Konkurrenz für CDU und SPD
AfD auf dem Weg zur Volkspartei?

Der Zuspruch für die AfD ist ungebrochen. Bei Wahlen fährt sie zweistellige Ergebnisse ein. Umfragen sehen die Partei im Osten sogar teilweise vor der CDU. Hat sie das Zeug, zur neuen Volkspartei aufzusteigen? Eine Analyse.
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BerlinDie AfD dürfte genüsslich die heutige Bundestagsdebatte verfolgt haben. Denn ein Hauptthema war der Umgang mit der Partei, die mittlerweile in zehn Landtagen vertreten ist. Schnell wurde deutlich, wie hilflos die im Bundestag vertretenen Parteien immer noch sind, wenn es darum geht, die Ursachen des AfD-Aufstiegs zu benennen und mögliche Gegenstrategien zu entwerfen.

So wies SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann Vorwürfe der Linken-Fraktionschefin Sahra Wagenknecht zurück, die Große Koalition trage mit ihrer Politik zur Stärkung der AfD bei. „Ihre Antwort auf den Populismus von rechts ist mehr Populismus von links“, sagte Oppermann. „Sie wollen (AfD-Chefin) Frauke Petry im Deutschen Bundestag überflüssig machen. Aber mit Ihren Reden tragen sie dazu bei, die AfD zu stärken.“ Mit Verwunderung habe er zur Kenntnis genommen, dass Wagenknecht die ökonomische Kompetenz des gewählten US-Präsidenten Donald Trump gelobt habe. „Heute heißt es: Populisten aller Länder, vereinigt Euch!“

Oppermann warnte davor, auf die Wähler von Rechtspopulisten herabzuschauen. Er lobte die Grünen dafür, dass es auf ihrem Parteitag eine „nachdenkliche Diskussion“ darüber gegeben habe, nicht mit dem moralischen Zeigefinger Wähler zu beschimpfen. Notwendig sei stattdessen, die Alltagsthemen der Menschen ernst zu nehmen.  Das allerdings scheint derzeit die AfD am besten zu können. Jedenfalls läuft es für die Partei ziemlich rund. Mancher traut der AfD sogar zu, aufgrund ihrer Stärke für Union und SPD zu einer ernsthaften Konkurrentin zu werden.

Den Begriff Volkspartei vermeidet Thüringens AfD-Landes- und Fraktionschef Björn Höcke allerdings, wenn er über die Zukunft seiner Partei spricht. Die Bezeichnung nutzt er womöglich auch deshalb nicht, weil damit bisher die etablierten Parteien CDU und SPD beschrieben werden. Und diese gelten bekanntlich als verhasst in der AfD.

Höcke spricht deshalb lieber davon, die AfD als „Heimatpartei“ etablieren zu wollen. Strategisch richtig angepackt, so seine Vorstellung, könnte darin erhebliches Potenzial stecken. Eine Voraussetzung dafür sei aber, dass dieser Begriff immer wieder in der Öffentlichkeit erklärt und gelebt werde, sagte Höcke kürzlich bei einem Parteitag der Thüringen-AfD in Arnstadt. „Wenn wir das tun, dann reden wir 2019 bei der Landtagswahl nicht über 15 Prozent, (...) dann reden wir als neue Heimatpartei von 30 plus x Prozent.“ Und Höckes großer Traum hätte sich erfüllt, die AfD zu einer führenden Volkspartei zu machen.

Noch hat die AfD diesen Status nicht erreicht. Allerdings deuten Umfragen darauf hin, dass sie sich in großen Schritten in diese Richtung bewegt. Bemerkenswert ist etwa, dass Höckes Partei in Thüringen bei der vergangenen Landtagswahl 2014 schon knapp 10,6 Prozent der Wählerstimmen geholt hatte, zwischenzeitlich aber sogar das Zeug hat, diesen Wert mehr als zu verdoppeln. In einer aktuellen Umfrage von Infratest Dimap im Auftrag des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) käme die AfD jetzt auf 21 Prozent.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in anderen ostdeutschen Bundesländern. So würde in Sachsen nach der MDR-Umfrage jeder Vierte die AfD wählen. Die Partei legt demnach um 15,3 Prozentpunkte auf nunmehr 25 Prozent zu. In Sachsen-Anhalt würde die Partei zwar leichte Verluste verbuchen müssen, wenn am Sonntag Landtagswahl wäre. Sie würde aber immer noch auf 22 Prozent kommen. Bei der Landtagswahl im Frühjahr holte sie noch 24,3 Prozent.

Auch in Brandenburg geht es für die AfD bergauf. Laut einer Forsa-Umfrage vom September erreicht die Partei mit Landeschef Alexander Gauland inzwischen 20 Prozent. Das ist ihr höchster bisher gemessener Wert in dem Bundesland – sie wäre damit zum ersten Mal zweitstärkste Partei. In Mecklenburg-Vorpommern gelang es der Partei bei der Landtagswahl Anfang September auf Anhieb ins Parlament einzuziehen. Mit knapp 21 Prozent ist sie sogar größte Oppositionspartei im Schweriner Landtag. Zweistellig schnitt auch die Berliner AfD bei der zwei Wochen später stattfindenden Abgeordnetenhauswahl statt. Sie zog mit 14 Prozent Hauptstadt-Parlament ein.

Experten werten die Möglichkeit, dass sich die AfD mit solchen Ergebnissen zu einer Volkspartei entwickelt, unterschiedlich. „In der deutschen Diskussion spricht man von einer Volkspartei, wenn eine politische Gruppierung Bürgerinnen und Bürger aus allen sozialen Schichten anspricht, damit signifikante Wahlerfolge erzielt und ein gemäßigtes, bewusst unideologisches Profil hat“, sagte der Politikwissenschaftler Kai Arzheimer von der Universität Mainz dem Handelsblatt. Zumindest letzteres sei bei der AfD „ganz sicher nicht der Fall“, da diese ja gerade die Unzufriedenen anspreche.

Die AfD sei zudem „immer noch eine neue Partei mit vielen inneren Konflikten, die sich früher oder später auf die Wahlchancen auswirken werden“, schätzt der Politikprofessor. „Ob sie sich bundesweit oder auch nur in Ostdeutschland dauerhaft etablieren kann, kann man momentan nicht seriös vorhersagen.“

Kommentare zu " Konkurrenz für CDU und SPD: AfD auf dem Weg zur Volkspartei?"

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  • Die anwachsende Bürgerbewegung bringt mit der AFD-Wahl nur zum Ausdruck, daß sie ihr Land und ihr Geld nicht länger von der Merkel-Regierung verschleudern lassen will!
    Dier Wähler in den USA haben gezeigt, - daß eine politische Wende möglichn ist!

  • @Paff
    "Biodeutscher", gehts noch.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. @Herr Paul Kersey

    Austritt aus der EU = ja, weil wir für Dinge haften, welche uns verheimlicht werden.

    Abschaffung des Euro = warum eigentlich nicht, solange die Wirtschaftskräfte so unterschiedlich sind, kann dies nicht funktionieren. Die nicht so wirtschaftlichen Länder gehen am Euro kaputt. Wollen sie das?

    Wiedereinführung der Wehrpflicht = ganz klar ja!

    alle Atomwaffen raus aus Deutschland = ja, sofort!

    traditionelles Familienbild (mehr deutsche Kinder, Änderung der Gleichstellungpolitik und Geschlechterquoten) = wir haben zwei Kinder, warum geht es heute nicht mehr?

    raus aus dem Atomausstieg = ja, entweder alle in Europa oder keiner! Bisher bezahlen diesen Schwachsinn ausschließlich die Kunden.

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