Konzentration auf Inhalte gefordert
Henkel warnt BDI vor übereilter Fusion mit dem DIHK

Der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel hat die deutsche Industrie vor einer übereilten Fusion ihres Spitzenverbands mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gewarnt.

BERLIN. „Der BDI ist für die Unternehmen der Industrie immer der schlagkräftigste und gleichzeitig preiswerteste Verband gewesen“, sagte Henkel dem Handelsblatt. „Daher wäre er aus meiner Sicht gut beraten, sich vor allem auf eine überzeugende inhaltliche Arbeit zu konzentrieren, anstatt sein Heil in Fusionsgesprächen zu suchen.“

Nach dem Gerangel um die letztlich gescheiterte Berufung des CDU-Politikers Norbert Röttgen zum BDI-Hauptgeschäftsführer schaltet sich Henkel damit erneut in die Debatte um die Zukunft des Verbandes ein. Am Dienstag hatten der BDI und der Dachverband der Kammern bestätigt, dass sie Gespräche über einen Zusammenschluss aufgenommen haben. Die Pläne kamen insofern überraschend, als zuvor stets über eine Fusion des BDI mit der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) spekuliert worden war. Ziel der Fusionsgespräche ist eine besser abgestimmte Interessenvertretung der Wirtschaft. Zudem klagen viele Unternehmen über eine zu hohe Belastung mit Beiträgen.

Henkel wies die Verantwortung für eine hohe Beitragsbelastung jedoch vor allem den Kammern und Arbeitgeberverbänden zu. Denn die Mitgliedschaft dort beruhe, anders als beim BDI, nicht auf Freiwilligkeit. „Wer die Beitragsbelastung senken will, sollte erst einmal da ansetzen, wo Gelder zwangsweise erhoben werden“, sagte er. Erster und wichtigster Schritt auf dem Weg zu neuen Verbändestrukturen sei daher, die Zwangsmitgliedschaft in den Kammern abzuschaffen. Dies müsse der BDI „klar und deutlich“ nach außen vertreten.

Ähnliches gelte im Hinblick auf die Arbeitgeberverbände, die in Form des „Tarifkartells“ mit den Gewerkschaften eine ähnliche Machtposition hätten wie die Kammern: Sie hätten zum Teil hohe Rücklagen für die Unterstützung der Mitgliedsfirmen in Arbeitskämpfen gebildet. Zugleich erkläre ein Verband wie Gesamtmetall, dass die Branche faktisch gar keine Arbeitskämpfe mit Aussperrungen mehr führen könne, so Henkel. „Das zeigt, dass sich die finanzielle Belastung der Unternehmen hier deutlich reduzieren lässt.“ Über mögliche Vorteile von Verbandsfusionen lasse sich sinnvoller reden, „wenn der Kammerzwang und das Tarifkartell erst einmal geknackt sind“.

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