Konsequenz aus gestörtem Vertrauensverhältnis: Stuhl von BKA-Chef Kersten wackelt

Konsequenz aus gestörtem Vertrauensverhältnis
Stuhl von BKA-Chef Kersten wackelt

Die Ablösung von BKA-Chef Ulrich Kersten steht nach Einschätzung aus Koalitions- und Gewerkschaftskreisen bevor. Das Bundesinnenministerium lehnte eine Stellungnahme ab und sprach von Personalspekulationen, an denen man sich nicht beteiligen werde.

HB BERLIN. „Kersten muss aus machtpolitischen Gründen gehen. Schily hat einen Autoritätsverlust in seiner wichtigsten Sicherheitsbehörde. Den muss er einfangen. Mit jedem Tag, den er mehr wartet, beschädigt er sich selbst“, hieß es.

Auch in BKA-nahen Kreisen der Polizeigewerkschaft wurde von Anzeichen für eine baldige Entlassung des Behördenchefs gesprochen. Die Signale hierfür hätten sich zuletzt verstärkt. Kersten sei in der vergangenen Woche nicht im BKA, sondern im Urlaub gewesen. Anfang dieser Woche sei Kersten ohne dienstlichen Anlass ins südfranzösische Lyon zu Interpol-Zentrale gereist, in deren Führung er eine Zeit lang tätig gewesen ist. Die Reise werde als persönlicher Abschiedsbesuch gewertet. „Wir gehen davon aus, dass innerhalb dieser oder der nächsten Woche Bewegung in die Sache kommt“, hieß es. Die Polizeigewerkschaft hatte zuletzt wiederholt für eine Ablösung von Kersten ausgesprochen.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte lediglich: „Wir beteiligen uns nicht an Personalspekulationen.“ Auch das Bundeskriminalamt wollte sich nicht äußern. Kersten war in der Diskussion um den Umzug von Teilen des BKA in die Kritik geraten. Schily hatte vor wenigen Wochen überraschend einen Teilumzug der Behörde vorgeschlagen.

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtete am Dienstag unter Berufung auf Koalitionskreise, Kerstens Abberufung sei eine „Sache von Tagen oder auch Stunden“. Schily ziehe damit die Konsequenzen aus dem gestörten Vertrauensverhältnis zwischen den Mitarbeitern des BKA und der Amtsleitung der Wiesbadener Bundesbehörde. Darüber hinaus plane Schily weitere Personalveränderungen an der BKA-Spitze. Davon seien die Vizepräsidenten und auch einige Abteilungsleiter betroffen. Der Leiter der Bundesgrenzschutzabteilung im Bundesinnenministerium, Rüdiger Kass, sei Favorit für die Nachfolge von Kersten. Auch der Chef der Europol-Behörde, Jürgen Storbeck, gelte als Anwärter.

In den Koalitionskreisen erfuhr Reuters, Storbeck sei als Nachfolger eher unwahrscheinlich, da er dem Unionslager zugerechnet werde. Bei den Umzugsplänen sei davon auszugehen, dass es eine Bestandsgarantie für den BKA-Standort Meckenheim geben werde. Realistisch sei die Verlegung von 300 Mitarbeitern statt der von Schily geplanten rund 1000 Mitarbeiter.

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