Krämer vs. Bofinger: Der Krieg der Ökonomen eskaliert

Krämer vs. Bofinger
Der Krieg der Ökonomen eskaliert

An Deutschlands Wirtschaftsfakultäten tobt ein erbitterter Kampf um den Ökonomenaufruf gegen die Beschlüsse des Euro-Gipfels. Nun gießt Initiator Walter Krämer Öl ins Feuer und knöpft sich seine Gegner vor.

DüsseldorfNichts zeigt die Zerstrittenheit deutscher Ökonomen so dramatisch wie ein Interview mit dem Ökonomieprofessor Walter Krämer in der Dortmunder Studentenzeitung „Pflichtlektüre“. „Was von unseren Gegnern an Gehässigkeit in die Tinte geflossen ist, das ist ja kaum zu glauben, Leute wie Herr Bofinger der übrigens eine akademische Nullnummer ist.“ Keiner nehme Herrn Bofinger ernst, wettert Krämer. Dieser sei nur in den Rat der Wirtschaftsweisen gekommen, weil die Gewerkschaften ihn dort rein kooptiert hätten. Update: Krämer distanzierte sich kurz darauf von den Zitaten und entschuldigte sich nach eigenen Angaben bei Bofinger. Die Passagen im „Pflichtlektüre“-Interview seien nicht autorisiert gewesen. Handelsblatt Online berichtete darüber im Artikel „Krämer will Frieden“.

Handelsblatt Online konfrontierte Bofinger mit der harten Kritik, eine Reaktion gab es auf die Email-Anfrage aber bisher nicht.

"Die Äußerungen des Kollegen Krämer sprechen für sich", meint indes der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn. "Wenn kein Argument mehr hilft, ergeht man sich in persönlicher Diskreditierung", schreibt Horn auf seiner Facebook-Pinnwand. "Herr Krämer hat sich damit für weitere wirtschaftspolitische Debatten als ungeeignet erwiesen."

Seit drei Wochen herrscht an Deutschlands Wirtschaftsfakultäten ein erbitterter Kampf - und Krämer  ist der Auslöser. Er hat einen Aufruf gegen die Beschlüsse des Euro-Gipfels initiiert und über 250 Ökonomen haben ihn mittlerweile unterschrieben.

Bofinger hatte den Unterzeichnern des Krämer-Aufrufs vorgeworfen, ihren Job verfehlt zu haben und sprach von „schlimmster Stammtisch-Ökonomie“. In zwei Gegenaufrufen haben sich Ökonomen unterschiedlichster Denkrichtungen von den Aussagen des Krämer-Aufrufs distanziert. Den ersten Gegenaufruf haben zum Beispiel der gewerkschaftsnahe Ökonom, Gustav Horn, und sein arbeitgebernaher Kollege, Michael Hüther, unterschrieben - zwei Leute, die wirtschaftspolitisch eigentlich meilenweit auseinander liegen. Hinter dem zweiten Aufruf, den der Münchner Professor Gerhard Illing und sein Berliner Kollege Frank Heinemann initiiert haben, stehen zum Beispiel der Bonner Ökonomen Martin Hellwig, die frühere Wirtschaftsweise Beatrice Weder Di Mauro und der Chef des Vereins für Socialpolitik, Michael Burda. Burda hatte den Krämer-Aufruf als nationalistisch bezeichnet.

Zu den prominentesten Unterstützern des Krämer-Aufrufs zählt dagegen Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Sinn war es auch, der gemeinsam mit Krämer den Aufruf in einem Gastbeitrag gegen die Kritik vieler Kollegen verteidigte. Beide kennen sich seit 40 Jahren und waren gemeinsame Kollegen an der Uni Mannheim.  Deshalb sahen viele den Ifo-Chef als Mitinitiator des Aufrufs. Dies bestreitet Sinn jedoch.

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  • Nachfolgender Artikel zur Erhellung des Umfeldes auf das sich Bofinger und Co. eingelassen haben:
    http://ineteconomics.org/blog/inet/which-nation-greatest-threat-europe-anatole-kaletskys-debut-column-reuters
    “One country poses an existential threat to Europe – and it is not Greece, Italy or Spain.” It’s Germany. So says Anatole Kaletsky in his thought-provoking debut column for Reuters and the International Herald Tribune. Germany has been the one vetoing every potential solution, Kaletsky says, so anyone looking for the real threat to Europe should go right to the source. Kaletsky suggests that Germany isn’t really looking out for Europe’s best interests – its looking out for Germany’s. “Merkel plays lip service to political union” he writes, “even claiming that democratic accountability is her main condition for financial rescues; but what she means is accountability to German voters, German newspapers and German constitutional judges.” Kaletsky’s point is that Germany’s goal – once again – is to try to make a “German Europe” rather than a “European Germany.” The problem with this approach, he suggests, is that while Germany is in a more powerful geopolitical position vis-à-vis its Europeanneighbors, “it isn’t big and powerful enough to dominate its neighbors decisively, as the U.S. dominates North America or China will dominate the Far East.”Merkel appears to have forgotten this lesson, Kaletsky says, and is instead “instructing the Greeks, Italians, and Spaniards to ‘do their homework’” – an injunction she undoubtedly believes is in these countries’ best interests. Yet, Germany is overplaying its hand.
    “This question is not whether Europe will agree to live under German leadership, but whether Germany will agree to live under EU leadership – or whether the other nations must form a united front against Germany to prevent the destruction of Europe, as they have repeatedly in the past, ” Kaletsky says...

  • Krämer hat vollkommen Recht ! Auch die neueste Bofinger +16 - Warnung wurde von, ja von wem? - von der obersten Abzock-Heuschrecke Soros in Auftrag gegeben. Das sogenannte Warngutachten ruft nach Vergemeinschaftung der Euroländer-Schulden und fettet damit die Banken und deren Erträge aufs Wohltätigste an ! Herr Bofinger und sein DGB-Chef Sommer sind absolut durchgeknallt oder fremdgesteuert.

  • Die wirtschaftlichen Zusammenhänge sind zwar komplex aber nicht kompliziert. Wenn allerdings kriminelle Energie der Leitfaden des Handelns ist, dann findet Verschleierung statt, Fakten werden bewusst falsch kolportiert. Leider reicht der gesunde Menschenverstand der meisten Politiker nicht aus, um hier unterscheiden zu können. Oft werden die dubiosen Thesen vermeintlicher "Fachleute" einfach nachgeplappert und als große Politik verkauft. So ist Europa nicht zu retten. Ethisches und nachhaltiges Handeln in Verbindung mit Solidarität bringt uns zum Ziel.

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