KPMG-Bericht
Unicef war „etwas großzügig“

Ein Bericht der KPMG bestätigt Unregelmäßigkeiten bei Unicef Deutschland. Der neue Unicef-Vorsitzende hält dennoch an seinem umstrittenen Geschäftsführer fest, weil es keine persönliche Bereicherung gegeben habe. Von Fehlern auf „betrieblicher Ebene“ ist die Rede. Andere Hilfsorganisationen beobachten den Fall genau. Sie haben vor allem eine Befürchtung.

DÜSSELDORF. Anlass für die erneute Debatte, die schon seit letzten Herbst die Unicef-Gremien beschäftigt, sind ein Schreiben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und der Rücktritt von Unicef-Deutschland-Chefin Heide Simonis am Wochenende. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten sowohl die grundsätzliche Arbeitsweise der Organisation, als auch deren Umgang mit dem Skandal um möglicherweise veruntreute Spenden kritisiert.

Unicef hatte dagegen behauptet, ein von KPMG verfasster Prüfbericht über den Umgang mit Geldern beim Kinderhilfswerk habe die Organisation von den Vorwürfen freigesprochen. Unter anderem wegen dieser Diskrepanzen war Heide Simonis am Wochenende als Unicef-Chefin zurückgetreten.

KPMG wollte sich öffentlich nicht zu dem Vorgang äußern. „Wir sprechen nicht über unsere Kundenbeziehungen“, sagt eine Sprecherin gegenüber handelsblatt.com.

In der Frankfurter Rundschau ist derweil eine E-Mail von KPMG an Unicef abgedruckt. Dort kritisiert der zuständige KMPG-Mitarbeiter, dass der Unicef-Vorstand sich Mitte Januar in einer Presseerklärung in Berufung auf die Wirtschaftsprüfer von allen Vorwürfen frei gesprochen habe. „Die in unserer Zusammenfassung aufgeführten Verstöße sind Unregelmäßigkeiten. Somit besteht ein Widerspruch zwischen unseren Feststellungen und der Unicef Presseerklärung“, heißt es in dem Schreiben.

Tatsächlich kritisiert KPMG in dem Prüfungsbericht, in vier von fünf untersuchten Sachverhalten seien „Verstöße gegen bestehende Regeln der Vergabe, Durchführung und Kontrolle von Transaktionen festgestellt“ worden. So habe es bei Aufträgen an Berater wiederholt keine schriftlichen Vereinbarungen gegeben. Persönlich hat sich nach KPMG-Einschätzung indes kein Unicef-Mitarbeiter bereichert. Laut Unicef-Sprecher Rudi Tarneden handelt es sich lediglich um Fehler auf der „betrieblichen Ebene“. Diese würden bereits abgestellt und seien keine Verstöße gegen Rechtsvorschriften.

Auch Reinhard Schlagintweit, Nachfolger von Simonis als Vorsitzender von Unicef-Deutschland, verteidigt den umstrittenen Geschäftsführer Dietrich Garlichs. Zwar habe es Ordnungswidrigkeiten bei dem Kinderhilfswerk gegeben, weil Garlichs beim Abschluss von Verträgen „etwas großzügig“ gewesen sei, räumt Schlagintweit im NDR ein. Gründe für einen Rücktritt des Geschäftsführers sieht er allerdings nicht: „Sonst ist dem Mann nichts vorzuwerfen.“ Auch die Vorstandsmitglieder Carmen Creutz und Rolf Seelmann-Eggebert verteidigen das Verhalten der Organisation. Dennoch müssten künftig innere Strukturen überprüft und das Handeln transparenter gemacht werden.

Das fordern auch Ortsgruppen des Kinderhilfswerks in Deutschland. Sie haben noch zusammen mit Heide Simonis Reformvorschläge für Unicef erarbeitet. Diese sehen unter anderem die Überarbeitung der Statuten vor. So sollen Mandatsträger künftig nur noch über einen begrenzten Zeitraum ihre Ämter ausüben dürfen. Zudem soll künftig ein Ombudsmann über die Arbeit der Organisation und den Umgang mit Spenden wachen.

Viele der weiteren Vorschläge orientieren sich an Buchführungsprinzipien, wie sie in Unternehmen selbstverständlich sind. Eine „sachgerechte und korrekte Ausweisung des Vermögens“, wird dort etwa gefordert. Den Verwaltungskostenaufwand wollen die an den Vorschlägen Beteiligten künftig reduziert, Verträge nur noch schriftlich geschlossen und die „völlige Transparenz des Spendenaufkommens“ gewährleistet sehen. Zudem solle es ein wirksames Controlling und die strenge Anwendung des „Vier-Augen-Prinzips“ beim Umgang mit dem etwa 90 Millionen Euro schweren Stiftungsvermögens geben. Das alles ist offenbar bisher eher nicht der Fall.

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