Konsequenzen gefordert
Reichen-Studie schreckt SPD auf

In der Forbes-Liste der Milliardäre sind deutsche Namen dünn gesät. Doch der Eindruck täuscht: In Deutschland wimmelt es laut einer Studie von Superreichen. Das weckt Begehrlichkeiten - bei der SPD.
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DüsseldorfAngesichts einer Studie der Unternehmensberatung Boston Consulting, derzufolge es in der Bundesrepublik 839 Haushalte mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar gibt, fordert der Vorsitzende der schleswig-holsteinischen SPD, Ralf Stegner, Konsequenzen. "Dass in Deutschland arm und Reich immer weiter auseinanderklaffen, macht es zwingend, dass die mit den höchsten Einkommen und Vermögen mehr beitragen müssen zur Finanzierung des Gemeinwesens", sagte das SPD-Präsidiumsmitglied Handelsblatt Online. "Das bedeutet Vermögenssteuer und ein höherer Spitzensteuersatz, eine gerechtere Besteuerung großer Erbschaften und von Spekulationsgewinnen sowie ordentliche Mindestlöhne."

Konkret fordert Stegner eine Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent für Einkommen über 100000 Euro (Verheiratete: 200000 Euro) sowie einen dreiprozentigen "Reichensteuer"-Aufschlag. Ab einem Einkommen von 250000 Euro (Verheiratete: 500000 Euro) wären dann 52 Prozent Steuer fällig.

Der SPD-Politiker plädiert zudem für die Wiedereinführung einer Vermögenssteuer auf große Privatvermögen. Und auch bei der Besteuerung von Kapitaleinkünften sieht Stegner Handlungsbedarf. Er fordert eine Anhebung des Abgeltungssteuersatzes von 25 auf 30 Prozent.

Laut der Boston-Consulting-Untersuchung leben in Deutschland sogar mehr Superreiche als im Ölstaat Saudi-Arabien mit 826. Die meisten wirklich Wohlhabenden gibt es laut der Studie indes in den Vereinigten Staaten; hier schwimmen 2692 Haushalte im Geld.

Die Zahlen überraschen auf den ersten Blick, denn von deutschen Superreichen hört man gemeinhin eher wenig. Es tauchen nur ganz wenige Namen auf der jährlich erscheinenden Milliardärsliste des US-Magazin Forbes auf. Aldi-Mitgründer Karl Albrecht landete zuletzt auf Platz zwölf mit einem geschätzten Vermögen von umgerechnet 25,5 Milliarden Dollar; erst auf Platz 38 folgt dann mit dem Versandhaus-König Michael Otto ein weiterer Deutscher (16,6 Milliarden Dollar).

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  • Es ist heuchlerisch und zynisch, wenn Leute wie Herr Stegner nach Erscheinen von irgendeiner Studie von gerechterer Verteilung und größerer Beteiligung der Reichen und Superreichen faselt.

    Die Schere zwischen arm und reich öffnet sich schon seit Jahren immer mehr.

    Siehe: www.reichtumsuhr.de

    Die SPD war in ihrer Regierungszeit mitverantwortlich dafür. Unter maßgeblicher Beteiligung der SPD wurden Löhne gedrückt, Spitzensteuersätze gesenkt und vieles mehr, das die Schere immer weiter geöffnet hat.
    Das alles weiß Herr Stegner auch.

  • Lächerlich - der Altkommunist Stegner kommt wieder mit den üblichen Begehrlichkeiten. Die "Reichen" sollen bluten, um dann bereits bei 100.000,-- EUR abzugreifen und damit die Leistungsträger unserer Gesellschaft zu bestrafen. Wenn diese dann dennoch etwas für das Alter zusammengespart haben, soll die Vermögenssteuer endgültig dafür sorgen, das alle gleicher werden. Nur nicht seine politische Klasse, die werden weiter ihr "Wandlitz" haben - gleicher werden nur die anderen.....

  • Einige hier scheinen ein sehr kurzes Gedächtnis zu haben: zur Gründungszeit unserer Republik war der Spitzensteuersatz über 60% und die Vermögensteuer wurde zu Recht erhoben! Die Vermögensteuer wurde ausgesetzt, der Spitzensteuersatz auf 42% abgesenkt, alles Maßnahmen, die ohne Not umgesetzt wurden. Auch die SPD war unter Schröder daran tatkräftig beteiligt, deswegen sollten die jetzt nicht so vollmundig auftreten! Auch die Gewerkschaften haben hier, bei Hartz IV, 1-Euro-Jobs, Lastenverschiebung in der Sozialversicherung und AN-Verleihung auf das Kläglichste versagt! Diese Steuergeschenke führten und führen zu Einnahmeausfällen i.H.v. zig Milliarden Euro pro Jahr! Man sollte auch nicht vergessen, dass ein normal verdienender Arbeitnehmer zusammen mit der SozVers auf eine Abgabenlast von über 50% kommt. Wer nun glaubt, er müsste sein Geld vor dem Fiskus in der Schweiz oder in Liechtenstein verstecken, handelt volkswirtschaftlich verantwortungslos, billig und schlicht ergreifend kriminell. Dass diese Steuergeschenke zu einer immer größer werdenden Kluft zwischen Vermögenden und Armen führt, ist Fakt. Und dass die Abgabenlast für kleine und mittlere Einkommen viel zu hoch ist, auch! Der Staat darf aber auch die Unternehmen nicht mit zuviel Abgaben belasten, damit genügend Kapital für notwendige Investitionen vorhanden ist.
    Trotz falscher Einnahmepolitik sprudeln Steuern und Abgaben in einer noch nie da gewesenen Höhe. Gleichwohl haben sich die Schulden auf über 2 Billionen erhöht, weil die Mehreinnahmen immer zu mehr Begehrlichkeiten in der Politik geführt haben, sei es im Bereich der Umverteilung von oben nach unten oder im Bereich der Subventionen. Das ist einfach nur stümperhaft!

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