Kooperation mit Wirtschaft wird ausgebaut
BKA sucht Hilfe bei deutschen Firmen

Der Informationstransfer zwischen dem Bundeskriminalamt (BKA) und deutschen Unternehmen nimmt zu. Beide Seiten erhoffen sich, von der engeren Zusammenarbeit zu profitieren – besonders im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität und den internationalen Terrorismus. Grenzen setzt nur der Datenschutz.

BERLIN. Die stärkere Kooperation mit dem BKA kommt bei den Sicherheitschefs deutscher Konzerne gut an: „Durch den Erfahrungsaustausch mit den Fachleuten des BKA und den übrigen Mitgliedsunternehmen erhalten wir ein besseres Bild über die allgemeine Sicherheitslage weltweit. Dies trägt unmittelbar dazu bei, die Sicherheit unserer im Ausland tätigen Mitarbeiter zu erhöhen“, sagte Dieter K. Sack von der BASF-Gruppe dem Handelsblatt. Norbert Wolf, Sicherheitschef von Siemens, hält die Zusammenarbeit für unerlässlich, um Infrastrukturbereiche etwa der Telekommunikation vor Anschlägen besser zu schützen.

36 Vertreter von international agierenden Konzernen wie Lufthansa, Siemens oder Daimler-Chrysler waren im Januar dieses Jahres zum zweiten Mal einer Einladung von BKA-Präsident Jörg Ziercke zum Informationsaustausch gefolgt. Knapp ein Jahr zuvor waren nur 18 Sicherheitschefs in der Wiesbadener Zentrale erschienen.

Beide Seiten erhoffen sich, von der Zusammenarbeit zu profitieren. Die Firmen wollen Warnhinweise vom BKA, um ihre Anlagen vor Terroranschlägen oder ihre Mitarbeiter vor Entführungen schützen zu können. Sie wünschen sich polizeiliche Lageberichte, um sich effektiver schützen zu können und dies auch bei Investitionsentscheidungen zu berücksichtigen.

Die oberste deutsche Sicherheitsbehörde hätte gern Informationen, die polizeiliche Erkenntnisse ergänzen und dazu beitragen könnten, Terroranschläge wie in Madrid oder London zu verhindern. Ebenso fließen Ergebnisse aus Hintergrundgesprächen mit Wirtschaftsvertretern ergänzend in die Länderberichte und andere Produkte des BKA ein. Profitieren wollen die Kriminalisten auch vom Wissen der Firmen über die neuesten technologischen Entwicklungen der Sicherheitsforschung. So habe die Internetkriminalität erschreckende Ausmaße angenommen, sagte Ziercke.

Von anfangs geäußerten Befürchtungen aus den Unternehmen, BKA-Mitarbeiter könnten Firmengeheimnisse ausspähen, Unternehmenswissen „anzapfen“ oder gar Mitarbeiter ausforschen, sei keine Rede mehr, sagte BKA-Chef Ziercke. Sonst wären nicht so viele Sicherheitschefs gekommen. „Ein Austausch personenbezogener Daten findet nicht statt“, bestätigt auch BASF-Sicherheitschef Sack. „Solange das ausgeschlossen ist, gibt es keine Einwände aus Sicht des Datenschutzes“, sagte Wolfgang von Pomme-Esche, der für die Polizeibehörden beim Bundesdatenschutzbeauftragen zuständig ist. Der Trend, dass Sicherheitsbehörden immer mehr Informationen aus der Privatwirtschaft zögen, sei trotzdem nicht unproblematisch. Die Wirtschaft müsse eine klare Grenze ziehen, um nicht in den Ruf eines Handlangers zu kommen.

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