Kooperation in der Krise
Merkel und Hollande nehmen Kurs auf Politische Union

Frankreich und Deutschland können wieder miteinander. Angela Merkel und Francois Hollande näherten sich in Ludwigsburg einander an, besprachen die wichtigsten gemeinsamen Themen – und schwiegen sich über Details aus.
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LudwigsburgFrankreichs Staatspräsident Francois Hollande ließ die Sonne aufgehen: Exakt bei seinem Eintreffen im Ludwigsburger Schloss verzogen sich die Regenwolken und es begann strahlender Sonnenschein. Auch politisch brachte Hollande gutes Wetter mit zu seinem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. So deutlich wie bislang noch nie forderte er Deutsche und Franzosen dazu auf, Europa stärker zu vereinen.  „Nichts wäre schlimmer als der Status Quo, Stillstand bedeutet Rückfall.“

Entscheidungen in den strittigen Sachfragen der Bankenunion und der Fusion von EADS und BAE Systems fielen nach Aussage der Kanzlerin heute noch nicht.

Angela Merkel  ließ Hollande politisch den Vortritt: Sie ging in ihrer Rede nur in allgemeiner Form auf die Notwendigkeit ein, „den Euroraum zu stärken“ und sich von „de Gaulles Zukunftsfreude“ anstecken zu lassen. Nach ihrer Rede gab es ein optisches Zeichen des besseren Verhältnisses zwischen ihr und Hollande. Der Präsident dankte ihr für ihre Worte und gab der Kanzlerin zwei Küsse. Bei seiner eigenen Ansprache redete er die Kanzlerin erstmals als „Angela“ an - Petitessen im Vergleich zu dem politischen Programm, das die beiden vorhaben, aber dennoch untrügliche Zeichen dafür, dass die anfängliche Spannung in ihrem Verhältnis vorbei ist.

Hollande rief in seiner Ansprache zur Schaffung einer Politischen Union in Europa auf. Es sei dringend nötig, „die Eurozone zu stärken, eine neue Governance für sie zu schaffen, die Voraussetzungen für mehr Wachstum und für die Kontrolle der Finanzmärkte herzustellen.“ Deutlicher als bislang zeigte der Staatspräsident damit, dass er zu Schritten für eine stärkere Integration bereit ist. „Wir müssen die anderen mitziehen“, rief der Präsident im Ludwigsburger Schloss. „Haben wir noch wie de Gaulle die Kühnheit, das tu überwinden, was uns trennt?“ Europa dürfe nicht an sich selber zweifeln und zögern, sich stärker zu vereinen.

Im deutsch-französischen Verhältnis rief Hollande ebenfalls zu Fortschritten auf: „Stellen wir die Energiegemeinschaft her, arbeiten wir gemeinsam an erneuerbaren Energien, tun wir mehr für die Forschung, setzen wir uns gegen den Klimawandel ein, entwickeln wir die Informationstechnologien.“

Vor 50 Jahren hielt Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle in Ludwigsburg eine Rede, mit der er die deutsche Jugend begeisterte: Er sprach sie als „Kinder eines großen Volkes“ an, das im Lauf seiner Geschichte „furchtbare Fehler begangen“ habe, aber auch der Welt „fruchtbare geistige, wissenschaftliche, künstlerische und philosophische Wellen“ beschert habe.

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  • Sie hatte ja nicht mal ihre Ohrstöpsel drin, um übersetzt zu bekommen, was Hollande eigentlich sagte. Aber zum dümmlichen Lächeln braucht man das ja auch nicht. Somit hätte er fordern können, was er wollte, die Zustimmung von Madame M ist ihm doch sicher, weil sie zu feige ist, einen eigenen Kurs zu fahren. Und auch völlig überfordert.

  • Wenn schon Adenauers Enkel aus der CDU austrten, dann muß es um diese vermerktelt CDU wahrlich schlimm stehen

  • curiosus.
    stimmt
    Aber damals gab es noch eine sehr gebildete junge Generation und vor allem damals hatten wir Politiker mit Format und einen enorm hohen Intellekt.
    Und man merkte es ihen an und glabute ihen, dass sie was Gutes wollten
    Diese trüben Gestalten wie Merkel und Hollande kommen doch an einen Adenauer und de Gaulle nicht ran.
    Das ist der Unterschied

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