Kreditaffäre
Merkel stärkt Wulff den Rücken

Trotz aller Kritik: Hochrangige Politiker haben sich in der Kreditaffäre nun hinter Bundespräsident Wulff gestellt. Nicht nur Bundeskanzlerin Merkel stärkt ihm den Rücken, selbst DGB-Chef Sommer lobt seine Amtsführung.
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BerlinKanzlerin Angela Merkel (CDU) hat dem in der Kritik stehenden Bundespräsidenten Christian Wulff erneut ihre Unterstützung versichert. „Der Bundespräsident macht eine hervorragende Arbeit, und das, was im Raume steht, wird von ihm persönlich aufgeklärt“, sagte Merkel am Montag am Rande eines Besuchs der Bundeswehrsoldaten im Kosovo. „Deshalb glaube ich, dass es wichtig ist und richtig ist, dass heute auch bestimmte Dokumente eingesehen werden können, und dass alles für die Aufklärung getan wird.“

Die Kanzlerin ergänzte: „Ansonsten hat der Bundespräsident mein vollstes Vertrauen.“ Während Wulff auch von FDP-Politikern Rückendeckung bekam, verlangte die SPD vom Bundespräsidenten persönlich vollständige Aufklärung über dessen frühere enge Beziehungen zu Unternehmern und sprach von einem „merkwürdigen Amtsverständnis“. Wulff war wegen eines Privatkredits für sein Haus über 500 000 Euro und mehrerer Urlaubsreisen auf Kosten befreundeter Unternehmer in seiner Zeit als niedersächsischer Ministerpräsident in die Kritik geraten. Merkel hatte bereits am Donnerstag betont, dass sie die Arbeit des Bundespräsidenten schätze und würdige.

Seit Montag können Journalisten die Unterlagen für den umstrittenen Kredit, den eine Unternehmer-Gattin dem Ehepaar Wulff für den Kauf eines Hauses gewährt hat, in einer Berliner Anwaltskanzlei einsehen. Viel schlauer dürfte dadurch niemand geworden sein. Wichtige Fragen bleiben weiter offen. Allerdings: Im zweiten und vielleicht wichtigsten Papier, dem Darlehensvertrag, ist die alleinige Unterschrift von Edith Geerkens ebenso eindeutig zu erkennen wie die von Bettina und Christian Wulff.

Keinen Aufschluss gibt die Seite aber naturgemäß darüber, ob Edith Geerkens Ehemann Egon den Vertrag nicht vielleicht doch eingefädelt, besprochen und mit Wulff verabredet hat, wie Kritiker des Bundespräsidenten mutmaßen. Interessant bestenfalls, dass der Zinssatz handschriftlich von zunächst 4,5 Prozent auf 4,0 Prozent reduziert wurde, die monatliche Zahlung entsprechend von 1875 auf 1666 Euro.

Neben der nun gewährten Akteneinsicht hatte Wulff am Sonntag über seine Anwälte zudem eine Liste von Urlauben veröffentlichen lassen, die er als Regierungschef bei befreundeten Unternehmern gemacht hat.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Michael Sommer, stellte sich hinter den in die Kritik geratenen Bundespräsidenten Christian Wulff. „Es gibt an seiner Amtsführung als Bundespräsident bislang nichts auszusetzen“, sagte Sommer am Montag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Er lobte ausdrücklich Wulffs Auftreten bei seiner Israel-Reise und seine Rede vor einem Jahr zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit.

Der DGB-Chef verlangte allerdings auch rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge, deretwegen Wulff in die Kritik geraten ist. „Ich glaube, dass alle Vorgänge, die Wulff selber auf den Tisch gelegt hat einschließlich seiner privaten Urlaubsreisen und seiner Beherbergung bei Freunden, offen gelegt werden müssen, um jeden Zweifel an der Integrität seiner Amtsführung als Ministerpräsident zu zerstreuen.“

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  • Wie viel erhält Frau Merkel von Hr. Wulff? Wieso ist Anstand und Gewissen in der heutigen Politik absolut verboten??? Man denke nur, jeder Bürger handelt wie unsere Politiker, gewissenlos, verantwortungslos!!! Ist dies das neue Gesetz auf Anordnung unserer Politiker in Deutschland?

  • Welches Gesetz hat er denn verletzt?
    Gibt es denn jemand, der noch nie Geld geliehen oder bekommen hat? Auch ohne Zinsen? Waren Sie noch nie besoffen auf einer Party?

    Es gibt so viele scheinheilige hier, die bereits Steine werfen und alle ausnahmslos sind Heuchler.
    Ich persoenlich halte nichts von einem Bundespraesidenten, der sich verarschen laesst, ungustige Kredite nimmt und noch nie richtig gefeiert hat.. Dem Mann wuerde jeder Bezug zur Wirklichkeit fehlen.

    Jemand in der Presse steckt aber enorm viel Geld in eine Schmutzkampanie gegen die Regierung. Wulff, Gutenberg, Westerwelle. Es muss um verdammt viel Geld gehen oder um die Kontrolle ueber das Land. In beiden Faellen wird es dunkel in Deutschland nach den naechsten Bundestagswahlen.

  • Ich würde keine Kerze anzünden.

    Zitat Wulff zur Flugaffäre Rau
    "Ich leide physisch darunter, dass wir keinen unbefangenen bundespräsidenten haben"

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