Korruption ist kein Kavaliersdelikt mehr
Viele Unternehmen gehen mit Bestechung sorglos um

Experten fordern ein entschiedeneres Vorgehen gegen Korruption. Deshalb findet die Professorin für Strafrecht an der Uni Bielefeld, Britta Bannenberg, das Verhalten von BMW lobenswert. Der Autobauer beteiligt sich aktiv an der Aufklärung des Schmiergeldfalles in seinen Reihen: „Es ist wichtig, dass die ehrlichen Unternehmen Flagge zeigen.“ Viel zu häufig seien Unternehmen bei der Aufdeckung zurückhaltend, weil sie den Imageschaden fürchteten, moniert auch Ex-Staatsanwalt Steffen Salvenmoser, bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) für Wirtschaftskriminalität zuständig.

DÜSSELDORF. Interne Kontrollen sind wichtig. Denn Korruption gedeihe da, bezieht sich Bannenberg auf Studien, wo die Angst vor Entdeckung gering sei. Als Positivbeispiel nennt sie die Deutsche Bahn, die seit 2000 Geschäftspartner, die bestechen, für Jahre von der Auftragsvergabe ausschließt. Beim Essener Baukonzern Hochtief sind seit Ende der 90er-Jahre Ethikgrundsätze gegen Korruption Bestandteil des Arbeitsvertrags. Und: Es gibt auch eine Hotline für Mitarbeiter, die ihre Verdachtsfälle angstfrei äußern können – Whistleblowing genannt. „Unternehmen müssen klar kommunizieren, was verboten ist“, rät Salvenmoser.

Die Affären bei VW, Infineon und zuletzt bei BMW sind keine Einzelfälle. Nach einer Studie von PwC gaben 40 Prozent der deutschen Unternehmen an, in den vergangenen Jahren Opfer von Wirtschaftskriminalität geworden zu sein. Dabei verursacht Korruption – salopp ausgedrückt Bestechung – neben Produktpiraterie und Industriespionage den größten Schaden.

Auch wenn das „Dunkelfeld“, so die Einschätzung des Wiesbadener Bundeskriminalamts, beachtlich und der materielle Schaden schwer zu beziffern ist, glaubt der Frankfurter Oberstaatsanwalt Wolfgang Schaupensteiner, dass die „Branche Korruption“ in Deutschland wächst. „Bestechen gehört nach verbreiteter Überzeugung zum freien und erfolgreichen Wirtschaften“, klagt Schaupensteiner. Korruption treibe aber die Kosten der Privatwirtschaft hoch, führe zur Verschwendung von Steuergeldern und unterminiere das Vertrauen in den Rechtsstaat. „Das kann so nicht weitergehen“, mahnt auch Bannenberg. Hinter den Kulissen würden viele Manager nicht einsehen, dass diese Praxis falsch sei: „Die Unternehmen gehen zu sorglos damit um.“

Hinzu kommt Unwissenheit: „Viele wissen gar nicht, dass sie eine Straftat begehen“, sagt Salvenmoser. Denn mit dem Korruptionsbekämpfungsgesetz von 1997 – der Tatbestand der Bestechung im Geschäftsverkehr wurde in das Strafgesetzbuch integriert – hat sich einiges getan. So wurde Bestechung von Beamten bis dahin in weiten Teilen des Auslands nach deutschem Recht nicht bestraft. Aber seit 2002 ist auch die Bestechung von Privatpersonen im Ausland strafbar. Früher konnten Schmiergelder steuerlich geltend gemacht werden, nun muss man „ein Bewusstsein dafür schaffen, dass manche Vorgänge heute strafbar sind“, mahnt Salvenmoser.

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