Kreditaffäre
Costa Concordia rettet Wulff das Amt, nicht die Ehre

Ist das "Stahlgewitter" vorbei? Schlagzeilen über das Schiffsunglück oder die Euro-Krise verdrängen den Bundespräsidenten von den Titelseiten. Doch wirklich helfen wird ihm das nicht, sagen Kommunikationsexperten.
  • 27

Für die Bild-Zeitung ist es ein gefundenes Fressen. Sie breitet die "Telefon-Protokolle vom Todesschiff" auf Seite 1 aus, weidet sich an den Ausreden des "Lügen-Kapitäns" ("Ich bin ins Rettungs-Boot gefallen") und berichtet seitenweise wie die Toten "in Smoking und Abendkleid durchs Gala-Restaurant getrieben sind". Beim Untergang der Costa Concordia vor der italienischen Küste läuft die Boulevard-Zeitung zur Hochform auf. Doch auch seriösere Tageszeitungen wie "Die Welt" oder die "Süddeutsche Zeitung" zeigen auf der ersten Seite Luftbilder der Katastrophe oder berichten über die neuesten Opfer-Zahlen.

Und die Affäre um Bundespräsident Christian Wulff? Ist der Bild-Zeitung gerade mal einen unauffälligen Zweispalter auf Seite 2 wert.

Wulff hatte bei einem internen Neujahrsempfang für Mitarbeiter vor zwei Wochen die Hoffnung geäußert, "dass dieses Stahlgewitter bald vorbei ist". Jetzt könnte sich diese Hoffnung schneller erfüllen, als selbst Wulff wohl gedacht hat. "Andere, wichtigere aktuelle Vorfälle wie beispielsweise der Untergang der Costa Concordia verdrängen den Fall Wulff aus den Schlagzeilen", beobachtet Kommunikationsberater Hasso Mansfeld die Situation. Er wagt die Prognose: "Christian Wulff hat die Angriffe der Medien überstanden." Auch andere Megathemen wie die Rating-Herabstufung von neun Euro-Ländern lenken die Aufmerksamkeit der Politik- und Wirtschaftspresse wieder auf Themen wie die Schulden- und Eurokrise.

Dazu kommt: Wirklich wichtige Neuigkeiten zum Fall Wulff sind rar geworden. "Was jetzt noch an neuen Vorwürfen kommt, wird immer belangloser", sagt Mansfeld. Da enthüllt etwa die Berliner Zeitung, dass Wulffs Sohn von einem Autohändler ein Bobby-Car zum Geburtstag geschenkt bekommen hat. Auch die Tatsache, dass der Bundespräsident im Flugzeug in die Business Class gebettet wird, obwohl er nur Holzklasse gebucht hat, wäre zu anderen Zeiten keine Meldung wert gewesen. "Jetzt wird dem Bundespräsidenten etwas kleinkariert jedes Bier, das ihm auf dem Oktoberfest ausgegeben worden ist, nachgehalten", kritisiert der Kommunikationswissenschaftler Siegfried Weischenberg, Leiter des Instituts für Journalistik an der Universität Hamburg.

Deutlich zu beobachten ist die abnehmende Wahrnehmung der Wulff-Affäre auch beim Kurznachrichtendienst Twitter. War der Begriff "Wulff" um die Jahreswende noch eins der beherrschenden Themen in den Twitterfeeds, ist die Zahl der Tweets zu dem Thema jetzt deutlich zurückgegangen. Das Schlagwort "Concordia" dagegen hat jetzt einen Anteil an den gesamten Tweets, den die die Wulff-Affäre selbst zu ihren aufregendsten Zeiten nicht hatte.

Wie viel über Wulff getwittert wurde Wie viel über die Costa Concordia getwittert wurde

Immer mehr zeichnet sich ab, dass Wulff es tatsächlich schaffen dürfte, die von seinem umstrittenen Privatkredit ausgelöste Aufregung im Amt auszusitzen. "Die Affäre wird in einem langweiligen juristischen Geplänkel auslaufen – ohne dass Wulff zurücktritt", sagt Kommunikationsberater Mansfeld voraus.

Seite 1:

Costa Concordia rettet Wulff das Amt, nicht die Ehre

Seite 2:

"Eigentlich ist er jetzt schon kein Präsident mehr"

Kommentare zu " Kreditaffäre: Costa Concordia rettet Wulff das Amt, nicht die Ehre"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, sowohl die Costa Concordia wie auch Wulff weigern sich unterzugehen auch wenn sie schon ordentlich angeschlagen sind.

  • Oki, gerade gemerkt ...

    Das kommt davon, wenn man die Brille nicht anzieht

  • @Politisch gekaufte Medien.
    Man sollte auf solche bösen Gerüchte gar nicht eingehen.
    Die Frau war Model soweit ich weiß.Aber es geht um den BP,
    und auch das ist lächerlich im Vergleich zu dem was gerade sonst passiert, wie Euro-und Rettungsschirm. Frau Merkel hat den Wagen so in den Dreck gefahren und jetzt sitzt Deutschland in der Falle. Jetzt spielt sich auch Schulz im Europa Parlament noch auf, dabei geht es doch denen allen in erster Linie um die Erhaltung Ihrer gut bezahlten Jobs, bei denen sie nicht maln Verantwortung übernehmen müssen, denn die hat der Steuerzahler. Prof. Stabaty u.a. haben es schon vor Jahren erkannt: Der Euro ist eine Fehlkonstruktion und muss weg. GR bekommt immer noch mehr Mittel um weiterzumachen. Deutschland wird nicht akzeptiert noch sind wir in der Lage ein vereintes Europa zu führen. Die europ. Staaten sind auch gar nicht reif dafür, denn allen geht es um ihren nationalen Vorteil.Wir können das allein, nur muß jetzt Schluß sein mit dem Europageschwätz , mit Rettungsschirmen und Hebeln. Aus, raus, Schluß damit !

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%