Krebshilfe für Fotos auf Schachteln
Schocktherapie für Raucher im Gespräch

Die Regierung überlegt mit Bildern von Lungenkrebs-Erkrankungen oder blutigen Herz-Operationen die Lust auf den blauen Dunst zu verderben.

HB BERLIN. Es werde geprüft, ob mit solchen Bildern Menschen vom Rauchen abgehalten werden können, sagte der Sprecher von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) am Montag in Berlin. Die Erfahrungen mit dieser Abschreckungsmethode in anderen Ländern seien aber „zwiespältig“. Experten forderten den Abdruck abstoßender Bilder zu den schädlichen Folgen der Nikotinsucht. „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“, meinte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Dagmar Schipanski. Gesundheitspolitiker der CDU reagierten indes skeptisch.

Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums untersuchen Fachleute derzeit den Vorschlag. Ergebnisse gebe es noch nicht. „Wir prüfen die Einführung derartiger Bilder, wenn wissenschaftlich nachgewiesen werden kann, dass diese Strategie erfolgreich ist“, hatte Gesundheitsstaatssekretärin Marion Caspers-Merk (SPD) am Wochenende gesagt. Erste Ergebnisse einer Studie seien im Herbst zu erwarten. Aktuell müssen die Tabakkonzerne nach EU-Vorgaben schriftliche Warnhinweise auf die Packungen drucken. Großbritannien will aber im Laufe des nächsten Jahres den Abdruck von Schockbildern vorschreiben.

Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), plädierte für den Aufdruck abschreckender Fotos, um mehr Menschen zum Nichtrauchen zu bewegen. „Die großen Warnhinweise nimmt so mancher Raucher mittlerweile kaum noch wahr“, sagte sie dem „Hamburger Abendblatt“ (Dienstag). Sie beobachte mit Interesse die Entwicklung in Belgien, wo solche Schockfotos bereits eingeführt wurden.

Auch die Krebshilfe forderte, Deutschland solle dem Beispiel Großbritanniens und anderer Länder folgen. 60 Prozent der Raucher seien grundsätzlich bereit, das Rauchen aufzugeben, sagte Schipanski der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Montag). Das hätten Studien ergeben. „Wenn dann beispielsweise das Bild eines Tumors den letzten Anstoß gibt, ist dieses Mittel durchaus geeignet.“ Allerdings seien Fotos nur dann wirksam, wenn sie häufig wechselten. Sie seien auch nicht „der Weisheit letzter Schluss“, sondern könnten nur Teil eines umfangreichen Hilfsangebots für Raucher sein, die aufhören wollen.

Der CDU-Gesundheitspolitiker Willi Zylajew sagte „Spiegel Online“: „Die Kompanie der Gängeler, (...) meldet sich alle paar Wochen zu Wort.“ Er glaube nicht, dass der Abdruck von Schockbildern auf Zigarettenschachteln Wirkung zeigen werde. „Die Menschen kennen doch die Risiken.“ Auch der CDU-Politiker Wolf Bauer, wie Zylajew Mitglied der Arbeitsgruppe Gesundheit in der Unionsfraktion im Bundestag, ist skeptisch. „Schon die jetzigen Warnhinweise werden doch von Rauchern nicht wirklich beachtet.“ Seit Anfang September ist bundesweit in Fernzügen, Bussen und Taxis das Rauchen verboten.

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