Konjunkturschwäche
IWF greift Schäuble für mangelnde Investitionen an

In Washington muss sich die Bundesregierung Kritik an ihrer Investitionsagenda anhören. Der Bundesfinanzminister reagiert und verspricht, wieder mehr investieren zu wollen. Verlässt die Regierung den Konsolidierungskurs?
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WashingtonDie Konjunkturschwäche in Deutschland alarmiert den Internationalen Währungsfonds (IWF). "Wir sind ziemlich besorgt über die Abkühlung in Deutschland", sagte der Europa-Experte des Fonds, Mahmood Pradhan, am Freitag in Washington. Nach dem Schrumpfen der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal deute einiges auf eine anhaltende Schwäche hin. Die Erholung in der Euro-Zone falle offenbar viel schwächer aus als im Frühjahr erwartet. Der IWF hat seine Prognose für Deutschland jüngst kräftig nach unten revidiert. Er erwartet für dieses Jahr nur noch ein Wachstum von 1,4 Prozent und damit einen halben Prozentpunkt weniger als ursprünglich veranschlagt.

Auch der britische Finanzminister George Osborne stieß ins selbe Horn: Die Wirtschaftsdaten in Deutschland seien die größte Sorge in Europa, betonte der Minister. Als Grund für den schwindenden Optimismus nennen Ökonomen, dass die Nachfrage nur mäßig anziehe. Zudem habe sich die Stimmung der Verbraucher eingetrübt und Firmen zögerten mit Investitionen. Deutschland will angesichts dieser Aussichten mehr investieren und geht damit auch auf Forderungen der internationalen Partner ein. „Jetzt müssen wir wieder stärker das Gewicht auf Investitionen legen“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Donnerstagabend in Washington auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank.

Schäuble verwies dabei auch auf das verschlechterte wirtschaftliche Umfeld. „Wir werden alles, was es an konkreten Investitionsmöglichkeiten gibt, auch finanzieren.“ Mittelfristig müssten die Ausgaben natürlich erhöht werden, was auch bereits getan werde. „Das geht nicht über Nacht“, sagte Schäuble.

Sollte es kurzfristig Bedarf für baureife öffentliche Infrastrukturprojekte geben, werde die Finanzierung sichergestellt. Aber auch private Investitionen müssten angekurbelt werden.

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  • Dem verbitterten SchwarzGeldKofferträger glaube ich nichts mehr.
    Was sucht der mit seinen 76 Jahren noch im Bundestag? Ist daheim im Schwarzwald die Heizung kaputt?

  • Korrektur bzw. Ergänzung:
    Unsere Exportüberschüsse führen zur Verschuldung anderer Volkswirtschaften, denn diese Überschüsse sind die Defizite, d.h. Schulden der anderen (immer gesamtwirtschaftlich betrachtet).

    Die Löhne müssen entlang des jeweils NATIONALEN Produktivitätsfortschrittes PLUS Inflationsziel (EZB-Ziel = 1,9%) steigen. Das ist gerade in DE als stärkste VW in Europa seit der Euroeinführung schief gelaufen. Wir lagen immer darunter und haben über diesen Kostenvorteil unsere Nachbarn in Grund und Boden konkurriert.
    Wenn wir diese unhaltbare und für ALLE schädliche Politik nicht aufgeben, gibt es keine Lösung.
    Wir werden in DE - am Ende der "Nahrungskette" stehend - die Folgen genauso tragen müssen. Auch hier wird diese Politik letzten Endes zu einem Desaster führen - spätestens dann, wenn der Euro abgewickelt wird.
    Und das zeichnet sich immer deutlicher ab, wenn man die Meldungen der letzten Tage zur Kenntnis nimmt!!
    LG

  • Natürlich kann der Bund sparen - aber können alle Sektoren einer Volkswirtschaft sparen? NEIN!
    Der Saldo einer VW ist immer genau NULL!
    Die Situation ist seit Jahren diese (für die gesamte Volkswirtschaft BRD):
    - Die Bürger sparen
    - die Unternehmen sparen per Saldo ebenfalls
    - der Bund spart

    So, wer macht denn jetzt Schulden? Wie kommen die Ersparnisse wieder zurück in den REALwirtschaftlichen Kreislauf?
    Nun, jemand muss die Ersparnisse als Kredit von der Bank nehmen und ... hoffnungsweise bevorzugt investieren!
    So, das vierte Konto einer VW ist das Ausland (ROW = Rest OF World).
    Und siehe da, das Ausland nimmt unsere Ersparnisse und ...?
    KONSUMIERT (jedenfalls einen großen Teil davon)!
    Mit diesen Ersparnissen kaufen die unser Zeug, genau genommen bezahlen diese damit unsere Export-ÜBERSCHÜSSE!!
    Aber alle predigen, unsere Partner in Europa sollen sparen und eben keine neuen Schulden machen, oder? Die sind ja alle mehr oder weniger pleite!
    Also, was tun wir jetzt mit unserer Exportlastigkeit?
    Es gibt keine Lösung, oder?
    Wenn man die Unternehmen so pampert, dass sie nicht wissen wohin mit der Kohle und insbesondere NICHT investieren (was sie ja tun sollten, deshalb die Steuersenkungen für Unternehmen), dann muss man dieses Modell überdenken.
    Fazit:
    Wenn alle sparen führt das zum Zusammenbruch der Volkswirtschaft (so geschehen in den Südstaaten DANK der überaus "erfolgreichen" Troika-Politik).
    Es stellt sich überhaupt nicht die Frage, ob sich jemand verschuldet sondern nur WER und WOFÜR!
    Es sei denn wir sagen, dass keiner mehr sparen soll, dann brauchen wir auch keine Verschuldung mehr - gebt alles sofort und vollständig aus ...
    Nein, in dieser Situation muss der Staat die Ersparnisse aufnehmen und investieren.
    Die "schwäbische Volkswirtschaftsunsinnologie" hat fertig!
    Die andere Möglichkeit ist den Konsum anzuregen - z.B. dadurch, dass man die Löhne endlich wieder an den Produktivitätszuwächsen orientiert, was in DE seit 20 Jahren nicht mehr passiert ist!!
    LG


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