Konzept
Rettungsplan für Schifffahrtsbranche kommt

Hamburgs Oberbürgermeister Ole von Beust hat es in die Wege geleitet, die Bundesregierung könnte übernehmen: Magazinberichten zufolge arbeitet eine Expertengruppe der Hansestadt an einem Rettungskonzept für die Schifffahrt. Vieles hängt davon ab, dass Berlin diesen Gedanken nun aufgreift.
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HB FRANKFURT. Die deutsche Schifffahrt soll mit einem Notplan vor dem Kollaps gerettet werden. Auf Initiative von Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust (CDU) arbeitet eine Expertengruppe an einem tragfähigen Konzept für die Zukunft der Branche, wie ein Sprecher der Hamburger Wirtschaftsbehörde am Samstag bestätigte. Den Magazinen „Spiegel“ und „WirtschaftsWoche“ zufolge geht es insbesondere um die Auflösung von Finanzierungsengpässen. Die Pläne sollen in drei Wochen der Bundesregierung vorgelegt werden, heißt es in der „WirtschaftsWoche“. Dazu sagte der Behördensprecher: „Es ist richtig, dass wir das koordinieren. Wir bauen darauf, dass sich die Bundesregierung dieses Themas annimmt.“

Dem „Spiegel“ zufolge sorgt sich der Hamburger Senat um das Überleben von Banken und Emissionshäusern, die im Geschäft mit Schiffsfinanzierungen stark engagiert sind. Der drastische Verfall von Fracht- und Charterraten sowie Schiffspreisen bedrohe derzeit „alle, die direkt und indirekt mit dem Schiffbau in Verbindung stehen“, zitiert das Magazin aus einer internen Vorlage der Behörde für Wirtschaft und Arbeit. „Wenn die Schiffsfinanzierer ihre laufenden Finanzierungen in der Bilanz nach den aktuellen Marktwerten für Schiffe bewerten müssen, drohen weitere Abschreibungen in Milliardenhöhe. Sogar die involvierten Banken könnten dadurch von der Insolvenz bedroht sein, wenn sie nicht mehr über die von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geforderte Eigenkapitalquote verfügen.“

Als besonders dramatisch schildert der „Spiegel“ die Lage bei der HSH Nordbank. Der Abschreibungsbedarf der von den Haupteignern Hamburg und Schleswig-Holstein mit Mrd. gestützten Landesbank werde im vierten Quartal weiter deutlich steigen. Bereits in den ersten neun Monaten hatte eine kräftig gestiegene Risikovorsorge das Institut tiefer in die Verlustzone gedrückt.

Der Sprecher der Wirtschaftsbehörde verwies darauf, dass der Schifffahrtskrise mittlerweile die „Spitze genommen“ sei, weil die Frachtraten jüngst leicht gestiegen seien. Trotzdem sei die Lage der Branche nach wie vor schwierig. Die deutschen Seehäfen erwarten nach Angaben ihres Verbandes ZDS für 2010 zwar wieder ein leichtes Wachstum des Güterumschlags. Trotzdem ist wegen gesunkener Schiffsmieten für dieses und kommendes Jahr mit deutlich sinkenden Erlösen bei den Reedereien zu rechnen, wie eine jüngst von der HSH veröffentlichte Untersuchung ergab.

Der Rettungsplan solle dafür sorgen, dass „hier im Januar nicht die Lichter ausgehen“, zitiert der „Spiegel“ einen mit den Verhandlungen befassten Experten. Dem Magazin zufolge soll die Arbeitsgruppe Konzepte zum Einsatz von Bürgschaftsprogrammen, Auffanggesellschaften und eine „Börse für Risikokapital“ entwickeln. Als höchste Hürde auf dem Weg zu Staatshilfen gelte die Tatsache, dass die Reeder in den Jahren des Booms von umfangreichen Steuervergünstigungen profitiert hätten und auf ihren Schiffen nur noch wenige Deutsche arbeiteten.

Koordiniert wird das Expertengremium von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, wie der Behördensprecher bestätigte. Ihm gehören laut „WirtschaftsWoche“ ferner Vertreter der HSH, der Reederei Döhle, des Schiffsfondsanbieters MPC Capital, der deutschen Schiffsbank, ein Ex-Vorstand der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Shipping sowie zwei Vertreter der Stadt Hamburg an.

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  • @ Lieer
    Sie weisen mit Recht auf eine ungeheuerliche Tatsache hin. Der Staat, dem Steuern durch Steuersparmodelle entzogen wurden, soll nun mit den Geldern der dummen Steuerzahler die Verluste dieser Steuersparer ersetzen.
    in seiner Absurdität erinnert dies an ionesco

  • Warum soll eigentlich der Steuerzahler für Steuersparmodelle zahlen?

    in der Vergangenheit waren es gerade Anleger von Schiffsfonds die große Gewinne mit kleinen Steuern verbanden. Arbeitsplätze wurden im Ausland geschaffen und der Umschlag war meist im benachbarten Ausland. Auch die HSH-Nordbank hat mehr spekuliert, als seriöse Geschäfte gemacht.

    Der Leistungsgedanke verbietet eine Subventionierung einer branche, die sich seit Jahren schon ins Ausland aufgemacht hat und hier nur noch Steuergeschenke abgegriffen hat.

    Auch die HSH-bank darf untergehen, weil sie weder für die deutsche, noch für die internationale Finanzwelt "systemrelevant" ist.

  • Da haben sich die Emissionshäuser jahrelang die Taschen vollgestopft, die Anleger die Vergünstigung Tonnagesteuer genutzt und kaum wird das unternehmerische Risiko relevant, schreien alle nach dem Staat. Eine Schande für alle echten Reedereien weltweit, die gegen solche Subventionsabgreifer bestehen müssen. Und warum soll der Steuerzahler zahlen, warum nicht die Anlager selbst ihre investition erhöhen oder Geld verlieren?

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