Krankenkassen nach drittem Quartal im Plus
Steigende Beiträge trotz voller Kassen

Die gesetzliche Krankenversicherung verzeichnet nach dem dritten Quartal ein Finanzplus. Wie der BKK-Bundesverband am Donnerstagabend mitteilte, betrug der Überschuss seiner Mitgliedskassen nach den ersten neun Monaten 324 Mill. Euro.

HB BERLIN. Allerdings seien die Ausgaben der Kassen für die Krankenhausversorgung, für Vorsorge und Rehabilitation sowie für Arzneimittel gestiegen. Vertreter der Spitzenverbände erwarten für kommendes Jahr dennoch deutlich stärker steigende Beiträge als von der Politik kalkuliert.

Die Angestellten-Ersatzkassen, zu denen die größten Kassen Barmer, DAK und Techniker gehören, erzielten in den ersten drei Quartalen ein Plus von 64 Mill. Euro, nachdem sie zum Halbjahr noch ein Defizit von 284 Mill. Euro ausgewiesen hatten. Die Arbeiter-Ersatzkassen liegen nach neun Monaten mit 26 Mill. Euro im Plus. Die Innungskrankenkassen erzielten einen Überschuss von 75 Mill. Euro. Die Allgemeinen Ortskrankenkassen erzielten ein Defizit von 150 Mill. Euro, ihr Bundesverband rechnet nach Angaben eines Sprechers aber zum Jahresende mit einer „schwarzen Null“.

Trotz des positiven Gesamtergebnisses könne für 2007 keine Entwarnung gegeben werden, betonten Kassenvertreter. Der Grund seien die Kürzungen des Steuerzuschusses, die nicht gebremste Ausgabendynamik in vielen Bereichen sowie die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Die Spitzenverbände gingen daher davon aus, dass die Beitragssätze im Durchschnitt um 0,68 Prozentpunkte steigen werden. Die Politik geht bisher von 0,5 Prozentpunkten aus.

Die meisten der rund 250 Kassen wollen im Dezember über den Umfang der Beitragserhöhungen entscheiden. Während bei einigen die Steigerungen gering ausfallen könnten, sei bei anderen gar mit „einer Eins vor dem Komma“ zu rechnen, schilderte ein Kassenexperte. Zum Halbjahr hatte die gesetzliche Krankenversicherung ein Minus von 50 Mill. Euro vermeldet.

Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel sind derweil in den ersten zehn Monaten mit 2,1 Prozent wesentlich geringer gestiegen als im Vorjahr. Auf Grund der bisherigen Entwicklung könne davon ausgegangen werden, dass die Arzneiausgaben in diesem Jahr in etwa stagnierten, teilte die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) mit. 2005 hatten die Kassen für Arzneien noch rund 17 Prozent mehr ausgegeben als im Jahr davor. Die Koalition hatte deswegen im Frühjahr ein Arznei-Sparpaket auf den Weg gebracht.

Im Oktober hätten die Ausgaben knapp 2,1 Mrd. Euro betragen, was 2,5 Prozent mehr seien als im Vorjahr, erklärte der Apothekerverband. Das Arznei-Spargesetz habe sich positiv auf die Ausgaben ausgewirkt, die von April bis Oktober um 153 Mill. Euro gesunken seien.

Das Sparpaket enthielt einen zehnprozentigen Rabatt der Generikahersteller an die Kassen sowie einen zweijährigen Preisstopp für verschreibungspflichtige Medikamente. Zudem wurden Naturalrabatte der Pharmaindustrie an die Apotheken in Form von Gratispackungen verboten. Darüber hinaus sind für besonders preisgünstige Festbetragsmedikamente die Zuzahlungen weggefallen, was zu erheblichen Preissenkungen geführt hat.

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