Krankenkassen
70 Millionen Versicherten droht Beitrags-Explosion

Bundesgesundheitsminister Rösler (FDP) gerät unter Handlungsdruck. Die den Krankenkassen zugesagten Steuerzuschüsse in Milliardenhöhe reichen wohl nicht aus, um die Beiträge stabil zu halten. Der Kassen-Spitzenverband spricht von einer weiterhin kritischen finanziellen Lage und kündigt auf breiter Front Zusatzbeiträge an.
  • 12

HB BERLIN. Zu erwarten seien Zusatzbeiträge „im großen Maße“, sagte die Vorsitzende des Spitzenverbandes der Krankenversicherung, Doris Pfeiffer, der „Berliner Zeitung“ vom Donnerstag. Die finanzielle Lage der gesetzlichen Kassen sei weiter kritisch. Die SPD macht dafür auch die neue Bundesregierung verantwortlich, weil sie kein Sparpaket zulasten von Pharmaindustrie, Ärzten oder Krankenhäusern plant.

Den Kassen werden nach offizieller Schätzung 2010 rund 7,5 Mrd. Euro fehlen. Etwa 3,9 Mrd. Euro davon will der Bund über einen zusätzlichen Zuschuss decken. Das verbleibende Milliardendefizit könnte rein rechnerisch zu einem Zusatzbetrag von sechs Euro je Mitglied führen. Allerdings ist die Finanzlage einzelner Kassen unterschiedlich.

Pfeiffer warf der schwarz-gelben Bundesregierung und dem neuen Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vor, die falschen Schwerpunkte zu setzen: „Die Prioritäten stimmen nicht.“ Zwar sei es richtig, sich Gedanken über das Beitragssystem zu machen. Jetzt müsse es aber vor allem darum gehen, den Ausgabenanstieg zu bremsen. „Es kann doch nicht sein, dass die Bürger, die um ihren Arbeitsplatz bangen, immer öfter zur Kasse gebeten werden, die Einnahmen von Ärzten, Krankenhäusern und der Pharmaindustrie aber ungebremst weiter steigen.“

Pfeiffer forderte mehr Wettbewerb im Apothekensektor und eine Preisregulierung für neuartige, fast immer sehr teure Arzneimittel: „Wir müssen endlich die Kosten in den Griff bekommen, ohne Abstriche bei der Versorgung zu machen.“

Seite 1:

70 Millionen Versicherten droht Beitrags-Explosion

Seite 2:

Kommentare zu " Krankenkassen: 70 Millionen Versicherten droht Beitrags-Explosion"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hallo,

    Wer glaubt, dass sich die Selbstverwaltung in die Karten schauen lässt? Als gesetzlich verpflichteter Stakeholder kann man eigentlich Transparenz der GKV-Finanzströme und deren Strategien erwarten - oder in welcher Gesetzeslage findet sich gegenteiliges wieder? Lobbyjammern bringt Segen, den Patienten dafür verantwortlich machen noch mehr Segen...
    Das Tolle an der Solidargemeinschaft ist, dass der Versicherte seine staatlich- und grundgesetzliche Lebens- und Gesundheitsberechtigung erst mit dem KV-Anteil, dann mit der Praxisgebühr, natürlich einer Zusatzversicherung und weiterhin mit dem Zusatzbeitrag begleicht. Warum führen wir Grundsatzdiskussionen über Peanuts? Erinnert sich der bestens informierte beitragszahler, dass er unzählige Lobbyvertreter, Verbände, Kassen, Organisationen, Ausschüsse, Gremien und Außendienstdienststellen mit seinem bescheidenen und vor allem zu niedrigen beitragssatz gleich mitfinanziert. Eine alternde, multimorbide Gesellschaft kann nunmal keine veralteten Strukturen und deren subjektiven interessen vertreten.

  • Die ganz armen und kranken Kassen ohne Geld.

    Da baut sich zum beispiel die AOK in Aschaffenburg / bayern einen Glaspalast, welcher selbst das Gebäude der Deutschen bank überragt, hat aber angeblich kein Geld für ihre Versicherten, welche dieses Geld Tag für Tag erarbeiten müssen.

    Und wer kennt die Gehälter von den jeweiligen Kassenfunktionären?

    Wie lange lassen wir uns denn noch finanziell Schröpfen???

  • Aha... ist ja wieder sehr interessant, genauso wie die üblichen Stammtischphrasen in den Kommentaren.

    Der rechnerische Zusatzbeitrag liegt also bei durchschnittlichen 6 Euro. Einige Krankenkassen müssen diesen aber (noch) nicht erheben, weil sie zunächst Reserven abbauen oder über Kredite Zeit schinden. Andere müssen diesen beitrag zwangsweise erheben. Da aber nicht alle Krankenkassen dieses gleichmäßig machen, müssen einzelne Krankenkassen mehr als 6 Euro, wahrscheinlich sogar mehr als 8 Euro Zusatzbeitrag erheben.

    Das hat wiederum eine Einkommensprüfung zur Folge und bedeutet erheblichen Mehraufwand für Prüfung und Einzug. Die Kosten für diesen Mehraufwand mindern wiederum die Einnahmen aus dem Zusatzbeitrag.

    Weil nun aber Versicherte nicht zahlen, wird wahrscheinlich noch ein inkasso-Verfahren benötigt, was den Verwaltungsaufwand weiter erhöht.

    Versicherte zahlen nicht und/oder wechseln zu einer Krankenkasse ohne Zusatzbeitrag. Die Krankenkasse kommt weiter ins Schlingern. Egal, ob sie jetzt bKK Kleinkram oder DAK, Techniker oder barmer/GEK heißt.

    Am Ende kann das Gesamtdefizit der GKV durch den Zusatzbeitrag nicht oder nur unvollständig kompensiert werden. Die Finanzierungslücke des Gesundheitsfonds bleibt. Daran würde auch eine auf zehn Krankenkassen geschrumpfte GKV nichts ändern. Von weiter reduziertem Wettbewerb ganz zu schweigen.

    Gleichzeitig werden Arbeitgeber entlastet, die Pharmaindustrie und Apotheken protegiert, Ärzten höhere Honorare verschafft.

    Sagt mal: Geht es noch? Merkt eigentlich jemand, wie man in diesem Land verarscht wird?

    Die PKV-Verbände sprechen ebenso von beitragserhöhungen. Wer also glaubt, dort gäbe es die Problematik stetig steigender Ausgaben nicht, irrt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%