Krankenkasse leugnet Job-Effekt
Studie relativiert Rolle der Lohnzusatzkosten

Der Kostenfaktor Gesundheit belastet einer Studie im Auftrag der Techniker Krankenkasse zufolge deutsche Unternehmen weit weniger als angenommen. Ein Zusammenhang zwischen der Höhe der auf das Gesundheitssystem entfallenden Lohnzusatzkosten und der Beschäftigungsentwicklung sei nicht nachweisbar.

pt BERLIN. Dies ist das Ergebnis der internationalen Vergleichsstudie des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES). Berechnungen, wonach eine Entkopplung der Lohnkosten von den Gesundheitsabgaben, wie sie die CDU durch die Gesundheitsprämie erreichen will, eine Million Arbeitsplätze in Deutschland schaffen würde, „kann ich so nicht nachvollziehen“, kommentierte der Direktor des IGES, Bertram Häussler, die Ergebnisse der Studie. Nach Auffassung des Auftraggebers der Studie und Chefs der Techniker Krankenkassen, Norbert Klusen, zeigt die Studie, dass Deutschland zwar ein Lohnkosten-, aber kein Lohnzusatzkostenproblem habe.

IGES hat den Zusammenhang zwischen Beschäftigung und gesundheitssytemrelevanten Belastungen der Wirtschaft fünf Branchen untersucht.

In der chemischen Industrie ging die Belastung durch Gesundheitskosten im Beobachtungszeitraum zwischen 1995 und 2000 um mehr als elf Prozent zurück. Gleichwohl stagnierte die Beschäftigung. Im Fahrzeugbau nahmen die gesundheitsbedingten Belastungen in der gleichen Zeit um 37 Prozent zu. Trotzdem stieg die Beschäftigtenzahl um 18,3 Prozent. Trotz annähernd gleicher Belastung entwickelte sich die Beschäftigung in allen untersuchten Branchen sehr unterschiedlich. Offenbar, folgert das Institut, würden die Effekte der Lohnzusatzkosten durch andere Faktoren überlagert.

Schon die geringe Größenordnung der Belastung der Wirtschaft durch gesundheitssystembedingte Aufwendungen belege, dass eine Entlastung der Arbeitgeber in diesem Bereich wenig zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit beitragen könne. Im Durchschnitt machen laut IGES die Gesundheitskosten der Wirtschaft 3,2 Prozent des Werts aller in Deutschland produzierten Waren und Dienstleistungen aus, der Arbeitgeberanteil zur Krankenversicherung 1,2 Prozent und die Lohnfortzahlung 0,8 Prozent. Um diese Sätze würden deutsche Produkte günstiger, würden die Arbeitgeber von den Kosten befreit. Ziel der diskutierten Reformüberlegungen sei es aber allenfalls, die Belastung der Wirtschaft auf dem heutigen Niveau einzufrieren.

So sieht das Kopfpauschalen-Modell der CDU vor, dass der Arbeitgeberbeitrag den Versicherten ausgezahlt wird und sie in Zukunft die Kassenausgaben alleine tragen. Die Grünen überlegen, den Arbeitgeberbeitrag einzufrieren. Bislang zahlen Arbeitgeber und Versicherte je die Hälfte des Beitrags von derzeit durchschnittlich 14,2 Prozent.

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