Konkurrenz für CDU und SPD: „In Ostdeutschland teilweise bereits Volkspartei“

Konkurrenz für CDU und SPD
AfD auf dem Weg zur Volkspartei?

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„In Ostdeutschland teilweise bereits Volkspartei“

Zu einer anderen Einschätzung kommt Lothar Probst. „Die AfD ist in Ostdeutschland teilweise bereits Volkspartei“, sagte der Bremer Politikwissenschaftler dem Handelsblatt. „Sie hat ihre Wählerbasis keinesfalls nur unter prekär Beschäftigten oder Arbeitslosen, sondern auch unter Handwerkern, Kleingewerbetreibenden, Mittelständlern, Beamten und Angestellten.“ In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sei sie jedenfalls schon „in die Dimensionen einer Volkspartei vorgestoßen“.

Vor allem die Zusammensetzung ihrer Wählerschaft spricht aus Probsts Sicht dafür, dass die AfD sich mehr und mehr in der Parteienlandschaft etabliert. Zu den Anhängern der Partei zählt er eine „ideologische Kernwählerschaft“, die eindeutig rechte Einstellungen aufweise. Als weitere Gruppe nennt er die sogenannten Protestwähler, die mit denen anderen Parteien unzufrieden seien, sich aber noch nicht dauerhaft für die AfD entschieden hätten. Zudem neigten der AfD „verunsicherte Wähler“ zu. Das seien solche, die eigentlich eine andere Partei bevorzugten, aber aufgrund der Zuwanderung und der Unübersichtlichkeit, die mit Globalisierungsprozessen verbunden seien, aktuell die AfD als Wahlmöglichkeit sähen.

„Ostdeutschland ist in dieser Hinsicht für die AfD ein besonders gutes Terrain“, ist Probst überzeugt. „Es wirken alte autoritäre Einstellungsmuster aus der Zeit der SED-Diktatur nach.“ Auch nationale und nationalistische Einstellungen hätten im SED-Staat sehr viel besser überleben können als in Westdeutschland, wo sich durch die Proteste der 1968-er Jahre liberale und proeuropäische Einstellungen tiefer hätten in der Gesellschaft verwurzeln können. In der DDR, merkt der Politik-Professor an, habe es jedenfalls keinen vergleichbaren Generationenkonflikt und eine vergleichbare kulturelle Veränderung der Gesellschaft gegeben.

Mit der Folge, erläutert Probst weiter, das in der DDR ein Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen „nie eingeübt“ worden sei. Die wenigen Ausländer im Land - Vietnamesen, Angolaner und Studierende aus Mozambique – hätten abgeschottet vom Rest der Bevölkerung gelebt. Und nicht zuletzt werde der allgemeine Konflikt zwischen politischen Eliten und Bevölkerung, von dem die Populisten überall, wo sie erfolgreich seien, zehren, in Ostdeutschland noch einmal verstärkt durch den Ost-West-Gegensatz.

Als Eliten würden vor allem die westdeutsche Politiker, Wirtschaftsvertreter, Künstler und Medien gelten, so Probst. „Das in Ostdeutschland immer noch vorhandene Ressentiment gegen den Westen und seine Eliten drückt sich insofern auch in der Wahl einer Partei aus, die programmatisch und auch personell eindeutig einen ostdeutschen Stallgeruch hat.“ Mit wenigen Ausnahmen: Höcke etwa kommt ursprünglich aus Hessen, wo er als Lehrer tätig war. Und auch der frühere CDU-Politiker Gauland ist westlich sozialisiert.

Das alles bedeute aber nicht, betont Probst, dass die AfD nicht auch im Westen auf Wählerzuspruch in breiteren Teilen der Bevölkerung rechnen könne. „Aber in Westdeutschland sind die Gegenkräfte sehr viel stärker und die ganz rechten Positionen der AfD werden hier weniger stark geteilt“, gab der Politikwissenschaftler zu bedenken. Außerdem gebe es mehr Erfahrungen im Zusammenleben mit Menschen aus anderen Kulturen.

Kommentare zu " Konkurrenz für CDU und SPD: AfD auf dem Weg zur Volkspartei?"

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  • Die anwachsende Bürgerbewegung bringt mit der AFD-Wahl nur zum Ausdruck, daß sie ihr Land und ihr Geld nicht länger von der Merkel-Regierung verschleudern lassen will!
    Dier Wähler in den USA haben gezeigt, - daß eine politische Wende möglichn ist!

  • @Paff
    "Biodeutscher", gehts noch.

  • Beitrag von der Redaktion editiert. @Herr Paul Kersey

    Austritt aus der EU = ja, weil wir für Dinge haften, welche uns verheimlicht werden.

    Abschaffung des Euro = warum eigentlich nicht, solange die Wirtschaftskräfte so unterschiedlich sind, kann dies nicht funktionieren. Die nicht so wirtschaftlichen Länder gehen am Euro kaputt. Wollen sie das?

    Wiedereinführung der Wehrpflicht = ganz klar ja!

    alle Atomwaffen raus aus Deutschland = ja, sofort!

    traditionelles Familienbild (mehr deutsche Kinder, Änderung der Gleichstellungpolitik und Geschlechterquoten) = wir haben zwei Kinder, warum geht es heute nicht mehr?

    raus aus dem Atomausstieg = ja, entweder alle in Europa oder keiner! Bisher bezahlen diesen Schwachsinn ausschließlich die Kunden.

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