Krankenkassen
Millionen müssen Zusatzbeitrag auch 2011 zahlen

Obwohl der allgemeine Kassenbeitrag steigt, kommt eine Reihe von Kassen nicht ohne Zusatzbeitrag aus. Nur 50 der 160 Kassen haben bisher verbindlich erklärt, 2011 keine Extragebühren zu erheben. Einen Sozialausgleich gibt es aber nicht.
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BERLIN. Sechs Milliarden Euro spült die am vergangenen Freitag auch vom Bundesrat genehmigte Erhöhung des allgemeinen Krankenkassenbeitrags von 14,9 auf 15,5 Prozent im nächsten Jahr zusätzlich in den Gesundheitsfonds. Trotzdem werden etliche Kassen auch 2011 nicht auf einen Zusatzbeitrag verzichten können. So hat die mit 5,9 Millionen Versicherten drittgrößte Kasse DAK bereits beschlossen, weiter acht Euro zusätzlich zu erheben. Das Gleiche gilt für die KKH-Allianz mit ihren zwei Millionen Versicherten. „Wir rechnen damit, dass außerdem fast alle Betriebskrankenkassen, die in diesem Jahr einen Zusatzbeitrag erheben mussten, darauf auch 2011 nicht verzichten können“, sagte die Sprecherin des BKK-Bundesverbands, Christine Richter, dem Handelsblatt. Sie erwartet daher, dass auch 2011 rund zehn Millionen der 70 Millionen gesetzlich Versicherten extra zahlen müssen.

So hat die BKK-Heilberufe (250 000 Versicherte) beschlossen, ihren Zusatzbeitrag von einem Prozent in eine monatliche Pauschale von zehn Euro umzuwandeln. Sie setzt damit eine neue Vorschrift im Sozialgesetzbuch um, nach der Zusatzbeiträge nur noch als Kopfpauschale erhoben werden dürfen. Für die eine Million Versicherten der Deutschen BKK, die 200 000 Kunden der City BKK und die 1,15 Millionen Versicherten der BKK Gesundheit bleibt es bei acht Euro. Das Gleiche gilt für die mit 30 000 und 12 000 Versicherten eher kleinen BKKen Advita und Phoenix und die nur für Betriebsangehörigen geöffneten BKKen Springer, Eon und Merck.

Nur dank einer Geldspritze des BKK-Systems von 18 Millionen Euro und der Fusion mit der MH-Plus wird den 40 000 Versicherten der GBK-Köln 2011 ein Zusatzbeitrag erspart bleiben. Aus eigener Kraft wollen außerdem die Esso-BKK und die Novitas BKK vorerst auf den bisherigen Zusatzbeitrag von acht Euro verzichten. Nur 50 der 160 Kassen haben bisher verbindlich erklärt, 2011 ohne Zusatzbeitrag auszukommen, darunter Schwergewichte wie die Barmer und die TK und alle Ortskrankenkassen bis auf die AOK Bayern.

Betroffene mit kleinen Einkommen sollten sich überlegen, ob sie nicht besser zu einer Kasse ohne Zusatzbeitrag wechseln. Denn die Obergrenze von einem Prozent des Einkommens für den Zusatzbeitrag gilt nicht mehr. Vielmehr können die Kassen die Höhe künftig völlig frei festlegen. Erst wenn der durchschnittliche Zusatzbeitrag aller Kassen zwei Prozent übersteigt, gibt es einen Sozialausgleich aus Steuermitteln. Da dies nach Schätzung der Regierung nächstes Jahr nicht der Fall sein wird, fällt der Sozialausgleich 2011 aus. Dies gilt nach den neuen Regeln auch, sollte der Zusatzbeitrag im Jahresverlauf bei einzelnen Kassen die Zwei-Prozent-Grenze durchstoßen.

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  • Die DAK war eine der ersten Kassen, die den Zusatzbeitrag in 2010 gefordert hat. Das hat der Kasse wohl einige Mitglieder gekostet. Dass die DAK im nächsten Jahr wieder einen Zusatzbeitrag kassiert, zeigt dass nicht genug Mitglieder dieser Kasse den Rücken gekehrt haben. Sonst wäre man vorsichtiger mit solchen Entscheidungen. Da aber die meisten Deutschen lieber zahlen, als sich gegen ihre finanzielle Ausnahme zu wehren und sich folgerichtig eine Kasse ohne Zusatzbeiträge zu suchen, kann die DAK noch ein bisschen mehr abzocken. Wer das Spiel trotz freier Kassenwahl mitspielt, muss schon ganzschön verrückt sein. Also ob ich nun bei der TK, AOK oder DAK bin, ist doch im Grunde egal. bei allen dreien muss ich beim Arzt den Privatkunden den Vorrang lassen. Nur bei der DAK (und bei ein paar Kassen noch) darf ich dafür aus Dankbarkeit noch ein bisschen mehr zahlen. Wie irre muss man sein, wenn man das so einfach hin nimmt. Würde meine gesetzliche Krankenkasse auch nur einen Euro Zusatzbeitrag verlangen, würde ich sofort kündigen, sofern es Kassen ohne Zusatzbeiträge gibt.

  • UNKONTROLLiERTER MARKT
    Wie heißen die drei Krankenkassen, die per Definition pleite sind und vom bundesverband der Krankenkassen nicht veröffentlicht werden?
    Wieviel bezahlen Mitgliedskrankenkassen für den Erhalt dieser illegalen Praxis?
    Wieso bezahlen Mitglieder ihre beiträge für bankrotte Krankenkassen? Will mir scheinen, da sind mehr drin als 10 Euro.

  • ich empfehle jedem die Kasse, die zusätzliche beiträge fordert, sofort zu kündigen. Habe ich bei meiner Kasse auch gemacht. Sollen doch ruhig noch ein paar von denen von der bildfläche verschwinden. Wir haben doch ohnehin einen sozialistischen Einheitsbeitragssatz. Echter Wettbewerb ist doch nur noch Augenwischerei. Von euren Zusatzbeiträgen leistet sich der Chef der Krankenkasse einen neuen Dienstwagen. Dann schafft er noch ein paar zusätzliche Stellen in der Chef-Etage und bringt dort seine Golfclub-Kumpels unter. Wir brauchen nur noch eine Krankenkasse. Wird doch sowieso alles wie in der DDR staatlich kontrolliert. Wir haben doch auch nur eine gesetzliche und staatlich kontrollierte Rentenversicherung und eine staatlich kontrollierte Arbeitslosenversicherung. Jede weitere Krankenkasse dient nur dem Erhalt der hochdotierten Posten in den Chefetagen. Die Verwaltungswasserköpfe bezahlen wir alle mit. Da gibt es noch enormes Einsparpotenzial. Krankenkassen, die Zusatzbeiträge fordern, können nicht gut genug wirtschaften und müssen so schnell wie möglich eingestampft werden. Marktbereinigung ist ein großer Gewinn für die beitragszahler. Entweder jede Krankenkasse macht seine Sätze, wie sie es für eine wirtschaftliche Existenz benötigt, also mit richtigem Wettbewerb oder es gibt nur noch eine. Alles andere ist einfach nur blödsinn.

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