Konkurrenz für Köhler und Schwan
Linke-Kandidatin für Präsidentenwahl steht fest

Die Spitze der Linkspartei hat sich auf eine eigene Bewerberin für die Bundespräsidentenwahl im Mai nächsten Jahres verständigt. „Die Kandidatensuche ist abgeschlossen“, sagte Vize-Fraktionschef Bodo Ramelow am Dienstag in Berlin.

HB BERLIN. Ramelow nannte aber keinen Namen. Die beiden Fraktionsvorsitzenden Oskar Lafontaine und Gregor Gysi, die mit der Suche beauftragt gewesen seien, hätten sich verständigt. Auch Parteichef Lothar Bisky sei eingebunden gewesen. Es sei vorrangig gewesen, systematisch nach einer Frau zu suchen, sagte Ramelow. Er gehe davon aus, dass die Geschlechtergleichstellung bei der Auswahl eine entscheidende Rolle gespielt habe.

Damit würde neben SPD-Kandidatin Gesine Schwan eine zweite Frau mit Amtsinhaber Horst Köhler um das höchste deutsche Staatsamt konkurrieren.

Über das weitere Vorgehen und das Nominierungsverfahren werde nach der Sommerpause mit der Fraktion bei einer Klausurtagung geredet, sagte Ramelow. Er betonte, der Ausgang der Bayernwahl und die daraus resultierenden Stimmenverhältnisse in der Bundesversammlung hätten auf die Aufstellung eines eigenen Kandidaten keinerlei Einfluss mehr.

Die Linke sei entschlossen, eine Person ins Rennen zu schicken und damit deutlich zu machen, „dass wir die dritte Kraft in Deutschland sind“. Laut Ramelow handelt es sich nicht um die Schriftstellerinnen Christa Wolf und Daniela Dahn, die Mitte Juni in Medienberichten genannt worden waren.

Offen bleibt laut Ramelow, wie sich die Wahlleute der Linken im zweiten oder dritten Wahlgang verhalten werden. Neben einer Unterstützung für Schwan sei ebenso möglich, dass die weiteren Voten freigegeben würden. Mit Blick auf Schwan und die SPD betonte er: „Wer unsere Stimmen will, wer mit uns rechnet, der muss mit uns reden.“

Fraktionssprecher Hendrik Thalheim äußerte sich zur Festlegung auf eine Bewerberin nicht. Er bekräftigte lediglich, die Linke suche nach einem eigenen Kandidaten. Wenn Ramelow sage, es gebe bereits einen, so nehme er dies mit Interesse zur Kenntnis. Linken-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch sagte der „Süddeutschen Zeitung“, eine Entscheidung werde nach der Bayernwahl getroffen. Er setze sich zudem „nachdrücklich dafür ein, dass die Vertreter der Linken in der Bundesversammlung einheitliche Voten in allen Wahlgängen abgeben“.

SPD-Kandidatin Gesine Schwan ist bei der Wahl im Mai nächsten Jahres auf Stimmen von SPD, Grünen und Linkspartei angewiesen. Allerdings hat sie sich bei der Linken mit Interviewäußerungen unbeliebt gemacht, die Partei habe keine Rezepte für die Gegenwart. Parteichef Lafontaine hatte sie als Demagogen bezeichnet.

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