Krebserkrankung
Hessischer Ex-Ministerpräsident Börner ist tot

Der frühere Ministerpräsident des Landes Hessen, Holger Börner, ist im Alter von 75 Jahren in seiner Heimatstadt Kassel gestorben. Der SPD-Politiker war 1985 erstmals auf Landesebene eine Koalition mit den Grünen eingegangen, die bereits 1987 im Streit um die Atompolitik zerbrach.

HB KASSEL. Börner sei in der Nacht zum Mittwoch gestorben, teilte ein Sprecher der hessischen SPD am Mittwoch mit. Bei dem gelernten Betonfacharbeiter war 2003 Krebs diagnostiziert worden. Zu Jahresbeginn gab Börner dem Magazin „Stern“ ein Interview, in dem er bekannte, jedes Jahr als Geschenk zu betrachten, das ihm noch vergönnt sei.

Börner, der seit 1948 der SPD angehörte, war unter Willy Brandt zum Bundesgeschäftsführer der SPD aufgestiegen. 1976 wurde er von einer SPD-FDP-Koalition zum hessischen Ministerpräsidenten gewählt. Als die Liberalen bei den Landtagswahlen 1982 an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterten, regierte Börner über zwei Jahre ohne eigene Mehrheit. 1985 wurde das Tolerierungsmodell von SPD und Grünen in eine reguläre Koalition umgewandelt. Joschka Fischer wurde Umweltminister und legte den Amtseid in Jeans und Turnschuhen ab, was für Aufsehen sorgte.

Bereits im Februar 1987 kündigte Börner die Koalition wieder auf: Er hatte sich mit Fischer und dessen Grünen in der Frage der Betriebsgenehmigung für das Hanauer Nuklearunternehmen Alkem überworfen. Bei den folgenden Neuwahlen trat Börner nicht mehr an, die SPD verlor die Macht an CDU und FDP.

Nachhaltig im Gedächtnis geblieben ist Börner vielen (Alt-)Bundesbürgern durch seinen „Dachlatten“-Spruch: Die Presse zitierte ihn in den 80-er Jahren mit den Worten, Probleme wie mit den Gegnern der Startbahn West des Frankfurter Flughafens habe man früher auf dem Bau mit der Dachlatte erledigt. Dem „Stern“ sagte Börner Anfang 2006, es handele sich um eine journalistische Verdrehung: Er habe damals mit einem Journalisten im Auto gesessen, das von Demonstranten belagert worden sei. Die Polizei habe ihn kaum schützen können, da habe er gesagt: „Heute muss ich für den öffentlichen Frieden eintreten. Aber vor 40 Jahren auf dem Bau hätte ich einen Angriff auf meine Person mit der Dachlatte beantwortet.“ Börner setzte als Ministerpräsident den Ausbau des Frankfurter Flughafens gegen heftige Widerstände durch.

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