Konsequenzen aus verbandsinternem Streit
Bau-Arbeitgeber kündigen Tarifgemeinschaft auf

Die Bau-Arbeitgeber in vier Ländern haben die bundesweite Tarifgemeinschaft aufgekündigt. Sie wollen künftig regional mit der Gewerkschaft verhandeln. Die Verbände in Hessen, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein entzogen dem Zentral- Verband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) die Vollmacht zum Abschluss bundesweiter Entgelttarifverträge, wie der ZDB am Montag in Berlin bestätigte. Damit würden Konsequenzen aus dem verbandsinternen Streit um den vielfach als zu hoch empfundenen Tarifabschluss vom Sommer 2002 gezogen, teilte der Baugewerbe-Verband Niedersachsen mit.

HB/dpa HANNOVER/BERLIN. Die Gewerkschaft IG BAU (Bauen-Agrar-Umwelt) reagierte mit Unverständnis. „Der ZDB als einer unserer zentralen Ansprech- und Vertragspartner wird sich schnell und eindeutig zu erklären haben, welche Konsequenzen ein solcher Schritt einiger seiner Landesverbände hat“, sagte IG-BAU-Sprecher Michael Knoche in einer ersten Stellungnahme. „Bisher liegen uns keine derartigen Absichtserklärungen vor, die Tarifverträge behalten bis auf weiteres ihre volle Gültigkeit“, betonte er.

ZDB-Geschäftsführer Harald Schröer wertete den Schritt der vier Verbände als „vorsorgliche Maßnahme“ vor der Tarifrunde im nächsten Jahr, die nicht überrasche. Über Konsequenzen sei in Ruhe zu beraten. Es müsse darum gehen, wie künftig strategisch die besten Ergebnisse zu erzielen seien. Die Kündigung der bundesweiten Tarifgemeinschaft müsse nicht automatisch eine Schwächung der Arbeitgeber bedeuten.

Nach dem ersten flächendendeckenden Bau-Arbeitskampf in der Nachkriegszeit mit sieben Streiktagen hatten sich Gewerkschaft IG BAU und Arbeitgeber Ende Juni 2002 auf eine stufenweise Anhebung der Einkommen geeinigt. Für die 850 000 Beschäftigten der Branche wurden Erhöhungen um 3,2 % und 2,4 % mit Laufzeit bis 31. März 2004 vereinbart. Damals hatten mehrere ZDB-Mitgliedsverbände der Tarifeinigung nicht zugestimmt. Sie hätten den Vertrag aber dennoch übernehmen müssen, sagte ein Sprecher des niedersächsischen Verbands in Hannover. Die IG BAU solle nun überzeugt werden, dass ein spezieller Tarif für den Norden notwendig ist, der auf die besonderen Schwierigkeiten der Region Rücksicht nehme.

Die Tarifverhandlungen mit der IG BAU haben für die Arbeitgeber bisher gemeinsam der ZDB und der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie geführt. Der IG-BAU-Sprecher betonte, die Gewerkschaft habe zwei zentrale Ansprechpartner, mit denen sie Tarifverträge abschließe - den Zentralverband des Baugewerbes und den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie. „Wir setzen weiter darauf, mit den zentralen Verbänden zu vernünftigen Lösungen zu kommen. Für regionale Veranstaltungen gibt es aus unserer Sicht überhaupt keinen Anlass“, sagte er. Das Baugewerbe benötige schon aus wirtschaftlicher Sicht einen Tarifvertrag, der flächenmäßig wirke, „sonst kommt es zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen mit hässlichen Folgen gerade für die kleineren und mittelständischen Firmen“.

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