Krankenkassen gegen Apotheker: Krebstherapie könnte teurer und schlechter werden

Krankenkassen gegen Apotheker
Krebstherapie könnte teurer und schlechter werden

Gesetzliche Krankenkassen versuchen das drohende Ausschreibungsverbot für die Behandlung mit Zytostatika in letzter Minute aufzuhalten. Sie warnen vor überflüssigen Kosten und schlechterer Qualität der Krebstherapie.
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BerlinGeht es um die Kosten des deutschen  Gesundheitswesens, gibt es kaum etwas Sensibleres als die Therapie von krebskranken Menschen. Die weit verbreitete Meinung ist: Was teuer ist, ist für ihre Behandlung gerade recht. Diesen Volksglauben konnten sich in der Vergangenheit Arzneimittelhersteller und Apotheker zu Nutze machen. Sie sorgten im Verbund dafür, dass die offiziellen Preise, die von den Krankenkassen für die Krebstherapie gezahlt werden müssen, sehr hoch sind.

Rund 2,85 Milliarden Euro gaben die Krankenkassen 2015 Zytostatika aus, die im Volksmund auch Chemotherapie genannt werden. Sie werden in bis zu 300 ausgewählten Apotheken aus Fertigarzneimitteln individuell für einzelne Patienten gemixt. Ein großer Teil dieser Summe entfällt aber auf Rabatte, die die Hersteller den Apotheken gewähren. Eigentlich sollten diese Rabatte den Krankenkassen in Form einer Verbilligung der Behandlung, also niedrigere Preise, zu Gute kommen. Stattdessen landen sie bei den Zyto-Apothekern. Sie erhalten von den Krankenkassen den höheren Listenpreis und stecken sich die Differenz in die eigene Tasche. Der Gesetzgebers versuchte diese Differenz abzuschöpfen. Er gab dem GKV-Spitzenverband die Möglichkeit, mit dem Deutschen Apothekerverband niedrigere Preise zu vereinbaren – die so genannte Hilfstaxe. Diese weichen von den offiziellen Preisen ab. Doch der Versuch misslang, weil die tatsächlichen Einkaufspreise der Apotheken zu intransparent sind.

Die Krankenkassen griffen daher im vergangenen Jahr vermehrt zu einen härteren Mittel: Gestützt auf ein Urteil des Bundessozialgerichts nutzten sie verstärkt die Möglichkeit, die Versorgung mit Zytostatika öffentlich auszuschreiben. So gibt es entsprechende Vereinbarungen der AOK Nordost für Berlin bereits seit 2010. Mit der DAK und der GWQ Service Plus AG, die 42 Kassen  mit etwas neun Millionen Mitgliedern vertritt, startete vergangenes Jahr die erste bundesweite Ausschreibung. Weitere folgten.

Die Krankenkassen konnten damit aber nur ein kurzes Feuerwerk echten Wettbewerbs auf dem verriegelten Markt für Zytostatika-Zubereitungen entfachen. Denn zwischenzeitlich hat der Gesetzgeber auf Druck der Apotheken gehandelt. In das GKV-Arzneimittelversorgungstärkungsgesetz wurde im vergangenen Herbst ein Passus eingefügt, der ein Verbot der Ausschreibungen vorsieht. Derzeit liegen die Beratungen des Gesetzes im deutschen Bundestag in den letzten Zügen und es sieht nicht so aus, als würde das Verbot in letzter Minute zurückgenommen – trotz massiver Kritik von Seiten der Krankenkassen und  Experten. Im Gegenteil: Nun sollen auch noch die bereits abgeschlossenen Ausschreibungsverfahren gekillt werden. Alle bereits geschlossenen Verträge sollen nach Inkrafttreten des Gesetzes nur noch drei Monate gelten.

Die Kassenverbände haben daher jetzt in einem Brandbrief an die Gesundheitsexperten von Union und SPD im Bundestag appelliert, sich die Sache noch einmal zu überlegen. Es ist der letzte Versuch der Krankenkassen, das Gesetz doch noch aufzuhalten. Ihr Hauptargument lautet: Entgegen der Darstellung der Apothekerlobby würde die Versorgung durch Ausschreibungen nicht nur preiswerter, sondern auch qualitativ besser werden. Die bisher durchgeführten Ausschreibungen hätten nämlich über entsprechende Auflagen vielfach erstmals überhaupt  „eine wohnortnahe, wirtschaftliche und qualitätsgestützte Versorgung“ sichergestellt.  Zudem könnten die Krankenkassen durch die Ausschreibungen jährlich 600 bis 700 Millionen Euro einsparen. „Die ist angesichts der Entwicklung der Arzneimittelausgaben gerade in der Onkologie dringend nötig“, heißt es in dem Brandbrief der Kassen. Vor allem aber werde mit dem Verbot der Ausschreibungen die Chance vergeben, „in einem wachsenden, aber manipulationsanfälligen Markt Transparenz und Effizienz zu schaffen“. 

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So argumentieren die Apotheken

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  • @ Herr Hans Schönenberg

    Jetzt, wo Sie es sagen, habe ich auch festgestellt – meine Beiträge steigen ja auch.

    Ich vermag aber noch nicht zu sagen, mit welcher Lawine von Kosten das zu tun hat. Sogenannte Flüchtlinge scheiden ja erst mal aus, weil die bauernschlaue Bundesregierung vorsorglich und rechtzeitig eine Sonderzuweisung von 1,3 Mrd. € aus dem Gesundheitsfond an die GK vorgenommen hat, damit die Zusatzbeiträge bloß nicht im Wahljahr steigen – in der begründeten Hoffnung, dass der dumme Wahlbürger nicht begreift, mit welchen beitragsveruntreuenden Methoden dieses angeblich demokratisch das „Volk“ vertretende elitäre „Pack“ Machtmissbrauch betreibt.

    Ein paar Hundert Apotheker können es eigentlich auch nicht sein – oder?

  • Gröhe – der interessenwahrende steuergeldfinanzierte „Schutzengel“ der armen Apotheker.

    Obwohl der EuGh sein geplantes Gesetz zum Verbot des Onlinehandels von Medikamenten in Deutschland kippen wird, will er es partout für 20.000 Apotheker gegen die Interessen von 82 Mio. durchsetzen.

    Nun will er für einen Bruchteil dieser Apotheker diese stattliche Einnahmequellen zu Lasten der KV-Beitragszahler und vor allem der Krebskranken sichern.

    Mangels anderer Fakten, wie z. B. die Aussicht auf einen tollen Job bei der Apotheker-Lobby, gebe ich meine auf Spekulation beruhende Meinung zu diesem elitären Machtpolitiker zum Besten, wonach dieser Gröhe möglicherweise von einem Super-Apotheker gesundheitlich in Sachen seiner Fettleibigkeit derart hervorragend betreut wird, sodass ihm jederzeit problemlos bildschirmfüllende Auftritte in Talk-Shows etc. möglich sind, was in ihm dann denkbare übergroße Dankbarkeit dieser Gilde gegenüber erzeugen könnte.

  • Hallo, danke, dass Sie dieses Thema aufgreifen. Ich stelle fest, dass meine Krankenkassenbeiträge immer weiter steigen, da eine Kostenlawine im Gesundheitswesen rollt. Ohne es genau zu wissen, bin ich immer davon ausgegangen, dass es enorme Verschwendung gibt und die Politik durch diverse Gesetze und Verordnungen an dieser Kostenspirale aktiv beteiligt ist; und scheinbar kein ernsthaftes Interesse hat, etwas zu ändern.

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