KPMG sieht doch Verstöße: Wirtschaftsprüfer belasten Unicef

KPMG sieht doch Verstöße
Wirtschaftsprüfer belasten Unicef

Nach dem Rücktritt von Heide Simonis vom Amt der Vorsitzenden Unicef-Deutschlands gerät nach einem Medienbericht Geschäftsführer Dietrich Garlichs immer mehr unter Druck. Das Kinderhilfswerk hatte behauptet, eine Prüfung habe ergeben, dass es gar keine Unregelmäßigkeiten gegeben habe. Doch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die den Bericht anfertigte, widerspricht massiv.

HB BERLIN. Der „Frankfurter Rundschau“ wurde nach eigenen Angaben von Informanten ein Schreiben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG zugespielt. Darin verlangt die KPMG, Unicef dürfe nicht weiterverbreiten, dass der KPMG-Bericht festgestellt habe, alle Vorwürfe seien falsch und es habe keine Unregelmäßigkeiten gegeben.

Es sei in der Zusammenfassung „unserer Sonderuntersuchung sehr klar von Verstößen die Rede“, schreibt Dieter John von der Forensic-Abteilung der KPMG. Die dort „aufgeführten Verstöße sind Unregelmäßigkeiten“, so John. „Somit besteht ein Widerspruch zwischen unseren Feststellungen und der Unicef-Presseerklärung.“

Unicef solle die Erklärung „sofort aus dem Netz nehmen“, forderte die KPMG bereits am 14. Januar. Dennoch sei die „wahrheitswidrige Erklärung von Unicef noch am vergangen Samstag (2.Februar) auf der Unicef -Internetseite zu lesen“ gewesen, hieß es in der Meldung der „Frankfurter Rundschau“.

Im Interview mit der Zeitung erhebt Heide Simonis, die nach wochenlangen Querelen um die Verwendung von Spendengeldern am Wochenende als deutsche Unicef-Vorsitzende zurückgetreten war, schwere Vorwürfe gegen das Kinderhilfswerk. Der KPMG-Bericht zeige klare „Verstöße gegen Unterschriftenregeln, Vier-Augen-Prinzip und Schriftform von Verträgen“, so Simonis. Dies seien Verstöße gegen Regeln, die „unverzichtbar“ seien, „damit man Abläufe nachvollziehen kann“, so die ehemalige Unicef -Vorsitzende. „Es gab keine Verträge und somit ist es nicht nachvollziehbar“. Zum Stiftungsvermögen von 89,4 Millionen Euro sagte Simonis: „Das muss stärker kontrolliert werden. Das darf nicht von einem alleine gemacht werden.“

Die ehemalige schleswig-holsteinische SPD-Ministerpräsidentin stand zwei Jahre an der Spitze der deutschen Sparte. Für eine Übergangszeit soll nun der frühere Vorsitzende Reinhard Schlagintweit die Position von Simonis übernehmen. Ausgelöst wurde der Streit bei Unicef durch Vorwürfe von Verschwendung und Misswirtschaft. Unter anderem wurden hohe Beraterhonorare und Provisionen für Spendenvermittler kritisiert, so dass auch die Staatsanwaltschaft ermittelte.

An der Basis fordern Arbeitsgruppen verstärkt den Rücktritt von Geschäftsführer Dietrich Garlichs. Es herrsche „blankes Entsetzen“, sagte Klaus Hoppe von der Arbeitsgruppe Frankfurt dem Blatt. Dass jetzt die um Aufklärung bemühte Vorsitzende gehen müsse, sei „der Gipfel der Verlogenheit“ bei Unicef. „Garlichs muss zurücktreten ­ das wäre der am dringendsten erforderliche Schritt“, so Hoppe. Der Geschäftsführer habe sich „nie mit der moralischen Verantwortung von Unicef identifiziert“.

Bei Unicef Deutschland war am Sonntagabend zunächst niemand für eine Stellungnahme zu dem Bericht erreichbar.

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