Kreditklemme
Gebeutelte Firmen warnen vor Staat als Banker

Ein akuter Auftragsmangel, versiegende Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft und wachsende Refinanzierungsnöte treiben immer mehr Unternehmen in den Ruin. Dennoch halten zumindest die schwer gebeutelten Maschinenbauer eine Kreditvergabe durch den Staat für hochriskant.

mjh/noh/yo/HB DÜSSELDORF. "Ich würde es (...) für absolut hochriskant halten, wenn der Staat selbst anfinge, Kredite zu vergeben", sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA), Hannes Hesse, der "Berliner Zeitung" vom Dienstag. "Der Staat ist nicht in der Lage, die Bonitätsprüfung zu machen. Das müssen die Banken tun."

Finanzminister Peer Steinbrück und Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg haben den Banken vorgeworfen, eine Erholung der Konjunktur durch eine zu zögerliche Kreditvergabe zu gefährden. Steinbrück hatte mit noch nie dagewesenen Maßnahmen gedroht, sollte es deshalb in der zweiten Jahreshälfte zu einer Kreditklemme kommen.

Hesse warnte, der Staat dürfe nicht in die Geschäftspolitik der Banken eingreifen. "Dass er davon wenig Ahnung hat, hat der Staat bei der WestLB und den anderen Landesbanken mit eindeutiger Klarheit bewiesen." Der Staat müsse aber den Druck schaffen, dass sich die Banken wieder im normalen Kreditgeschäft engagierten, sagte Hesse. "Im Grunde haben die Maschinenbauer und die gesamte Realwirtschaft das extrem leichtsinnige Verhalten der Banken der vergangenen Jahre auszubaden", bemängelte Hesse. "Es ist ein Unding, dass von den hunderten Mrd. Euro, die die Banken billigst bei der EZB abgerufen haben, nichts oder nur kaum etwas in der Realwirtschaft auftaucht." Die Banken kämen nicht ihrer Aufgabe nach, die Unternehmen mit Krediten zu versorgen.

Es sei für die Firmen ungleich schwieriger geworden, Kredite größerer Volumina ab 50 Mio. Euro zu erhalten. "Hochkompliziert sind Kredite über längere Laufzeiten, also über drei Jahre, und schwierig sind auch Kredite am unteren Ende, so unter 300 000 Euro", erklärte Hesse. Das führe zu Verzögerungen beim Geschäft der Unternehmen.

Die meisten Unternehmen kommen nicht damit klar, dass nicht nur Aufträge einbrechen: Versiegende Mittelzuflüsse aus dem operativen Geschäft und wachsende Refinanzierungsnöte treiben immer mehr in die Pleite. Im ersten Halbjahr 2009 mussten nach Berechnungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform 16 650 Firmen in Deutschland Insolvenz anmelden, 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

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