Konrad-Adenauer-Stiftung
Pöttering soll die Leitung übernehmen

Der CDU - Politiker Hans-Gert Pöttering findet jetzt nach Monaten einen neuen Job: Der frühere EU-Parlamentspräsident wechselt an die Spitze der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Der bisherige KAS-Vorsitzende Bernhard Vogel hatte den 64-Jährigen als seinen Nachfolger vorgeschlagen.
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BRÜSSEL. Zuletzt war es ziemlich still geworden um Hans-Gert Pöttering. Ein paar Sonntagsreden und Festvorträge durfte er noch halten, ein wenig durfte er vom Nimbus des erfahrenen Europapolitikers zehren. Doch seit der 64-jährige CDU-Politiker im Juli den Vorsitz des EU-Parlaments niederlegte, dem er seit der ersten Direktwahl 1979 angehört, schien seine politische Karriere beendet. Weder in Straßburg noch in Brüssel fand der bedächtige und manchmal etwas dröge Niedersachse ein neues Amt.

Nun also Berlin. Pöttering soll die Leitung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) übernehmen. Der Wechsel an die Spree sei perfekt, seine Wahl gesichert, hieß es gestern in Brüsseler CDU-Kreisen. Der bisherige KAS-Vorsitzende Bernhard Vogel (CDU) hat Pöttering vorgeschlagen, Gegenkandidaten gibt es nicht. Ab Januar wird der promovierte Jurist also einen der wichtigsten und einflussreichsten deutschen Think-Tanks führen. Eine folgerichtige Entscheidung - schließlich bringt Pöttering internationale Erfahrung und ein einzigartiges Netzwerk an politischen Kontakten mit.

Vor allem im christdemokratischen und konservativen Lager fühlt sich der praktizierende Katholik zu Hause. Acht Jahre, von 1999 bis 2007, führte er die bürgerliche EVP-Fraktion im Europaparlament. In dieser Zeit gelang es ihm nicht nur, dem Kommissionschef José Manuel Barroso Mehrheiten im Europaparlament zu sichern. Er schaffte es auch, Föderalisten und Europaskeptiker in seiner Fraktion zusammenzuhalten und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Rücken freizuhalten.

Vor allem während der deutschen EU-Präsidentschaft 2007 zeigten sich Pötterings Qualitäten. Diskret und geräuschlos half er bei der Verabschiedung der "Berliner Erklärung" zum 50. EU-Geburtstag und bei der Ausarbeitung des Lissabon-Vertrags mit. Ebenso diskret handelte er mit der sozialistischen Fraktion seinen Aufstieg zum Parlamentspräsidenten aus. Nach außen wirkte er oft steif und unbeholfen. "Wenn es strittig wird, verschanzt er sich hinter einer Front der Höflichkeit", sagte der Fraktionschef der Sozialisten, Martin Schulz (SPD). So wurde er in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Kritiker verspotten ihn als "Mann ohne Eigenschaften", der fehlendes Charisma durch übertriebene Förmlichkeit überdeckt.

Doch hinter der steifen Fassade verbirgt sich ein sensibler Politiker. Bei der Europawahl beklagte er sich über die Medien, die nicht genug über die EU berichteten. Bei seinem Abschied als Präsident des Europaparlaments mahnte er mehr Leidenschaft und Engagement für Europa an.

Bei der Konrad-Adenauer-Stiftung will er nun das "europäische Denken" in der CDU wiederbeleben.

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