_

Krankheitsfälle angestiegen: Regierung begrenzt Kosten für Schweinegrippe-Impfung

28 Euro - mehr soll eine Schweinegrippe-Impfung nicht kosten. Das geht aus einem Verordnungsentwurf hervor, den der Bund den Ländern zugestellt hat. Indes steigen die Fälle von Schweinegrippe in Deutschland weiter.

Ein Piekser reicht nicht: Gegen den Schweinegrippe-Erreger ist eine zweimalige Impfung notwendig. Quelle: ap
Ein Piekser reicht nicht: Gegen den Schweinegrippe-Erreger ist eine zweimalige Impfung notwendig. Quelle: ap

HB BERLIN. "Wir halten das für einen sachgerechten und geeigneten Orientierungswert", sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums am Montag der AP. "Es ist jetzt Sache der Länder, in Impfvereinbarungen mit den Kassen Details zu klären." Die Verordnung soll am Mittwoch vom Bundeskabinett verabschiedet werden.

Anzeige

18 Euro sollen der Sprecherin zufolge auf den Impfstoff entfallen, zehn Euro auf die mit der Impfung verbundenen Dienstleistungen und sonstigen Kosten wie etwa die für Spritzen. Die "Rheinische Post" zitierte aus dem Entwurf: "Für die gesetzlichen Krankenkassen entstehen auf Basis der Verordnung geschätzte Mehrausgaben für 2009 in einer Größenordnung von etwa 0,6 Mrd. Euro."

Es wird davon ausgegangen, dass alle Länder aufgrund der unterschiedlichen Infrastruktur verschiedene Vereinbarungen mit den Kassen treffen. Der Impfstoff soll ab Ende September zur Verfügung stehen.

Vergangene Woche hatten sich Gesundheitsministerin Ulla Schmidt und die Kassen nach wochenlangem Streit darauf geeinigt, dass die Kassen für 50 Prozent der Bevölkerung die Kosten übernehmen. Darüber hinausgehende Aufwendungen gehen zulasten der Steuerzahler. Höhere Kassenbeiträge oder Zusatzzahlungen wegen der geplanten Schweinegrippe-Impfung waren damit vom Tisch. Die Kosten für die Impfung von rund 40 Mio. Menschen schätzte die SPD-Politikerin auf eine Milliarde Euro.

Eine zweimalige Impfung gegen den Schweinegrippe-Erreger ist notwendig, weil der menschliche Körper in der Regel keine Antikörper gegen den neuen H1N1-Virus besitzt, wie Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut erklärte. Bei klassischen Grippeschutzimpfungen werde dagegen lediglich eine einmalige Auffrischung vorgenommen.

Dem Robert-Koch-Institut sind mittlerweile 12 120 Fälle von Schweinegrippe gemeldet worden. Das sei eine Steigerung um 627 Fälle. Grund für diesen Anstieg seien weiter hauptsächlich zurückgekehrte Urlauber, die sich während ihrer Reise mit dem Virus angesteckt haben.

Nach Schätzung des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte sind bei einer weiteren Verbreitung der Schweinegrippe Säuglinge und Kleinkinder besonders gefährdet. Die Grippemittel Relenza und Tamiflu seien für Säuglinge im ersten Lebensjahr nicht zugelassen, erklärte der Verband. Und die für Kleinkinder geeignete Saftform von Tamiflu sei nach Angaben des Herstellers bis November oder Dezember nicht mehr lieferbar.

"Damit haben wir bei einem Übergreifen der neuen Grippe auf besonders gefährdete Säuglinge und Kleinkinder in den nächsten Wochen so gut wie keine einigermaßen wirksamen Behandlungsmöglichkeiten", erklärte Verbandspräsident Wolfram Hartmann. Da eine vorbeugende Influenza-Impfung frühestens im November wirksam sein könne, fordern die Kinder- und Jugendärzte Eltern auf, bei weiter steigenden Krankenzahlen Menschenansammlungen mit Kleinkindern zu meiden.

  • Die aktuellen Top-Themen
Studie: Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Bei Übernahmeschlachten gewinnt der Verlierer

Wenn zwei Unternehmen um ein anderes streiten, bedeutet das oft nicht Gutes für den Gewinner. Denn bei Übernahmen können die Sieger die Erwartungen oft nicht erfüllen. Profiteur ist - der Verlierer.

Afghanistan: Acht Zivilisten bei Nato-Angriff getötet

Acht Zivilisten bei Nato-Angriff getötet

Ein Nato-Angriff hat in Afghanistan offenbar eine ganze Familie ausgelöscht. Sechs Kinder und deren Eltern sind laut der Provinzregierung ums Leben gekommen. Am Vortrag gab es bereits tödliche Gefechte mit der Taliban.

Wüstenrot-Studie: Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Jeder dritte Deutsche fürchtet Immobilienblase

Rund 44 Prozent der Deutschen halten die Preise für Häuser und Wohnungen für deutlich überhöht. Sie fürchten sich vor einer Immobilienblase. Vor allem die Bürger eines Bundeslandes sind besonders skeptisch.