Kreditausfälle erwartet
Deutschen Banken drohen neue Turbulenzen

Die Finanzaufsicht BaFin sieht über den deutschen Banken neue Turbulenzen heraufziehen. Es sei „ziemlich sicher“, dass sie „in ein paar Monaten die volle Wucht der schärfsten aller bisherigen Rezessionen in ihren Kreditportfolien spüren werden“, sagte BaFin-Chef Jochen Sanio. Auch seine Behörde leidet inzwischen unter der Krise. Wegen des Untersuchungsausschusses zur Hypo Real Estate (HRE) hat die BaFin die Überwachung der Banken fast vollständig eingestellt.

saf/HB BONN. Die Banken bereiteten sich zwar mit eigenen Stresstests auf diese Situation vor, sagte der Präsident der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Dienstag in Bonn. Es gebe aber keinerlei Erfahrungswerte, wie sich das starke Negativwachstum auswirken werde.

Deutsche Banken haben nach einer Schätzung der BaFin rund 200 Mrd. Euro an ausfallgefährdeten Wertpapieren in ihren Büchern. Sanio sagte, die aus einem Papier des Amtes an die Öffentlichkeit gelangte Summe von mehr als 800 Mrd. Euro sei missverstanden worden. Darin seien auch „überflüssige Assets“ genannt worden, die etwa Landesbanken aus ihren Bilanzen ausgliedern wollten. „Die Zahl der toxischen Assets ist nur ein Bruchteil davon, nämlich rund 200 Milliarden“, sagte Sanio. Die Zahlen in dem Papier seien zudem Ergebnis einer „überschlägigen Aufaddition“.

Ein schneller Wiederaufstieg der Wirtschaft sei „mehr als unwahrscheinlich“, sagte Sanio weiter. Er mahnte deshalb die Banken, „mit der größtmöglichen Eigenkapitalstärke in die kommende schwierige Wirtschaftsphase“ zu gehen. Dazu sollten sie schnell von den Möglichkeiten Gebrauch machen, ihre Schrottpapiere in die beschlossenen „Bad Banks“ auszulagern. Es bestehe „die sehr konkrete Gefahr“, dass die Ratingagenturen auch bisher als erstklassig bewertete Verbriefungspapiere plötzlich hart herabstuften. Das könne das Eigenkapital der Banken so stark belasten, dass ihre Möglichkeiten zur Kreditvergabe entscheidend eingeengt würden.

Die kontinuierliche Entsorgung des „Giftmülls“ in einem geordneten Verfahren unter staatlichem Schutzschirm könne den Banken einen Ausweg aus der Rating-Falle bieten, erklärte Sanio. Er könne sich nicht vorstellen, dass eine Bank, die Probleme mit strukturierten Papieren habe, diese Chance nicht annehme und „gottergeben abwartet, ob sie von tödlichen Downgradings getroffen wird oder nicht“. Nötigenfalls würde die BaFin eingreifen. Die Banken wären jedoch „schlecht beraten, wenn sie darauf warten, dass die BaFin sie auf den Weg zur Giftmüll-Abladestation zwingt“.

Kritik übte Sanio an einer deutlich überzogenen Selbstregulierung, die inzwischen den Bankenmarkt erfasst habe. Die Investoren erzwängen gegenwärtig in einer „fast schon perversen Entwicklung“ Eigenkapitalanforderungen, welche die internationalen Regeln weit überträfen.

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