Kostenexplosion
Gesundheitsreform wird zur Dauerlast für den Steuerzahler

Die schwarz-gelbe Gesundheitsreform wird spätestens in 15 Jahren zur Belastungsprobe für den Bundeshaushalt. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des Instituts für Gesundheitsökonomie der Universität Köln.
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BERLIN. Zu diesem Zeitpunkt werden, so die Autoren, selbst bei konservativen Annahmen die Zusatzbeiträge so stark gewachsen sein, dass jeder der 50 Millionen Beitragszahler Anspruch auf Sozialausgleich aus Steuermitteln haben wird. Folglich müsste jeder weitere Anstieg der Leistungsausgaben über den Umweg des Ausgleichs zu 100 Prozent vom Bund steuerfinanziert werden.

Nach den Plänen der Koalition sollen die Versicherten ab 2011 den Anstieg der Gesundheitsausgaben über Zusatzbeiträge tragen. Überschreiten sie im Durchschnitt zwei Prozent des beitragspflichtigen Monatseinkommens von derzeit maximal 3 750 Euro, gibt es einen Sozialausgleich.

Da gleichzeitig der allgemeine Beitragssatz bei 15,5 Prozent eingefroren wird, erwarten die Autoren, dass Jahr für Jahr zwei Prozentpunkte des Ausgabenanstiegs über Zusatzbeiträge gedeckt werden müssen. 2025 wäre so ein Zusatzbeitrag von 96 Euro monatlich erreicht. Er läge bei zwei Prozent der in der Zwischenzeit entsprechend der Lohnentwicklung fortgeschriebenen Obergrenze für das beitragspflichtige Einkommen von dann 4 800 Euro.

Jede weitere Erhöhung des Zusatzbeitrags müsste also aus Steuern finanziert werden. Bereits bei einem Zusatzbeitrag von 20 Euro hätten 14,8 Millionen Versichertenhaushalte Anspruch auf Sozialaugleich. Einen Zusatzbeitrag in dieser Größenordnung erwartet die Bundesregierung nach 2014.

Verhindert werden könnte diese Entwicklung nur durch eine deutliche Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze, also der Obergrenze des beitragspflichtigen Einkommens oder durch Kostendämpfungspolitik. Da die Wirtschaft aber künftig durch den Anstieg der Gesundheitsausgaben nicht mehr belastet werde, werde das Interesse an ausgabensenkenden Reformen eher sinken, fürchten die Autoren des Instituts.

Kommentare zu " Kostenexplosion: Gesundheitsreform wird zur Dauerlast für den Steuerzahler"

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  • Wenn man weiss, dass das institut für Gesundheitsökonomie der Universität Köln eine institution von Prof.Lauterbach Mdb SPD ist (der mit dem "Propeller", z.Zt. beurlaubt), dann sieht man diese Studie sicher mit anderen Augen ...

  • @Denkerist "Aber es gibt leider nur eine Partei, die noch nicht von Wirtschaftslobbyisten unterandert ist."

    Welche Partei soll das sein? ich nehme an, dass keine deutsche Partei gemeint ist. Die Vergangenheit hat uns nämlich gelehrt, dass egal welche Partei Deutschland regiert, immer nur Zugunsten der Wirtschaft entschieden wird. Denn so funktioniert nunmal das deutsche Parteiensystem. Sie können nur an die Macht kommen indem sie Spenden kassieren. Und der der die meisten Geldscheine serviert hat, für den wird regiert. in anderen Ländern nennt man das Korruption. ich kenne keine Partei in Deutschland, die nicht im interesse der Wirtschaft agiert sobald sie an der Macht ist.

  • Man nimmt ja an, daß irgendwann mal eine intelligente Regierung ans Ruder kommt, die erkennt, daß nicht die Einnahmeseite sondern die Ausgabeseite das Problem ist. Pharmakartell, Krankenhausbetreiber und weitere über Lobbyverbände verankerte Wirtschaftsinteressen müssen angegangen werde. Und auch 165000€ Jahresdurchschnittseinkommen eines Arztes sind zuviel.

    Aber es gibt leider nur eine Partei, die noch nicht von Wirtschaftslobbyisten unterandert ist.

    Vielleict hat irgendwann auch in Deutschland das Volk ein Mitspracherecht um die Korruption in der Politik anzugehen.

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