Konzentration auf Kernstandorte
NRW-Medienpolitik: Sorge bereitet der Sog nach Berlin

NRW habe das "Zeug, auch in der nächsten Medien- und Entertainment-Generation ein entscheidendes Wort mitzusprechen", prophezeite einst Viva-TV-Schöpfer Dieter Gorny Gorny. Doch zu Beginn dieses Jahres dürfte sich sein Medienbild etwas geändert haben.

DÜSSELDORF/BERLIN. Doch zu Beginn dieses Jahres dürfte sich sein Medienbild etwas geändert haben. Ausgerechnet das Musikfernsehen Viva TV wurde vom MTV-Eigentümer Viacom übernommen und nach Berlin versetzt. Nur noch die Entertainmentbereiche Viva Plus und Brainpool TV von Stefan Raab sind in der Medienstadt Köln geblieben. Selbst der bekennende Köln-Fan Harald Schmidt beklagt, der Zenit der Domstadt als Medienstandort sei "überschritten".

Die Zahlen geben den beiden Medienschaffenden recht. Seit Ende der 90er Jahre ist etliches schief gelaufen. Zwar liegt NRW insgesamt bei der Fernsehproduktion vorne, doch Berlin hat Köln bei den Kinofilmen bereits überholt. (siehe Grafik). Der frühere Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) wollte NRW vom Ruch der alten Industriestätte befreien und als Medien-Hightech-Zentrum etablieren. Es wurde viel gefördert, Millionen in die Hand genommen. Es war die Zeit der "Leuchtturmprojekte".

Vor allem das Trickfilmstudio HDO in Oberhausen steht symbolisch für das Missmanagement in der Medienpolitik. Rund 50 Mill. Euro wurden in den 90er Jahren unter dermaßen fragwürdigen Umständen investiert, dass ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss in Düsseldorf die Vorgänge aufarbeiten musste. Der GmbH-Fan Clement lagerte auch die Medienpolitik aus, sie sollte unter dem Dach der Medien GmbH gebündelt werden. Von Anfang an gab es Ärger, später Zerwürfnisse zwischen Geschäftsführung und der für Medienpolitik zuständigen Staatssekretärin Miriam Meckel.

Als Peer Steinbrück die Nachfolge Clements antrat, wurde die Medienpolitik neu sortiert. Die Medien GmbH wurde abgewickelt, das Europäische Medieninstitut aufgelöst. Steinbrück strich den Medienetat der Staatskanzlei seit 2001 von 42 auf aktuell 28 Mill. Euro zusammen. Der einstige politische Shooting-Star Meckel geriet in den Hintergrund. Steinbrück besaß nicht solch ein Faible für den Bereich wie Clement. Dass ausgerechnet das CDU-geführte Nachbarland Niedersachsen nun mit Fördermitteln um den TV-Sender RTL Shop buhlt, verärgert Meckel. "Wir können angesichts der Haushaltslage keine Medienpolitik aus den großen Fördertöpfen mehr machen. Die Zeiten sind anders. Wir brauchen die richtige Mischung aus Refinanzierung am Markt und öffentlicher Förderung", sagt Meckel dem Handelsblatt. Steinbrück gibt die Richtung vor: Hauptaufgabe der Politik sei die "Moderationsfunktion zwischen allen Beteiligten". Der Staat könne nicht den Markt ersetzen. Meckel hält sich zumindest zu Gute, Teile der Viva-Bereiche in NRW gehalten zu haben.

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