diese Januartage, in der die Regierung ihr Paket zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise beschließen will, hat der Ex-Minister seine Partei kampfeslustig in Stellung gebracht, sondern für das gesamte neue Politikjahr. Die CSU beharrt auf Steuersenkungen, droht, sonst sogar das ganze Konjunkturpaket platzen zu lassen. Seehofer sucht sein Heil in der Flucht nach vorn.

Kaum eine Gelegenheit lässt er aus, sich gegen die Kanzlerin in Szene zu setzen. Längst redet er nicht mehr nur von Steuersenkungen, sondern stellt den gemeinsamen Weg zur Bundestagswahl 2009 infrage. Auf der Suche nach neuem Erfolg für die CSU greift er nach dem uralten Rezept der Partei: brachialer Partikularismus, größtmögliche Attacke, lautstarker Angriff.

Seite 1:

Horst Seehofer: Der Anti-Merkel

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%